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Mittwoch, 16. Januar 2019

Mallorca Tag 9 und 10: Unter 4 Stunden steigen wir nicht vom Rad

Mallorca Tag 9: Wenn du mir das am ersten Tag gesagt hättest...

Der Körper fühlte sich nach dem gestrigen Ruhetag frisch, erholt und ausgeschlafen an. So stand einem neuen langen Tag im Sattel also nichts entgegen. Der Trainingstag sollte dabei nicht nur lang, sondern lang und hart werden. Tempointervalle standen im Programm - ein wirklich großer Spaß hier auf den wunderschönen Passstraßen. Da fliegt die Intervallzeit dahin und man merkt bei den ganzen neuen Eindrücken überhaupt nicht, dass man sich anstrengt. Über Bunyola (Ort des ersten Koffeinschubes - wir fanden doch tatsächlich ein Café, wo das schwarze Gold nur 1 Euro kostete und zwar mit Keks!) ging es über den Soller Pass in Richtung Puig Major. Auf dem Rückweg wartete in Port de Soller, ein wirklich malerischer Ort - wie aus dem Bilderbuch - frischer Mandelkuchen auf den Verzehr.



Mit gefüllten Zuckerspeichern nahmen wir den nächsten Pass über das Bergdorf Deja nach Valldemosso in Angriff. Dort wartete schon wieder eine süße Verlockung in Form eines übergroßen Cookies auf uns. Wer viel fährt, darf auch viel essen. Ein Glück. :)



Am Flughafen ergab sich keine Gelegenheit die Flugzeuge hautnah zu erleben, weil kaum eine Maschine landete. Wir entnahmen der Tagesschau den Grund: Streiks an den deutschen Flughäfen. Dann ist es ja kein Wunder, dass sich im mallorquinischen Luftraum nicht allzu viel bewegte.

Auf dem Rückweg zum Hotel trafen wir unsere neuen Freunde vom Team Trek Segafredo, die heute Aero-Tests auf der Radrennbahn in Palma absolviert hatten.

Die Einheit summierte sich auf 4:46 Stunden, 120 Kilometer und 1800 Höhenmeter - wenn mir das einer zu Beginn des Trainingslagers gesagt hätte, dass ich hier täglich solche Umfänge und Intensitäten abreiße. Ich hätte es nicht geglaubt. ;-)


Tag 10: Unter 4 Stunden steigen wir nicht vom Rad

Am letzten Trainingstag auf der Insel folgte die Sonne dem Motto "Sei ein Star, mach dich rar" und zeigte sich nur verschleiert. Der erste wolkige Tag für uns. Trotzdem lagen die Temperaturen mit 17 Grad aber im Wohlfühlbereich. Auf dem Plan stand eine solide Ausdauerrunde. Ausdauerfahrten - im Volksmund gerne auch Grundlage genannt - gehören nicht zu meinen Favoriten im Trainingsalltag. Dabei ermüde ich schneller als bei Einheiten mit Intensität. Das mag komisch klingen, ist aber so. Wir steuerten unseren Lieblingsberg Randa an, dessen malerische Vegetation wir im gemächlichen Ausdauertempo viel intensiver in uns aufsaugen konnten. So rollten wir dahin und waren schon etwas wehmütig, dass das erste Trainingslager 2019 schon wieder dem Ende zu geht. Es hatte sich ein Ritual eingeschlichen, unter 4 Stunden Trainingszeit nicht vom Rad zu steigen. So verbrachten wir auch am letzten Tag über 4 Stunden und 104 Kilometer im Sattel.



