We are specialized!

Montag, 29. April 2019

Bergzeitfahren Schotten: Kälte und Nässe – eine fieses Kombination

Der Start beim Bergzeitfahren „Sturm auf den Vulkan“ in Schotten ist mittlerweile eine feste Tradition. Und an Traditionen sollte man schließlich festhalten wie an einer Laterne, die einem den Weg ausleuchtet (welche Poesie). Des Weiteren sprechen die Daten des Rennens eindeutig für den klassischen Bergfahrertypen wie mich: 12 Kilometer und 550 Höhenmeter - am Stück versteht sich.

Einziger Nachteil dieses Rennens: Der Start ist erst um 15 Uhr. Nachmittagsrennen sind nicht so mein Fall. Zunächst wartet man ewig bis es endlich losgeht, streift umher wie ein Tiger im Käfig und läuft dann Gefahr durch den Koffeinentzug vor dem Rennen ins Nachmittagstief zu rutschen. Aber es ist wie es ist.

Der Abgleich diverser Wetterplattformen verhieß für den Nachmittag im tiefsten Vogelsberg nichts Gutes: Regen und Kälte. Einzeln lassen sich diese beiden Komponenten recht gut ertragen. Aber in der Kombination „kalter Regen“ oder „regnerische Kälte“ als Duett wird es zum harten Kampf gegen die äußeren Bedingungen.
Am Ort des Geschehens angekommen war auch der Regen bereits da. Also lieber erst einmal im warmen Auto sitzen bleiben und die Lage überdenken. Wo fahre ich mich warm? Schneit es oben im Ziel auf fast 800 Metern über dem Meeresspiegel vielleicht? Wie sollen wir später nass und durchgefroren die Abfahrt zum Auto überleben? Doch Theorie half nichts. Irgendwann mussten wir der Realität ins Auge schauen, in die Rennklamotten schlüpfen und die freie Rolle zum Warmfahren hervorholen. Bei meiner Parkplatzwahl unter einer alten Buche hatte ich den forstwissenschaftlichen Grundsatz „Im Laubwald regnet es immer zweimal. Einmal vom Himmel und einmal von den Blättern“ nicht berücksichtigt. Somit hatte ich auch nicht gemerkt, dass der Regen tatsächlich eine Pause einlegte, weil es von den Bäumen munter weiter aufs Auto prasselte. Also Glück gehabt beim Warmfahren. Aber das Glück ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen.



Ich freute mich auf jeden Fall, als es endlich auf die Strecke ging. Das Feld knallte los, als ob das Ziel bereits nach 200 Metern erreicht wäre. Ich hielt mich vorne und versuchte am Hinterrad meines Lieblingsmenschen ins Rennen zu finden. Es war extrem hart bei Nässe, Kälte, Schlamm und Matsch. Der Untergrund war langsam und der Boden saugte einen regelrecht an. Meine Position an der Spitze des Frauenfeldes hielt ich konstant, war aber vom Kopf her nicht im explosiven Rennmodus. Es kam mir alles sehr schleppend, mühsam und träge vor. Die Wattwerte auf dem Garmin erfreuten mich jedoch, denn ich trat genau das, was ich mir vorgenommen hatte.
Besonders der letzte Abschnitt „fiese Wiese“ vor dem Zielbogen – in dicken Nebel gehüllt - kostete die letzten Körner. Ich war mehr als froh, nach 37 Minuten Fahrtzeit endlich oben anzukommen. Und es hatte zum Gesamtsieg gereicht und sogar zum 10. Platz im Gesamtfeld. Auch, wenn es sich nicht so angefühlt hatte.


Pünktlich zu meinem Zieleinlauf setzte dann auch der Regen mit Hagel wieder ein und ich wollte nur noch so schnell wie möglich zurück ins Tal, rein in warme und trockene Kleidungsschichten. Auf die Siegerehrung verzichtete ich angesichts der Witterung schweren Herzens. Gegen die Abfahrt zurück zum Auto war das Rennen aber in der Tat fast ein Kindergeburtstag. In meinem Leben habe ich wirklich noch nie so gefroren. Leben am Limit und heute weit darüber hinaus. Doch Schmerzrezeptoren haben glücklicherweise kein Gedächtnis und kurze Zeit später war auch alles wieder vergessen. Was bleibt ist die schöne Erinnerung an meinem Sieg. Ich liebe diesen Sport – mit allen seinen Facetten.
 
 
Nächste Woche steht – bei hoffentlich besseren Witterungsverhältnissen – der Bilstein Marathon in Großalmerode im Rennkalender.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Was tut man sich an“

„Ich könnte jetzt daheim unter der Kuscheldecke Shopping Queen gucken.“

„Weint man kurz vorm Kältetod oder was?!“

„Ich brauche eine Rettungsdecke!“

 

 

 

Montag, 15. April 2019

Kellerwald-Marathon Gilserberg: Cold but gold!

