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Montag, 30. April 2018

Bergzeitfahren MTB in Schotten: Wenn nur Watt pro Kilogramm zählt

Bedingt durch viele Trainingsstunden in der vergangenen Woche hat mein „Ich-werde-Reifenwechseln-lernen-Kursus“ unter Anleitung meines (Fach-)Mannes im hauseigenen Radkeller leider keinerlei Fortschritte gemacht. So trug es sich zu, dass ich am vergangenen Wochenende erneut ohne Fachwissen und Kenntnisse unvorbereitet wie eh und je in ein Rennen starten musste.

Im Rennkalender stand das Bergzeitfahren Mountainbike in Schotten auf den dortigen Hausberg „Hoherodskopf“. Dort bereits mein dritter Start in Folge - ein Rennen, was ich sehr mag. Und das Rennformat kommt mir sehr entgegen, da am Berg nur das reine Verhältnis von Watt zu Kilogramm zählt. Der Start war erst um 15 Uhr, was einen entspannten Start in den Tag ermöglichte. Jedoch finde ich persönlich einen Start am Nachmittag immer etwas unpraktisch, da man irgendwie andauernd nur darauf wartet bis es endlich losgeht. Um die Nerven zu beruhigen kann man sich dann noch allerhand nervigen Dingen widmen, wie Wäsche waschen, den kompletten Haushalt schmeißen, Unkraut jähten, kochen, Kuchen backen – ja so ein freier Vormittag kann wirklich lang sein.
Wir sind ja generell sehr abenteuerlustig, sodass wir unser Navi stets auf die kürzeste Strecke (und nicht, wie üblich auf die schnellste Route) programmiert haben. Und das Navi ist in Sachen „kürzeste Strecke“ in der Tat extrem rigoros: Über Feld-, Wald- und Wiesewege, Hofeinfahrten, Bachdurchläufe – alles möglich, Hauptsache man spart Kilometer. Und bei manchen Orten kommt man sich vor wie Kolumbus bei der Entdeckung Amerikas. Doch bei der Hinfahrt nach Schotten können wir dem Navi einmal mehr dankbar sein, denn wir entgingen einem langen Stau auf der Autobahn. Wären wir dort hineingefahren, hätten wir es keinesfalls mehr pünktlich an die Startlinie geschafft. Also, wenn ihr einmal eine schöne, abenteuerlustige Überlandfahrt machen wollt, stellt euer Navi einmal auf „kürzeste Strecke“. ;-)

Endlich angekommen begannen die renntypischen Vorbereitungen mit der Aufnahme der letzten Kohlenhydrate, mentalem Einstimmen und Warmfahren. Mir fiel die Tage wieder ein, dass ich dieses in der letzten Saison immer auf der freien Rolle praktiziert habe und diese Methode nun wieder aufgegriffen.



An der Startlinie verdeutlichte uns der Sprecher noch einmal die Daten: 12 Kilometer, 550 Höhenmeter, mit einer kurzen und steilen Abfahrt. Dann ertönte der Startschuss und das Feld knallte ebenso los. Der Start war hart, ich versuchte einfach an der Führungsgruppe zu bleiben. Wie immer – pacing wird ja überbewertet. ;-) Es gelang mir dann ganz gut in das Rennen zu finden und das Tempo gleichmäßig zu halten. Mein treuer Wattmesser verriet mir, dass ich dieses Tempo auch durchfahren kann. Ich wagte keinen Blick zurück, sondern konzentrierte mich ganz auf mein Rennen. 5 Kilometer vor dem Ziel teilte ein Streckenposten mit, dass nur 9 Fahrer vor mir waren. Diese Position wollte ich dann gerne halten. Kurz vor dem Ziel holperte es dann ordentlich durch eine Schotterpassage, deren Steine so groß und frisch waren, als wären sie extra als Schikane hingeschüttet worden. Bei jeden Tritt flogen die Steine und ich hoffte nur inständig, dass ich nicht platt fuhr. Auch in der folgenden Wurzelpassage hoffte ich weiter auf ein pannenfreies Durchkommen (der platte Reifen letztes Wochenende hat doch seine Ängste hinterlassen). Dann folgte ein langer Wieseaufstieg und schon kam der Zielbogen in Sicht. Ich überquerte als erste Frau mit 4 Minuten Vorsprung auf die nächste Dame die Ziellinie und nur 9 Männer waren schneller. Da freute ich mich sehr. Das Rennen lief super und ich bin sehr zufrieden, dass ich meine Leistung konstant durchfahren konnte. Bergzeitfahren liegt mir irgendwie ganz gut. ;-)






Nächste Woche geht es nach Bad Orb zur Hessenmeisterschaft Cross-Country, wo ich jedoch nur als Fahrerfrau agieren werde.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Nächstes Jahr habe ich dich!“

                               „In deinen Träumen vielleicht.“

„Wir müssen uns beeilen, in Frankfurt regnet es schon.“

„Lieber Landstraße als Stau.“

 

Montag, 23. April 2018

Kellerwald-Marathon Gilserberg: Unfreiwilliger Duathlon, aber DNF ist keine Option!