Nach einer kurzen Regenerationsphase zogen wir dann getreu dem Motto "Ohne Mampf kein Dampf" zum nahegelegenen Supermarkt. Die allseits bekannte Weisheit, man solle nicht hungrig einkaufen gehen, lässt sich für uns nicht verwirklichen. Dann wären wir bereits hungrig verhungert. Denn wie in jedem Trainingslager ist der Hunger allgegenwärtig. Alles, was man nachlegt, wird sofort verbrannt und vom Körper in die beanspruchte Muskulatur geschleust. Und der Supermarkt bietet allerlei Verlockungen - insbesondere die wohlduftende Backwarenecke direkt im Eingangsbereich gilt es geschickt zu umgehen. Schließlich versorgen wir uns hier selbst ohne den üblichen Hotelfraß, um unseren Körpern nahrungstechnisch das Bestmögliche zu ermöglichen. Mit einigen kleinen Sünden versteht sich. ;-)


Und noch ein kurzes Fazit:

Mallorca Anfang Januar ist wirklich mehr als empfehlenswert. Wir haben die Sonne fast durchgehend bei Windstille und Temperaturen um die 17 Grad genossen. Die Insel ist noch leer und ruhig und man hat die Möglichkeit viele Profiteams wie Bora, Sky, Trek und Lotto-Soudal hautnah beim Training zu beobachten. Ich habe jede der 34 Trainingsstunden, jeden der 826 Kilometer, jeden Anstieg der 10.000 Höhenmeter und die Härte von 1400 TSS genossen. Die 16.000 verbrannten Kalorien wurden wie folgt versucht aufzufüllen... 

Statistik pro Person - kein Anspruch aus Vollständigkeit:
25 Liter Wasser
1 kg Nudeln in verschiedenen Formen
1,5 kg Kartoffeln
500 g Reis
2 kg Äpfel
1 Staude Bananen (die sind hier ungenießbar)
1 kg Orangen
1,75 kg Haferflocken
3 Liter Milch
Gemüse - sehr, sehr viel!
175 ml Olivenöl
viele Sponser-Riegel


Morgen Nachmittag geht es zurück in die Heimat. Ich habe noch Platz im Koffer und werde die Sonne einpacken. Und glücklicherweise ist ja nach dem Trainingslager vor dem Trainingslager. :)



Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa


Zitate des Tages:
"Auf der Platja rollt keiner aus, außer dir!"
"Wir fahren lang und hart - das macht den Unterschied."
"Das Rad ist das treuste Rad, was ich je hatte."


 
 

Montag, 14. Januar 2019

Mallorca Tag 7 und 8: Ausfahrt mit Trek Segafredo!

Tag 7: Take a ride with Team Trek Segafredo

Am letzten Tag des zweiten Dreierblocks fuhren wir ein bis dato unbekanntes Ziel an: Den heiligen Berg San Salvador der sich im Osten der Insel 510 Meter erhebt. Die einzige Erhebung in der dort flachen Umgebung. Deswegen auch bereits von Weitem gut sichtbar. Das Ziel kam schnell näher und wir flogen nur so in Richtung Felanitx zum ersten Kaffeestop. Am Anstieg selbst standen On-/Off-Intervalle im Programm - momentan eine meiner Lieblingseinheiten. So erklommen wir den Gipfel in Rekordzeit. Die serpentinenreiche Passstraße schmiegte sich malerisch an die Bergflanken und der Blick von oben reichte über die gesamte Insel hinweg. Wunderschön!