Meine Mountainbike-Saison eröffnete ich, wie es die Tradition verlangte, in Gilserberg beim Kellerwald-Marat…Fast wäre es mir über die Lippen – falsch Tastatur – gegangen. Natürlich werden an dieser Stelle kritische Leser aufmerksam anmerken, dass es sich bei der von mir gewählten Kurzdistanz nicht um einen vollwertigen Marathon handelte. Denn von einem Marathon kann man selbstverständlich erst sprechen, wenn auch die volle Marathondistanz von 42 Kilometern erreicht wurde. Ist der Begriff Mountainbike-Marathon eigentlich urheberrechtlich geschützt? Weiß der Kuckuck. Also ich startete im Kellerwald bei einem Wettkampf auf der kurzen Strecke. Warum ich diese auswählte? Weil es mir Spaß macht. Eine intensive Stunde Vollgas. Ein Sprinter läuft schließlich auch keinen Marathon. Punkt. Und die irrtümliche Annahme einiger Zeitgenossen, die kurzen Distanzen seien etwas für Anfänger und Einsteiger, wird schnell revidiert, wenn man den Blick einmal über das durch starke Fahrer besetzte Feld schweifen lässt.

So weit so gut. Zurück zum eigentlichen Kern der Sache: Dem Rennen oder vielleicht vorher doch ganz kurz zum Wetter. Dies bedarf nun mehr ein paar Worten. Denn es war so kalt wie noch niemals bei einem Wettkampf meiner Historie. Das Wetter war an diesem Wochenende ein arglistiger Täuscher, denn es war viel kälter als es aussah. Der blaue Himmel mit strahlendem Sonnenschein suggerierte den Eindruck wohliger Wärmer. In der Realität konnte man jedoch gar nicht so schnell Zittern wie man fror. Fazit des Tages: Egal aus welcher Richtung der Ostwind kommt, er ist immer eisig. Im heimischen Mittelgebirge kämpften wir uns am frühen Morgen sogar noch durch eine zarte Schneedecke. Glücklicherweise bin ich mit dem Reifenwechsel am Kraftfahrzeug ein treuer Anhänger der O-bis-O-Regel (Oktober bis Ostern) und so erreichten wir Gilserberg ohne Probleme. Dort war es dann zwar genauso kalt, dafür aber trocken, sonnig und schneefrei.
Am Ort des Geschehens tauchte ich dann sofort in die besondere und magische Rennatmosphäre ein. Ein Cocktail aus Vorfreude, Aufregung, Anspannung und Fokussierung lassen so jedes einzelne Rennen zu einem emotionalen Großereignis werden. Im Startblock wurde ich aufgrund meiner luftigen Kleiderwahl (Skinsuit oben lang, unten kurz) misstrauisch beäugt. Rennerfahren genug war ich mir im Vorfeld aber sicher, dass es kontraproduktiv und unangenehm ist, während des Rennens in zu warmer Kleidung zu schwitzen. Also besser kurz am Start frieren und während des Rennens sollte man darüber ohnehin keinen Gedanken verschwenden, sonst läuft wohl irgendetwas nicht ganz rund. Der Startschuss fiel und ich versteckte mich in der Spitzengruppe der Männer. Der Windschatten kam mir auf den ersten Teerkilometern sehr zu Gute. Überraschenderweise musste ich nicht abreißen lassen, sondern blieb einfach in der Gruppe der führenden Männer. Mit dabei mein Lieblingsmensch, an dessen Hinterrad ich mich hängte, schließlich kannte ich es aus dem Training nur zu gut. Das Tempo der Gruppe war für mich durchaus machbar. Die anderen Fahrer beäugten mich mit misstrauischen Blicken: Was um alles in der Welt macht die Frau hier vorne?!

Bei Kilometer 9 am ersten langen Anstieg kam dann die Attacke von meinem Lieblingsmenschen, die wir natürlich im Vorfeld familienintern abgesprochen hatten. Ein weiterer Fahrer folgte, konnte aber nicht dranbleiben. Und dann kam ich. An dritter Stelle des gesamten Starterfeldes! Ich konnte es selbst kaum glauben. Die Leistungswerte auf dem Garmin verrieten, dass alles im Rahmen ist und auch die Beine signalisierten, dass das Tempo in dieser Form durchgezogen werden konnte. Ein Juniorenfahrer heftete sich an mein Hinterrad, der Rest der Gruppe war abgerissen. Wir fuhren im weiteren Rennverlauf mal nebeneinander, mal hintereinander und schon war auch das Ziel in greifbarer Nähe. Denn auf der Kurzdistanz geht das logischerweise ja sehr schnell. Trotzdem ist das Rennen nicht weniger intensiv.
Am Einstieg in die abschließende und verwinkelte Cross-Country-Passage im Zielbereich verschenkte ich dann meinen dritten Gesamtrang durch verzögertes Einbiegen. Dort konnte ich nicht mehr überholen. Die Ziellinie überquerte ich als Gesamtsiegerin mit 16 Minuten Vorsprung auf die nächste Frau und Vierte im Gesamtfeld. Knappe 90 Sekunden hinter meinem Lieblingsmensch. Definitiv ein „race to remember“ – noch nie war ich bei den Männern so weit vorne. Das hat Spaß gemacht. Heute hat alles gepasst.





