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Mittwoch, 27. Februar 2019

Aus dem Leben eines Sportlers: Über Motivation, Glückgefühle und pure Lebensfreude

Ein Leben für den Sport? Das ist zum einen eine bewusste Entscheidung für unzählige Trainingsstunden, Disziplin, Schweiß, Motivation und dem Fokus auf ein Ziel: Dem stetigen Bestreben, immer besser zu werden. Aber zum anderen ist es gleichzeitig auch eine Entscheidung für unendlich viele Glücksgefühle, tolle Momente, innere Stärke und einen gesunden, leistungsfähigen Körper und Geist. Beim Leistungssportler stellt sich nicht mehr die Frage, wie man den Sport in seinen Alltag integriert, sondern der Alltag passt sich dem Sport an. Im Grunde gibt es den klassischen „Alltag“ auch gar nicht mehr, weil sich der Leistungssportler sein Umfeld so gestaltet, dass es für die sportliche Entwicklung förderlich ist. Für viele Mitmenschen, die dem sportlichen Leben nicht so zugeneigt sind, mag dies nach Entbehrungen, irgendwie anstrengend und befremdlich klingen – aber wisst ihr was: Ich persönlich liebe dieses Sportlerleben mit all seinen Facetten! Und ich genieße jede einzelne Trainingsstunde, jeden Kilometer auf dem Rad, jede Einheit im Kraftraum – ein Leben ohne Sport? Unvorstellbar.



Viele Menschen suchen nach einem Sinn im Leben, nach einer Leidenschaft – was sie aber zwischen Bürostuhl, Supermarktregal, Steuererklärung und Yogastunde nicht finden können. Ich bin der Meinung, jeder Mensch braucht eine Passion, etwas, wofür er sich außergewöhnlich begeistert, wofür er brennt, was die Augen zum Leuchten bringt, was ihn antreibt. Für mich ist genau das der Radsport. Und ich lehne an dieser Stelle bewusst den Begriff „Hobby“ ab. Denn das wäre zu wenig: Es ist eine Lebenseinstellung. Für mich gibt nichts Schöneres im Leben, als einer Leidenschaft bedingungslos nachgehen zu können. Und wenn man eine Passion gefunden hat und diese lebt – das ist echtes Lebensglück, das ist wahrer Lebenssinn.


Im Sportlerleben ist es natürlich mit dem reinen Training nicht getan. Ernährung, Regeneration - all das gehört wie eine enge Verzahnung zusammen. Wie einzelne Rädchen, die ineinander greifen. Im Grunde sorge ich 24 Stunden am Tag dafür, dass es mir gut geht. Meine Begeisterung und Freude kommt dabei aus dem tiefsten Inneren (ich vermute da, wo bei anderen der berühmte Schweinehund sein zu Hause hat). Mit dem Drang immer besser zu werden und sich zu steigern, lassen sich bekanntlich Berge versetzen. Im Training steht man dabei an erster Stelle im Wettkampf mit sich selbst – diese Leistung dann auch im echten Wettkampf zu zeigen, ist die Fähigkeit des Leistungssportlers. Sich auf den Punkt zu fokussieren, unwichtige und nebensächliche Dinge auszublenden und abzuliefern, wenn es darauf ankommt. Dies ist ein jahrelanger Lernprozess – der bei Erreichen eines hohen sportlichen Niveaus ebenso wichtig ist, wie das Training selbst.

Der menschliche Körper ist dafür gemacht, belastet zu werden, an seine Grenzen zu gehen, zu rennen, etwas zu leisten, zu schwitzen, außer Atem zu sein. Mehr als 650 Muskeln, über 100.000 Kilometer Blutbahnen und über 200 Knochen warten täglich auf Beschäftigung. Doch das kommt in der heutigen - überwiegend sitzend tätigen - Wohlstandsgesellschaft viel zu kurz. Dabei ist der Körper zu so vielem fähig – wenn man ihn nur fordert! Ich persönlich liebe das Gefühl, sich zu spüren und zu merken, zu welchen Leistungen man in der Lage ist. Der Adrenalinrausch in den Blutbahnen (über 100.000 Kilometer, wir erinnern uns, folglich eine lange Reise), die Glücksgefühle, die Freude – so einen Cocktail kann man nur erleben, wenn man sich herausfordert. Die pure Freude nach der Zieleinfahrt des Wettkampfes, der Stolz nach einem guten Leistungstest, die Begeisterung nach einer auf dem Punkt absolvierten Einheit – das kann man nicht beschreiben, das sollte man selber probieren. Das sind Momente und Emotionen, die man für kein Geld der Welt kaufen kann und die einem für immer in die Erinnerung gebrannt werden. Und dies erzeugt eine tiefe innere Zufriedenheit. Der Mensch ist nicht zum Sitzen und Schonen gemacht – doch das ist heute bei vielen leider fast völlig in Vergessenheit geraten. Bequemlichkeit hat Vorrang, der Körper wird krank, weil er nicht gefordert wird, Muskeln verkümmern, der Rücken schmerzt. Dennoch wird man als rundum gesunder (Leistungs-)Sportler von der Gesellschaft eher als Außenseiter beäugt, weil man eben ein völliges Kontrastprogramm bietet. Denn was nicht der Norm entspricht, kann nicht normal sein. Doch was ist schon normal? Ich denke dann sind wir Sportler lieber „unnormal“, haben dafür aber umso mehr Leben im Leben! Und an dieser Stelle: Es muss kein Leistungssport sein, denn auch der Gesundheitssport hilft dem Körper gehörig auf die Sprünge. Denn wer sich nicht bewegt, bewegt auch nichts!



Ich fahre primär natürlich Rad, um mich in Wettkämpfen gut zu platzieren, danach strebt der Leistungssport. Aber ich vergesse dabei nie, dass ich vor allem auch Rad fahre, um neue Gegenden zu entdecken, Abenteuer zu erleben, die Welt kennen zu lernen, um mich frei und stark zu fühlen.


Mich fordert und fördert der Leistungssport. Er ist mein Lebensgefühl und meine Lebenseinstellung. Das Training ist keine Last, sondern eine Bereicherung, wie ein guter Freund, ein Begleiter – viel mehr ein Genuss für alle Sinne. Und wer so etwas empfinden kann, hat wohl alles richtig gemacht.

Denn egal was du tust: Solange du es liebst, ist alles andere egal!

 
In diesem Sinne: Keep on living,

Vanessa