In der Abfahrt sahen wir von oben eine schnelle gelbe Gruppe heranrauschen, und zwar mit mehreren Begleitfahrzeugen. Das Team Trek Segafredo hatte sich doch tatsächlich zur gleichen Zeit den gleichen Anstieg ausgesucht. Vorneweg John Degenkolb gefolgt von einer ganzen Armada weiterer Profis. Ein super Erlebnis - mittendrin statt nur dabei. Doch es sollte noch besser kommen: Auf dem Rückweg spürten wir bereits einen leichten Luftzug im Nacken und hörten hochwertige Carbonfelgen auf dem Asphalt heranrollen. Ein Blick zurück und wir sahen die gelben Fahrer an uns heranfahren. Sofort machte sich Aufregung breit, die Handys wurden im Kameramodus aktiviert. So eine Chance haben wir vielleicht nie wieder. Als die Gruppe vorbeifuhr, hängte ich mich hinten rein. Es war mehr als praktisch, dass ich damit die letzte Zweierformation der Reihe komplettierte. Und noch praktischer war, dass der Fahrer neben mir ausgerechnet der Österreicher Michael Gogl war und mich direkt in ein Gespräch verwickelte. Da ich im BDR-Dress unterwegs war, hatte auch er sofort gemerkt, dass wir eine Sprache sprechen. Super nett! Wir rollten eine ganze Weile mit dem Trek-Pulk mit. Was für ein tolles Erlebnis.


Von diesem Erlebnis erholte ich mich den ganzen Tag nicht mehr, weil ich so aufgeregt war. Somit merkte ich auch nicht, dass sich bereits weit über 100 Kilometer und 4 Stunden auf dem Garmin summiert hatten. Vermutlich wäre ich noch ewig mit dieser euphorischen Stimmung weitergefahren, wenn ich nicht zum Hotelkeller gelenkt worden wäre. Die Auswertungskurve zeigte auch anschließend, dass dies die besten 4,5 Stunden meines Lebens waren.


Am Abend war ich dann doch müde von den letzten drei harten und langen Trainingstagen. Auf den Ruhetag morgen freuen sich Beine und Körper deswegen umso mehr.

Tag 8: Train hard, rest harder

Der Ruhetag eignet sich optimal zum Sondieren der verschiedenen Angebote an Kaffeespezialitäten. Wir haben bereits festgestellt, dass der Kaffee auf dieser Insel in jedem noch so kleinen Café in jedem noch so kleinen Bergdorf zweifelsfrei zu Empfehlen ist. Auch wenn es sonst keinerlei Luxus gibt, eine sündhaft teure Siebträgermaschine steht in jeder noch so kleinen Klitsche. Und wir sind dabei von Haus aus sehr verwöhnt: Seit mehreren Trainingslagern in Italien tropft bei uns der Kaffee auch nur noch aus der Siebträgermaschine. Also kurzum: Der Kaffee auf der Insel ist überall super!


Nach einigen Koffein-Schüben schlenderte wir entlang der Playa am Strand zum Truck von Trek Segafredo - der Teamtruck ist quasi Quelle des besten Kaffees. Wie praktisch. Was uns bei der Schlenderei ebenfalls erschreckend ins Auge stach, war die Werbung eines Sonnenstudios. Ja ihr habt richtig gelesen: Ein Sonnenstudio! Auf Mallorca - wo die Sonne ja an fast 365 Tagen im Jahr gratis vom Himmel scheint. Wir wollten das Klientel dieses Studios observieren, doch leider war ausgerechnet heute geschlossen. Sachen gibt es.


Am freien Tag verbringt man natürlich auch einige Minuten mehr als üblich im Appartement des Hotels. Schwenkte ich heute den Blick, war ich doch leicht erschrocken, welche Unordnung sich in den letzten Tagen aufgetürmt hatte. Hier kippt mein sonst üblicher Ordnungswahn, der zu Hause konsequent vorherrscht, bereits mit Öffnen der Tür des Hotelzimmers sofort in jedem Trainingslager. Bereits 5 Minuten nach der Ankunft sieht es aus, als ob eine Bombe eingeschlagen hätte. Heute beobachtete ich doch tatsächlich, dass die Vögel vom Balkon ins Zimmer hüpften und die Krümel des Frühstücks vom Boden pickten. Ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass die Unordnung  langsam ausartet. Aber das Motto im Trainingslager ist nun mehr "eat, train, sleep, repeat" und nicht "lebe deinen Ordnungswahn wie daheim aus". ;-)



Nach einer Pause am Hotelpool mit gratis Sonne vom Himmel und heißen Temperaturen sind die Beine nun bereit für die morgige Bergetappe nach Soller.