Wie in jedem Jahr fieberte ich dem Frühjahrsklassiker schlechthin entgegen: Dem Kellerwald-Marathon in Gilserberg als Start in die Rennsaison. Endlich können wir nun unsere Wochenenden wieder mit Rennterminen füllen und unserer größten Leidenschaft nachgehen – oder besser nachfahren. Beim ersten Termin im Kellerwald kristallisiert sich heraus, wer wie viel und wie gut im langen Winter trainiert hat. Ein erstes Kräftemessen und einordnen der eigenen Form.

Das Wetter zeigte sich – wie typisch für das Event im Kellerwald – von seiner sonnigen Seite. Und zudem war es bereits im Startblock hochsommerlich warm. Im Laufe des Tages wurde es dann sogar hochsommerlich heiß. Ungewöhnlich für April, aber das nehmen wir doch gerne hin, nachdem wir nun über ein halbes Jahr gefroren haben.
Ich entschied mich für den Start bei der Schlossbergrunde – eine schnelle und schöne Runde, die ich vom Start im vergangenen Jahr in guter Erinnerung hatte. Obwohl der Start nicht neutralisiert war, verlief dieser eher verhalten. Ich blieb direkt an der Führungsgruppe der Männer dran und nutzte auf den ersten Kilometern den Windschatten. Am ersten Berg wurde dann vorne eine Attacke gefahren und ich blieb in der Verfolgergruppe zurück. Anscheinend hatten wir aber eine sehr große Lücke aufgerissen, da hinter uns weit und breit kein Verfolger oder eine Verfolgerin in Sicht war. Durch meine Recherchen hatte ich mich im Vorfeld optimal auf das Höhenprofil vorbereitet und wusste genau, mit welchen Wattwerten ich die Berge angehen werde. Dies verlief auch problemlos und flüssig. Ich fühlte mich sehr gut und konnte das Tempo konstant halten.

 
Die Abfahrten ging ich flüssig, jedoch mit etwas Vorsicht an. Besonders Schotter und enge Schotterkurven lösen bei mir noch immer etwas Unbehagen aus – so ganz konnte ich den schweren Sturz vom letzten Jahr nicht aus dem Kopf löschen. Die Zeit, die ich in den Abfahrten liegen ließ, holte ich dann aber am Berg wieder auf.

Da ich keine Damenkonkurrenz im Nacken spürte, war mein neues Ziel eben eine gute Platzierung im Männerfeld herauszufahren und dies schien mir auch zu gelingen. Ich lag auf gutem Kurs, bis mir bei Kilometer 21 dann die Luft ausging. Und zwar komplett und mit einem Schlag aus dem Hinterrad. Zunächst konnte ich es gar nicht fassen, da mir so etwas in den langjährigen Renneinsätzen noch niemals passiert ist. Diesem Umstand geschuldet, bin ich auch nicht auf Defekte vorbereitet. Ohne irgendwelches Equipment und geschweige denn dem Know-How zur Reparatur blieb mir folglich keine Wahl: Ich musste ins Ziel rennen! Ein unfreiwilliger Duathlon. Nicht besonders angenehm mit steifen Carbonsohlen, aber DNF war keine Option. Es waren noch 5 Kilometer bis ins Ziel – klingt wenig, kommt einem aber dann doch unfassbar weit vor. Zwar boten mir einige Männer Pumpen, Schläuche und Kartuschen an – danke noch einmal für die Angebote – aber wahrscheinlich hätte bei mir die Laien-Reparatur länger gedauert als ein flotter Fußmarsch.