Bevor es in zwei Wochen zum Bergzeitfahren nach Schotten geht, steht nun ein intensives Trainingslager über Ostern zu Hause an.

Bis dahin: Keep on riding

Vanessa

 

Zitate des Tages:

„Und kriegst du langsam Angst?“

„Seid ihr etwa auch noch ein Paar?!“

„Heute Abend gibt es Brotzeit.“

„Wer schneller fährt, muss nur kurz frieren.“

 

 

Montag, 8. April 2019

Großer Preis der RSG Buchenau – eine knappe Geschichte!

Das lange Warten hat ein Ende: Ab nun wird wieder an fast jedem Wochenende eine Startnummer am Lenker zu finden sein. Endlich wieder Rennen fahren. Endlich wieder Wettkampfmodus. Kommt einem die rennfreie Phase von Oktober bis April zunächst ewig, fast Lichtjahre mäßig lang vor, ist sie dann doch immer schneller vorbei als man denkt und der Saisonstart kommt (wie Weihnachten und Geburtstage) in jedem Jahr doch überraschend.

Meine Saison begann auf der Straße beim Heimrennen in Breidenbach. Ich hatte es vielmehr als Trainingsrennen eingeplant, da die Straße eher nicht mein gewohntes Revier ist. Am Vortrag realisierte ich, dass mein Rennrad seit dem Trainingslager auf Mallorca Anfang Januar ein einsames Dasein im Keller führte und nicht mehr an der frischen Luft war. Denn es wartet auf seinen Verkauf und ich warte auf den Nachfolger – aber mein neues Tarmac hatte es leider nicht mehr rechtzeitig zu mir geschafft. Also musste mein alter Renner noch einmal ran – zu seiner Abschiedsvorstellung sozusagen.
Der lange Renntag begann mit dem Support meines Lieblingsmenschen, ich selbst war erst am Nachmittag an der Reihe. Der Support endete dann aber schneller als gedacht – um genau zu sein nach 40 Sekunden, als der Hinterreifen unüberhörbar platze. Glücklicherweise gab es für ihn noch eine Chance beim Jedermannrennen am Mittag. Die Wartezeit und Reparatur konnten durch die kurze Anreise von fünf Minuten zu Hause erfolgen. Während die Zeit sonst gefühlt nur so dahinrennt, zog sie sich bis zu meinem Start wie Kaugummi. Aber um 14 Uhr hieß es dann auch für mich: Rennkleidung an, einklicken, warmfahren und an den Start. Und es war praktisch, dass ich direkt von zu Hause losrollen konnte.


Um 15 Uhr fiel dann der Startschuss (okay, es war gar kein Schuss, sondern es wurde lediglich eine Fahne geschwenkt). Das Feld bestand aus Elite Frauen, Junioren, U23-Fahrern und Masters. Es war vom Start weg sehr unruhig und das Fahren forderte die volle Aufmerksamkeit. Das Rundrennen führte über einen selektiven Kurs mit vielen scharfen Kursen, einer rasanten Abfahrt und einem zähen Anstieg. Das Ganze war insgesamt 23 Mal zu durchfahren. Mit einer anderen Fahrerin setzte ich mich schnell von den anderen Frauen ab und arbeitet fortan viel von vorne. Viel im Wind. Viel am Anstieg. Die Beine waren nach den vielen Trainingstagen der letzten Wochen erstaunlich gut und ich fühlte mich stark. Ich probierte einige Attacken, merkte aber, dass ich mich nicht absetzen konnte. Bergab verlor ich stets einige Meter und musste die Lücke immer wieder zufahren. Bergab auf dem Rennrad liegt mir nicht. Da vertraue ich meinem Mountainbike doch deutlich mehr. Die ständigen Antritte forderten doch viele Reserven und das Fahren im Feld machte irgendwann auch den Kopf müde. Es zeichnete sich ab, dass alles auf einen Zielsprint hinauslaufen würde. Auf meine Sprinterfahrung konnte ich nicht bauen, da ich schlichtweg keine habe. In der letzten Runde zog ich am Zielberg einfach an und gewann den explosiven Sprint dann mit wenigen Zentimetern Vorsprung. Sehr knappe Geschichte! Ich war selbst überrascht, erstaunt und glücklich über meinen Sieg. Damit hätte ich nicht gerechnet.


Next stop next week: Kellerwald-Marathon. Dann wieder mit breiten Reifen auf gewohnten Terrain.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate:

“Wenn die elektrische Schaltung versagt hätte, hätte ich dich ausgelacht.”

„Was man in der Wartezeit alles machen könnte…Haushalt, Steuer, Rasenmähen.“

„All out!“

„Ich habe die schwerste Kurbel auf dem Markt und MTB-Pedale. Hallo?“