Ich freue mich schon.

Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa


Zitate des Tages:
"Zu Hause Möbelausstellung, hier Chaos."
"Oh Hilfe die Vögel bedienen sich an unseren Resten."
"Fotos kosten aber Geld."
"Heute schmettern wir doch mal einen guten Schnitt aufs Parkett."



 

Samstag, 12. Januar 2019

Mallorca Tag 5 und 6: Kältekeule und Hilfe von Bora hansgohe

Mallorca Tag 5: Wenn die Kältekeule zuschlägt

Der fünfte Tag auf der Insel und somit erste Tag des neues Trainingsblocks stand ganz im Zeichen von Tempointervallen. Der Arbeitsberg war Randa - einer meiner Lieblingsanstiege in Mallorca. Unsere Wetter-App warnte am Morgen vor der "Mallorquinischen Kältekeule" mit eiskalten Tiefstwerten von 9 Grad. Da werdet ihr in Deutschland nun müde Lächeln über solche Temperaturen. Wir ebenso - und da die Sonne vom leicht bewölkten Himmel lachte - sahen wir keine große Notwendigkeit für wärmere Klamotten. Aber ob das gut ging?

Wir steuerten Randa an, wo jeder getreu seines Trainingsplanes die Intervalle abspulte. Und bei jeder Abfahrt schlug dann die Kältekeule eiskalt zu. Und zwar richtig. Meine Hände waren so kalt, dass ich mich am Nordpol wägte. Aber ich war selber Schuld, schließlich bot das Reisegepäck mehr als genug Auswahl an wärmeren Klamotten, Handschuhen, Überschuhen und was sonst noch so die Körperkerntemperatur aufrecht erhält. Somit war ich über jedes neue Intervall froh, weil ich dabei wieder auftauen konnte. Nun wissen wir also, dass man die Wetterwarnungen durchaus ernst nehmen sollte, vor allem, wenn noch ein schneidender Wind hinzu kommt. Als Belohnung für ein super absolviertes Training wartete frischer Mandelkuchen - ein Traum. Leider wissen wir die korrekte spanische Bezeichnung für diese Delikatesse nicht. Nach ein paar gescheiterten Versuchen merkten wir, dass die Bedienung Deutsch sprach.

Den Rückweg zum Hotel wollten wir einen neuen, unbekannten Weg ausprobieren. Die spanische Straßen- und Wegebeschilderung ist ein wenig unverständlich und verwirrend. Wir folgten einer relativ gut ausgebauten Nebenstraße, die nach rund 12 Kilometern plötzlich endete und als felsige Schotterpiste weiterging. Also wieder retour - solche Dinge gehören zu meinem persönlichen Radfahrerhorror-Szenarien.

Aber wir lernten nicht aus unseren Fehlern und landeten eine Stunde später erneut in einer Sackgasse. In diesem Gebiet war allem Anschein nach eine Siedlung geplant. Nun mehr herrschen aber verfallene Ruinen, halbfertige Häuser und Bauzäune vor. Aber immerhin waren schon Straßenlaternen und Bürgersteige vorhanden. Eine für deutsche Gebiete nicht selbstverständliche Tatsache.

Irgendwann sah ich am Horizont dann das Hotelschild und war nach über 4 Stunden und einem harten Tag im Sattel froh über eine warme Dusche.





Tag 6: Wenn nichts mehr hilft, hilft der Mechaniker von Team Bora

Um heute nicht wieder von der Kältekeule erschlagen zu werden, rüstete ich mit verschiedenen Varianten an wärmerer Kleidung auf. Die Trikottaschen waren somit mehr als gut gefüllt. Die Sonne folgte leider dem Motto "willst du was gelten, mach die selten" und schaffte es nicht so recht durch die Lücken am Himmel. Wir steuerten zu einer lockeren Ausdauereinheit (Grundlage wird zwar überbewertet, schadet ab und an aber auch nicht) die Küstenstraße nach Valdemossa an. Je höher wir kletterten, desto frischer wurden auch die Temperaturen. Bergab war ich somit sehr dankbar, dass ich Handschuhe und Windjacke zum Überziehen mitgeschleppt hatte.