Allerdings stellte ich nicht in Frage, dass das, was ich tue, keinen Sinn macht. Das einzige, was mich hätte aufgeben lassen, wäre die Tatsache gewesen, dass mich eine Konkurrentin überholt. Doch schien mein Vorsprung so komfortabel gewesen zu sein (zum Glück hatte ich vorher so viel Tempo gemacht), dass dieser Umstand nicht eintrat. Also ein letzter Sprint durch den verwinkelten Cross-Country-Kurs und unter dem Applaus der Zuschauer schob ich mein Rad über die Ziellinie. Wie auch immer das möglich ist als Gesamtsiegerin mit einer Zeit von 1 Stunde und 11 Minuten mit 13 Minuten Rückstand auf den Sieger und immer noch 9 Minuten Vorsprung auf die nächste Dame. Mein Lauf – sicher eine 5-Kilometer-Bestzeit von mir – hatte mich nur 11 Minuten verlieren lassen. Somit wäre meine Platzierung im Männerfeld wirklich gut gewesen. Aber hätte, wäre, wenn – es war dennoch ein super Rennen mit einem nicht ganz so schönen Abschluss. Ich bin sehr froh, dass ich das Ganze noch irgendwie gerettet und ins Ziel gebracht habe. Denn „DNF is no option!“
 

Im Ziel konnte ich mich mit meinem Lieblingsmenschen dann sogar über einen Doppelsieg freuen. Es ließ mir jedoch keine Ruhe, warum ich platt gefahren hatte – kein Dorn, keine Scherbe, keine sichtbare Beschädigung…und dann auf einen Schlag ein kompletter Luftverlust ohne Milchaustritt. Wir kamen dem Ganzen nicht auf die Spur – das Geheimnis hüten nun die tiefen Wälder des Kellerwaldes.

Für mich bleiben somit ein paar Aufgaben, damit dies nicht mehr passiert: Endlich einmal verinnerlichen, wie man einen solchen Defekt behebt und dies dann üben, üben, üben!!

 
Trotz allem ein erfolgreicher Saisonauftakt mit Formbestätigung und Sicherstellung des Lebensmittelvorrates mit leckerem Brot für die nächste Zeit. Danke an den Schwälmer Brotladen für die kulinarischen Köstlichkeiten.
 
 

Ich komme immer wieder gerne zum Kellerwald-Marathon: Liebevolle Organisation, super Strecken, schönes Rahmenprogramm und tolle Preise!

Nächste Woche steht das Bergzeitfahren in Schotten im Rennkalender.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Statt Schlauch und Pumpe nehme ich demnächst Laufschuhe mit.”

„Wollte auf der Felge weiterfahren, aber dann hatte ich doch ein schlechtes Gewissen wegen dem Materialwert.“

„Immer dasselbe: Hunger, Ungeduld, Hunger.“

 

 

 

Montag, 16. April 2018

Großer Preis der RSG Buchenau: Premiere auf der Straße – Taktik ist das Zauberwort

Die Tage werden länger und wärmer, die letzten Schneereste sind endlich verschwunden, wir sind von dicker Winterkleidung direkt und übergangslos auf kurz-kurz umgestiegen...Das kann also nur eines bedeuten: Die Rennsaison geht endlich wieder los! Für mich begann die Saison in diesem Jahr mit einer Premiere. Das erste Straßenrennen meines Lebens. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass das Rennen im Nachbarort ausgetragen wurde und ich somit ohne Anreise und vor heimischen Publikum in die Saison starten konnte. Das Fahrerlager konnte direkt im heimischen Wohnzimmer aufgeschlagen und der Hinweg zum Warmfahren genutzt werden. Gute Ausgangsbedingungen also.

Nachdem mich der späte Start um 14.40 Uhr zunächst störte, war ich am Renntag doch froh darüber. Denn am Vormittag regnete es noch und die Strecke war nass. Nasse Bedingungen sind beim Rundkurs in Breidenbach keine guten Voraussetzungen, da der Kurs sehr viele enge Kurve bereithält. An dieser Stelle noch ein paar Eckdaten zur Strecke: Auf einem rund  zwei kilometerlangen Kurs durch ein Industriegebiet erwartet die Fahrer ein langer Anstieg, eine kurze Flachpassage und eine rasante Abfahrt. Das ganze galt es für die Frauenelite 23 Mal zu durchfahren. Danach kennt man wirklich jeden Winkel im Schlaf, jeden Gullideckel, jede Spurrille und jeden Baum.

Straßenrennen sind völliges Neuland für mich. Zur Vorbereitung auf dieses Event schaute ich mir die Frühjahrsklassiker in diesem Jahr genauer an und ließ mir die taktischen Raffinessen vom leicht nervigen Eurosportmoderator (der Arme muss 8 Stunden am Stück reden) näher bringen.

