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Montag, 18. Juli 2016

Keiler-Marathon in Wombach: Auf Wildschweinjagd in Bayern

Da der Austragungsort des Keiler-Marathons geographisch einige Stunden Fahrtzeit von der Heimat entfernt lag, beschlossen wir, bereits entspannt am Vortag anzureisen. Der Anreisetag fiel ungünstiger Weise auf den hessischen Ferienbeginn, weshalb wir uns die Autobahn mit vielen Reiselustigen teilen mussten. Die Ferien dauern 6 (!) lange Wochen – wieso starten alle Menschen schon direkt am letzten Schultag in den Urlaub?! Es trug sich also zu, dass sich die Fahrtzeit insgesamt etwas ausdehnte. Diese Zeit konnte aber gut für weitere Rennplanungen, taktische Abläufe und diverse organisatorische Konzeptionen genutzt werden. Je näher wir dem Zielort kamen, desto bayrischer wurde es. Als uns dann ein grüner Streifenwagen der Polizei begegnete, waren wir uns sicher: Wir haben die Landesgrenze zu Bayern überschritten. Den restlichen Abend nutzten wir zur Erkundung der Stadt, der Suche nach dem Main, zum Auffüllen der Kohlenhydratspeicher und zum kulturellen Austausch.
 
So erfuhren wir beim Abendessen, dass man die Einwohner keinesfalls als Bayern, sondern als Unterfranken zu bezeichnen hat. Man lernt nie aus. J Eines fiel bereits auf: Von jedem Sonnenschirm, an jedem Gasthaus und einfach überall blickte man in das Gesicht eines fröhlichen Keilers. Doch dazu später mehr…
 
 
Am nächsten Morgen hieß es dann endlich: Raceday! Die Sonne strahlte bereits vom wolkenlosen Himmel und die Temperaturen erfreuten mit sommerlicher Wärme. Am ausgewiesenen Parkplatz angekommen, stellten wir fest, dass von dort einige Kilometer Fußmarsch bis zur Anmeldung sowie dem Start-Ziel-Bereich zurückzulegen wären.
Eine andere Lösung musste also her, die einige leicht dramatische Szenarien mit sich brachte.
Doch wie wir letztlich noch zu einem VIP-Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Startbogens kamen, soll an dieser Stelle nicht genauer erläutert werden. J
 
Beim Abholen der Startunterlagen holte mich dann der Anblick des Keilers wieder ein. Hatte sich doch eine ganze Wildschweinfamilie (aus Plüsch natürlich) auf dem Siegertreppchen drapiert. Der Hauptsponsor der Veranstaltung, die Keiler-Brauerei in Lohr stellte die plüschigen Zeitgenossen als Gewinn für die schnellsten Fahrerinnen und Fahrer zur Verfügung. Mein Ziel war gesetzt: Ich will unbedingt so einen Keiler. Dies setzte natürlich voraus, dass ich ein „sau“-gutes und „sau“-schnelles Rennen abliefern muss.
Motiviert stellte ich mich in der Startaufstellung schon einmal in die vordere Reihe, um die Jagd auf das Wildschwein zügig beginnen zu können. Der Moderator verlas bis zum Startschuss die Favoritinnen – ich wurde nicht erwähnt. Naja gut, hier in Bayern – stopp: Unterfranken – kennt mich keiner. Das Führungsfahrzeug bildete ein Pick-Up der Keiler-Brauerei mit der Aufschrift „Sau on Tour“, welcher bis kurz vor dem ersten lange Anstieg das Feld neutralisierte. Der erste Anstieg hatte es sogleich in sich und ließ den Laktatspiegel in den Beinen bereits nach oben schießen. Ich verlor den Überblick im Feld und wusste nicht an welcher Position ich mich befand. Der Streckenposten bei Kilometer 8 rief mir zu, dass ich die erste Frau sei und ich war überrascht. So war ich mal wieder die Gejagte – also kein Blick zurück und das Tempo hoch halten.
 
Die Strecke war schön und anspruchsvoll oder auch schön anspruchsvoll. Es gab steinige Trails gespickt mit vielen Wurzeln, die die Fahrtechnik ordentlich forderten. Das Rennen verlief bei mir wie im Flow – ich hatte zwar ständig das Gefühl, dass sich eine andere Dame von hinten näherte, drehte mich aber nicht um. Die Führung wollte ich mir ungern nehmen lassen und so kämpfte ich mich die Anstiege zügig hinauf und die Trails hinunter. Schneller als erwartet kam dann schon das Ziel in Sichtweite. Beim finalen Zielanstieg ging es bereits an vielen Zuschauern vorbei und ich wurde als Gesamtsiegern angekündigt. Ein unbeschreiblich tolles Gefühl! Es war ein sehr flüssiges Rennen für mich und ich habe es sehr genießen können. Definitiv ein „Race to remember“. Bei der Siegerehrung konnte ich dann den Keiler in Empfang nehmen - ein origineller und schöner Preis, der mich nun immer an diesen Tag erinnern wird.
 
 
Liebe Veranstalter: Der Keiler-Marathon ist super Event mit toller Strecke. Eine der schönsten Marathonstrecken, die ich je gefahren bin. So hoffe ich doch, dass es im nächsten Jahr einen 21. Keiler-Marathon gibt! Schließlich möchte ich meine plüschige Wildschweinfamilie noch vergrößern. J
 
 
 
Ein großes Dankeschön an die Person, die nicht nur mein Lieblingsmensch, sondern auch mein Co-Trainer, Mechniker, Physiotherapeut, Betreuer und Fotograf ist - ohne dich würde das alles nicht so gut laufen und auch nur halb so viel Freude machen. 
 
 
Keep on riding,
Vanessa
 
Zitate des Tages:
„Bei einem Defekt oder so – mach´ es wie Chris Froome: Lauf einfach los!“
„Sind wir jetzt in Bayern?“
„Ist ja alles richtig bayrisch auf einmal.“
„Du bist Sportler, das habe ich dir schon im Gesicht angesehen.“
„Wir sind UNTERFRANKEN! Keine Bayern.“
„Wo geht es denn zum Main?“
                „An der Kirche vorbei und dann rund 350 Meter Richtung Würzburg.“
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

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