Die kleinen Passstraßen waren kaum frequentiert und schlängelten sich traumhaft die Berge hinauf. Zu beiden Seiten zeigte sich das Meer - ein wunderschöner Ausblick. Nach einem Kaffeestop im Bergdorf Valdemossa ging es talwärts auf Palma zu. Am Flughafen zogen gleich mehrere Maschinen direkt zum Landevorgang über unsere Köpfe hinweg.



Radtechnisch hatte die Einheit wieder mal seine Opfer gefordert. Eines unserer Räder ist stets eine echte Diva im Trainingslager. Obwohl ja der eigene Mechaniker in Form meines Lieblingsmenschen dabei ist und von Trainingslager zu Trainingslager immer mehr aufrüstet, werden wir Jahr für Jahr von neuen technischen Finessen überrascht. Eine kurze (unfertige) Pannenstatistik der letzten paar Jahre im Trainingslager: Speichenriss (ab sofort immer Ersatzspeiche an Bord), Carbonfelgen durchgebremst (ab sofort: nur noch Alulaufräder, alternativ Scheibenbremsen), Bremse leckt und verliert  sämtliches Öl (besser vorher kontrollieren oder Kit mitführen), Lager im Hinterrad kaputt. Und genau dieses Problem ereilte uns heute. Ein neues Laufrad wäre eine Option, aber dann wäre keine Wattmessung mehr möglich. Also was tun? Die zündende Idee: Bora hansgrohe ist doch mit seinem Mechaniker-Truck in unmittelbarer Nachbarschaft! Problem kompetent gelöst.



Bevor morgen der nächste Trainingstag ansteht, heiß es nun schnell regenerieren. Sehr gute Helfer sind dabei meine Oofos-Schuhe, die nach einem langen Tag in den harten Radschuhen eine echte Wohltat sind.



Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:
"Ich denke, dass wir heute erfrieren werden."
"Allmond, Allmendra, Tarte? Was heißt denn jetzt Mandelkuchen?"
"Wenn wir zu Hause sind, fahren wir wieder 1 Stunde SST am Stück. das wird ein Fest!"


 

Donnerstag, 10. Januar 2019

Mallorca Tag 3 und 4: Von der Formfindungsphase in den Ruhetagsmodus

Tag 3: Verbrannt in der Sonne

Wenn gleich uns die Wetter-App für heute leichte Bewölkung vorhersagte, sahen wir nicht ein Wölkchen am Horizont. Die Sonne brannte hingegen vom azurblauen Himmel auf uns nieder. Temperaturtechnisch hätte ich mich den Arm-und Beinlingen im Laufe der Einheit entledigen können, platztechnisch stellte dies jedoch ein Problem dar: Diverse Riegelvorräte, meine Weste und das Mobiltelefon füllten sämtliche Rückentaschen derart, dass ich keine Lücke mehr fand und somit leider schwitzen musste. Naja lieber so als verhungert mit Sonnenbrand.

Der dritte Trainingstag führte durch den wunderschönen Orient. Eine traumhafte Passstraße hinauf zum Coll d´Honor. Meine abhanden geglaubte Form fand ich übrigens zuvor im schönen Örtchen Bunyola beim ersten Kaffeestop des Tages. Waren die Beine bis dato mal wieder unwillig und schwer, flog ich daraufhin die Passstraße hoch. Endlich wieder ein gutes Feeling, so wie ich es von mir gewohnt bin. Denn bei mir gibt es in der Tat im Prinzip keine schlechten Tage, sondern ich bin es vielmehr gewohnt, dass jedes Training auf den Punkt genau ausgeführt wird. Deswegen war ich die letzten zwei Tage etwas enttäuscht über mich selbst. Aber nun ist der Knoten scheinbar geplatzt. Ein paar Sprints rundeten die Einheit ab. Zurück ging es über Alaró, Binissalem und Algaida zur Basis in Can Pastilla. Es summierte sich zu 106 Kilometern in 4:15 Stunden Fahrtzeit. Der zweite Hunderter für dieses Jahr.