Am Renntag war ich – wie vor jedem Rennen – sehr aufgeregt. Fast noch mehr als vor einem Mountainbike-Marathon, da ich nicht so genau wusste, was mich erwartet. Gibt es ein großes Frauenfeld, wie stark sind die Fahrerinnen, gibt es Absprachen bei Teams, werde ich am Ende überrundet und rausgenommen? Fragen über Fragen. Als ich dann aber zum Warmfahren direkt aus dem heimischen Radkeller zum Ort des Geschehens rollte, überkam mich die Rennroutine und die Aufregung wich ein wenig von mir ab.

Der Plan direkt vom Warmfahren an die Startlinie zu rollen, ging leider nicht auf, da es im Rennen vor uns einen schweren Sturz gegeben hatte. Das Jedermannrennen wurde daraufhin abgebrochen und das Damenrennen startete mit fast einer Stunde Verspätung. Im Startblock sondierte ich die zahlreich erschienen Konkurrentinnen – die im Vergleich zu mir wohl schon so einige Straßenrennen in den Beinen hatten. Doch nun gab es kein Zurück mehr und ein gutes Training würde es schließlich allemal werden. Das Frauenfeld startete gemeinsam mit den Junioren U19 und diese knallten nach dem Startschuss los, als wäre das Ziel bereits nach 400 Metern erreicht. Drei Frauen zogen bereits mit und ich fühlte mich überfordert. Es war zunächst sehr viel Unruhe im Feld, keiner hatte den Überblick und nach der ersten Runde hatte ich kurz den Impuls aufzugeben. Doch nach der zweiten Runde gab es eine Gruppe von acht Frauen, zwei Frauen waren nach vorne ausgebrochen.


Wenn gleich ich (wie ich es in Mountainbike-Rennen stets praktiziere) den Wunsch verspürte ebenfalls auszubrechen, hielt ich mich zurück. Mein Trainer hatte extra die Anweisung gegeben, dass es keinen Sinn macht, die 23 Runden als Einzelflucht zu fahren. Stattdessen solle ich mich lieber in der Gruppe schonen und dann auf eine Fluchtrunde am Ende setzen. Ich beschloss dies zu beherzigen und hielt mich in der Gruppe oder besser gesagt dem Peloton. Es gab immer wieder Ausreißversuche, die wir aber neutralisierten. Allerdings gab es dann wiederrum kein Bestreben nach vorne zu den drei Geflüchteten aufzufahren. Schwierige Taktik – zu schwierig für mein erstes Straßenrennen. An jeder Kuppe wurde heftig angetreten – 23 Mal!


Antritte ohne Ende!

Ansonsten bummelte die Gruppe teilweise, sodass es körperlich wenig anstrengend war, mental dafür aber umso mehr, insbesondere in der langen Abfahrt mit 90 Grad-Kurve. Die Abfahrt lag mir nicht, vor allem, weil dort im vorherigen Rennen ein schwerer Sturz passiert war und jeder nun etwas Respekt hatte. Ich freute mich somit jede Runde aufs Neue auf den Anstieg.


Die Runden vergingen schneller, als ich im Vorfeld dachte. Erst als mir mein Trainer anzeigte, dass noch zwei Runden zu fahren sind, realisierte ich, dass es gleich schon zu Ende ist. Zeit zu überlegen, wie ich vorgehe. Eine komplette Fluchtrunde traute ich mir nicht zu. Also ein Sprint kurz vor Schluss. Jedoch hatte ich mir die Konkurrentinnen ja nun lange genug anschauen können und mir war bereits klar, dass ich im Sprint eher schlechte Karten haben würde. Denn ich bin in der Tat Bergfahrer und kein Sprinter. Aber es gab keine andere Möglichkeit. So brach ich in der vorletzten Kurve vor dem Ziel aus. Noch knapp 200 Meter Anstieg bis zur Ziellinie. Die Frauen folgten. Erst in der allerletzten Kurve schnitt mir eine Konkurrentin den Weg ab und ich verlor den Sprint ganz knapp. Somit reichte es immerhin für den 6. Platz im Elitefeld und damit bin ich für meine Premiere auf der Straße mehr als zufrieden.

 
Viele Dank an meine Familie und Freunde fürs Anfeuern!!

Alles in allem war es eine super wertvolle Erfahrung, ein schönes, hartes Training und eine Bestätigung meiner Form. Auf dem Mountainbike fühle ich mich aber doch wohler und freue mich deswegen schon auf den Kellerwaldmarathon am nächsten Wochenende.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Ich komme ja eher nicht so von der Straße.”

„Da schießt dir das Laktat wirklich überall hin.“

„Antritte ohne Ende.“

„Taktik ist das Zauberwort.“