Am Radkeller angekommen, stellten wir fest, dass der Einbau der neuen Hochsicherheitstür - der bereits zum Zeitpunkt unserer Abfahrt in den Morgenstunden begonnen hatte - noch nicht zum Abschluss gekommen war. So mit wägten wir unsere geliebten Räder nicht in Sicherheit. Schmuggelversuche ins Hotelzimmer schlugen bereits in den letzten Tagen fehl. Wir sind noch immer auf der Suche nach einem geeigneten Geheimweg. Denn Türen gibt es hier in dieser Hotelanlage mehr als genug. Türen, Winkel, Ecken - ein Labyrinth vom Feinsten. Doch auch heute schafften wir es nicht vorbei am Hotelpersonal. Die Bediensteten scheinen den Wert der Räder nicht abschätzen zu können. Somit parkten wir sie im bewachten Kofferabstellraum zwischen.




Der Tag klang - bei immer noch strahlendem Sonnenschein - am Hotelpool aus. Die Schnee-Regen-Wind-Wetter-Bilder aus der Heimat bestätigen uns, dass wir wohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind.




Tag 4: In der Ruhe liegt die Kraft

Rest days are best day? Das kann man so und so sehen. Dennoch gibt es Anzeichen, dass ein trainingsfreier Tag benötigt wird...
5 Dinge, an denen du merkst, dass ein Ruhetag angebracht ist:

1) Du weißt nicht mehr, welcher Tag gelebt wird. Dein Gefühl für Raum und Zeit ist völlig abhanden gekommen.

2) Du gibst deinem Hintermann während der Ausfahrt Handzeichen und stellst fest, dass du die Letzte der Reihe bist.

3) Du biegst im Kreisverkehr falsch ab und befindest dich plötzlich mitten auf der Autobahn.

4) Dein Kaloriendefizit ist so groß, dass du das Gefühl hast, dich selbst du verbrennen, du schaust bei jedem Menschen neidisch auf den Teller.

5) Du nutzt jede Gelegenheit dich zu setzen. Stehen behagt den beanspruchten Beine schlichtweg nicht mehr.

Unser erster Ruhetag führte uns gemäß der Tradition zum Kultur- und Städtetrip in die Inselhauptstadt Palma. Zunächst nahmen wir aufgrund der Luftlinie an, dass wir diesen Trip zu Fuß antreten könnten. Die Realität ergab nach dem Abfahren mit dem Rad, dass 10 Kilometer für eine Ruhetagswanderung doch zu viel waren. So nutzten wir die öffentlichen Verkehrsmittel und der Bus spuckte uns mitten in Palma aus. Wir probierten uns durch die verschiedenen Kaffee- und Eisspezialitäten und genossen das bunte Treiben in der Sonne.




Auf dem Rückweg tätigten wir noch einige Einkäufe zum Stillen des allgegenwärtigen Hungergefühls im Nahversorgungszentrum und stießen dabei auf einen Radladen. Völlig versteckt zwischen Ruinen - oder Hotels (das weiß man hier manchmal nicht so genau), erweckte er durch seine gute gesicherten Schaufenster unsere Aufmerksamkeit. Und was sahen wir: Hochpreisige S-Works-Räder. Leider dehnte der Laden seine Siesta bis in die frühen Abendstunden aus, sodass wir den Besuch auf morgen verschieben müssen.

Doch zunächst gehen wir morgen natürlich der eigentlichen Mission nach: Radfahren! Es wird ein harter und langer Tag im besten Büro der Welt.



Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa

Zitate des Tages:
"Die ganzen Ruhetage haben meine Form ruiniert."
"Ride for Mandelkuchen."
"Es muss mehr trainiert werden."

  

Dienstag, 8. Januar 2019

Reif für Insel!

Tag 1: Hallo Mallorca!



Wie sang Peter Cornelius (Anmerkung der Redaktion: österreichischer Liedermacher und Komponist, Aber wer kennt ihn nicht?!) einst so schön: „Ich bin reif, reif, reif, reif für die Insel! Ich bin reif, reif, reif – überreif!“ Und auch wir sind nun nach fast einem Jahr Inselabstinenz wieder reif und bereit für das erste Trainingslager der neuen Saison auf der radsportaffinen Baleareninsel. Unsere Körper sind sonnenhungrig und voller Vorfreude auf die ersten Kilometer in angenehmeren klimatischen Bedingungen. Schließlich bildete die Regenkleidung in den letzten Wochen eine enge Symbiose mit allen Outdoor-Aktivisten.

Aus Insiderkreisen haben wir uns versichern lassen, dass die Insel im Januar im Blick auf Wetteraufzeichnungen der letzten 100 Jahre wettertechnisch wohlgesonnener ist, als in den Folgemonaten. So hielt uns also nichts davon ab, auch in diesem Jahr wieder das Projekt „Mallorca zu Jahresbeginn“ zu starten. Um nicht wieder unschöne Überraschungen und kurzfristige Umdisponierungen wie im letzten Jahr zu erleben, wählten wir in diesem Jahr eine konkurrenzfähige und gutsituierte Fluggesellschaft für den Transfer Deutschland Richtung Palma aus. Doch egal mit welcher Fluggesellschaft die Reise angetreten wird, eines ist immer gleich: Die Flieger sind immer bis auf den Notsitz ausgebucht und die Menschen drängen am Check-In, als ob es kein Morgen mehr gibt. Sie scheinen regelrecht Panik zu haben, keinen Platz mehr zu bekommen. Und direkt nach der Landung stehen alle gleichzeitig auf und schubsen sich durch den engen Gang als ob sie fürchten, der Flieger hebt direkt wieder mit ihnen ab, zurück nach Deutschland. Flugerfahren genug, genieße ich diesen Anblick in aller Ruhe, betrete und verlasse den Flieger lieber als eine der letzten Passagiere. Sonst stehe ich ohnehin stundenlang am Gepäckband - Korrektur: Werde dort abgedrängt. Denn die Angst der Urlauber geht  getreu dem Motto weiter "Wenn der Koffer einmal auf dem Band vorbeigelaufen ist, wird er danach auf Nimmerwiedersehen vom Nirvana verschluckt" und geschreddert. Also immer schon Augen auf und beherzt zugreifen! Und man mag es kaum glauben, wer neben mir am Gepäckband ebenfalls auf seinen Koffer wartete: Karl Platt. Auch er möchte ein paar Tage das gute Wetter nutzen, bevor es nach Südafrika zur Cape Epic Vorbereitung geht.

Als wir endlich mallorquinischen Boden unter den Füßen hatten und die wärmende Sonne im Gesicht, waren wir doch mehr als froh, endlich dem deutschen Winter entflohen zu sein.

Im Hotel angekommen, was tatsächlich so schnell ging, dass ich im Transferbus noch gar nicht richtig Platz genommen hatte, gab es neben dem Radaufbau noch eine weitere Aufgabe. Weil mir die Raumaufteilung in unserem Appartement absolut nicht zusagte, mussten wir diese nach neuen architektonischen Grundsätzen komplett verändern. So wanderten die Möbel des Schlafraumes (ihr werdet es nicht glauben, dieser hatte tatsächlich keine Fenster!!) in das Wohnzimmer mit Meerblick und Balkon. Die Wohnzimmermöbel parkten wir auf dem Balkon zwischen und schoben sie dann in das fensterlose Verlies. Getreu dem Motto "Bau dir dein eigenes Hotelzimmer" können uns die Hoteleigentümer im Grunde dankbar sein für diese neue, schöne und sinnvolle Raumaufteilung. Dennoch frage ich mich, woher das Hotel seine vier Sterne gekauft hat...Soweit so gut konnte ich dann endlich zur ersten Einheit aufbrechen. Und zwar mit kurzer Hose, ein echter Traum. Sonne pur und 18 Grad bescherten direkt die ersten Formkanten des Jahres. Auf dem Programm stand am ersten Tag der berühmt-berüchtigte Trainingsberg Randa, an dem ich eine gute Zeit setzen wollte. Dies gelang mir eher so mittelprächtig, da mein Körper nach den ruhigeren Einheiten der letzten Tage irgendwie noch nicht so ganz erwacht war. Trotzdem war ich zufrieden und glücklich, dass ich in den nächsten Tagen nun in dieser traumhaften Gegend trainieren darf. Auf dem Rückweg zum Hotel fuhr Rick Zabel von hinten auf uns auf und war daraufhin stets in Sichtweite. Mein Tempo wurde auch zunehmend schneller. Doch ich war gerade dran, da bog er nach links ab und mein Weg führte leider nach rechts.



Tag 2: Long day in the Office

Nach dem Frühstück - und ich habe ja noch gar nicht die wichtigste Neuerung in diesem Jahr erwähnt: Wir versorgen uns selbst und sind völlig unabhängig von der Schlacht am Büffet. Denn du bist schließlich, was du isst und da wollen wir ja nur das Beste essen (also alles wie daheim im Prinzip). Und im letzten Jahr hatte ich definitiv beschlossen, dass ich mir das Essen in einem Hotel nicht mehr zumuten werde. Gesagt, getan. Wo war ich stehen geblieben? Ach ja beim Trainingsbeginn! Heute standen Bergintervalle im Trainingsplan. Berge gibt es hier genug und lang sind diese auch noch. Eine perfekte Kombination. Momentan merke ich irgendwie, dass ich sehr lange keine Einheiten mehr auf dem Rennrad absolviert habe, sondern fast nur noch mit dem Mountainbike unterwegs bin. Die Sitzposition, die Wattmessung in der Nabe und das Rollverhalten - an all das muss ich mich erst wieder gewöhnen. Mein Körper schien zu Beginn auch immer noch in einem leichten Winterschlafmodus zu sein. Aber so weit so gut wurde die Einheit heute ohnehin erst hinten raus gemacht. So lange habe ich lange nicht mehr im Sattel gesessen. Der erste 100er für dieses Jahr mit 122 Kilometern, über 5 Stunden Fahrtzeit und fast 2000 Höhenmetern. In einem Anstieg kam uns Karl Platt entgegen, der die Berge auch für Intervalle nutzte.



Die Einheit war landschaftlich traumhaft schön. Einsame Sträßchen, ein paar Schafe, Katzen und Ziegen am Wegesrand, Natur pur. Und so gut wie kein Verkehr. Es ist noch sehr ruhig und angenehm auf der Insel. Und vor allem warm. Die Sonne brannte heute vom wolkenlosen Himmel auf die empfindliche deutsche Haut. Sonnencreme technisch ist hier also Vorsicht besser als Nachsicht.





Morgen geht der Spaß weiter mit einer langen Ausdauereinheit. Ich freue mich!

Bis dahin: Keep on riding,
Vanessa






Zitate:
"Also die Küstenstraße müssen wir nicht unbedingt fahren."
     "Welche denn?"
            "Na die an der Küste halt."
                 "So eine Insel hat an allen Ecken Küsten."