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Montag, 24. Juni 2019

Marathon Rhens: Von Parkplatzwahl, Wasserbüffeln und wohlgesonnenem Wetter

Nach vier Wochen Rennabstinenz war es höchste Zeit, wieder aktiv in das Wettkampfgeschehen einzugreifen. Die rennfreie Zeit nutzte ich für intensive Trainingsblöcke, Fahrtechniktraining und Regeneration getreu dem Motto „Die Stärken stärken und die Schwächen gleich mit.“

Nach fast einem Monat ohne Startnummer am Lenker, fühlte es sich sodann fast an, als ob ich das erste Rennen meines Lebens bestreite. Entsprechend leicht aufgeregt und voller Vorfreude (ich liebe diesen emotionalen Cocktail) machten wir uns auf den Weg nach Rhens am schönen Rhein zum 20. Canyon Marathon. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Der Name war Programm – meine Strecke war auf den Meter genau 42 Kilometer lang und bot dabei rund 1250 Höhenmeter.
Bevor ich mich dem Kern der Sache nähere, natürlich wie immer an dieser Stelle noch ein kurzer Schwenk zum Problempunkt aller bisherigen Wettkämpfe im Jahr 2019: Dem Wetter! Dieses zeigte sich nun erstaunlich unproblematisch mit ausreichend Sonne vom azurblauen Himmel. Gut, es war eventuell schon ein kleines bisschen zu warm – aber wir wollen es ja nicht in den Krümeln suchen. Kurzum passte es einwandfrei.

Parkplatztechnisch zogen wir einmal mehr ein besonderes Ass aus dem Ärmel. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass 75 Prozent der Autofahrer stets den erstbesten freien Parkplatz wählen. Wir fuhren sodann bis fast zum Startbogen durch und ergatterten einen freien Schattenparkplatz in bester Lage. Vergesst diesen Trick bitte schnell wieder, denn sonst ist bald vorne nichts mehr frei für uns. ;)
Der Startschuss fiel in der Rhenser Innenstadt (ist Rhens überhaupt eine Stadt?!) inmitten alter Fachwerkhäuser, deren Gebälk vermutlich schon viel miterlebt und gesehen hat. Der Start war eng, sodass ich mich extra früh einfand und  die erste Reihe eröffnete. Der zuständige BDR-Kommissär ahndete alle „Sich-später-noch-von-vorne-Ansteller“ und mit einer weiteren Dame durfte ich sogar noch ein paar Meter vorrücken und führte das rund 270-Fahrer-starke Feld die ersten Meter an. Ich hielt mich erstaunlich lange inmitten der aus etwa 12 Männern bestehenden Führungsgruppe. Wir setzten uns sofort vom restlichen Feld ab und rissen eine große Lücke, obwohl mir das Anfangstempo eher gemütlich vorkam. Es ging direkt 12 Kilometer bergauf, was mir als Bergfahrerin natürlich entgegen kam. Meine missliche Lage offenbart sich dann immer in den Abfahrten, in denen mir die Männer wegfahren und ich die Lücke dann am nächsten Anstieg wieder zufahren muss. Da ich die Trails aber lieber kontrolliert und mit Sicht fahre, nehme ich diesen Umstand aber in Kauf.

Im weiteren Rennverlauf tat sich platzierungstechnisch nicht mehr viel. Die Männergruppe war noch in Sichtweite – mal mehr, mal weniger – und von hinten kam keiner mehr nach. Ich trat mein Tempo konstant durch und freute mich über die Werte, die der Wattmesser an meinen Garmin sendete. Als uns ein flowiger Trail aus dem Wald ausspuckte und den Blick auf den weitläufigen, glitzernden Rhein frei gab, musste ich kurz innehalten. Im Training wäre das ein Foto wert gewesen. Nun speichere ich es im Kopf zu den unzähligen weiteren „epischen Momenten“ im Archiv ab. Es ist schon ein großes Geschenk, so tolle Momente erleben zu dürfen und dabei das zu tun, was man liebt.
Nach einer steilen Serpentinenauffahrt, die mir sehr viel Spaß machte, kam das Ziel immer näher. Ein zu langer neugieriger Blick auf die riesigen Wasserbüffel am Streckenrand, ließ mich unmittelbar gegen Ende noch in einen knietiefe Schlammpfütze – es war eher ein See – fahren und ich erweckte nun mehr den Anschein eines extremen Schlammrennens. Aber was ist schon ein Mountainbikerennen ohne Schlamm und Matsch? ;)

Die Ziellinie überquerte ich als Gesamtsiegerin mit knapp 2 Stunden Fahrtzeit mit 20 Minuten Vorsprung auf die nächste Frau. Nur 14 Männer waren heute schneller als ich. Glücklich über ein tolles Rennen, was ich sehr genossen habe, freute ich mich, dass das intensive Training auf den Punkt aufging.


Normalerweise wartet man in der Regel gefühlte Ewigkeiten auf die Siegerehrung. Doch in Rhens hatte ich kaum den Sponser-Recovery-Shake ausgeschlürft und wurde schon aufgerufen. Dies führte zwar dazu, dass noch nicht alle Damen anwesend waren, kam mir aber zeitplanmäßig sehr entgegen. Daran sollten sich andere Veranstalter ein Beispiel nehmen. Insgesamt war der Marathon super organisiert, die Strecke war toll. Die Atmosphäre inmitten von Rhens war einmalig. Ein empfehlenswerter Wettkampf, was die Starterzahl von mehr als 800 Fahrern auch wiederspiegelt. Ich komme nächstes Jahr wieder!



Für mich geht es am nächsten Wochenende weiter zum Marathon am Rursee.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Bist du ein Schlammrennen gefahren als Einzige heute?”

„Da war ein Schlammloch, so tief, dass sogar schon Wasserbüffel im Einsatz waren.“

„Nimm als Probelauf für die DM einfach jede Viertelstunde ein Gel.“

            „Bist du narrisch, dann kann ich ja wegen dem Koffein 5 Tage nicht schlafen.“

„Was macht die Frau denn hier in der Führungsgruppe?!“

 

 
 

Montag, 20. Mai 2019

Bundesligarennen Straße in Dautphe: Tausche Waldboden gegen Asphalt

Am Wochenende war es mal wieder an der Zeit dem Projekt „Neue Erfahrungen sammeln“ aus der Rubrik „Aus dem Leben lernen“ eine Plattform zu bieten. Dafür tauschte ich Wald, Trails, Matsch und breite Reifen gegen Asphalt, Rennrad und Straßenstaub ein. Ich wäre vermutlich niemals in den Genuss (ob es einer war, werde ich später erläutern) eines Bundesligarennens auf der Straße gekommen, wenn dieses nicht direkt im Nachbarort seine Austragung gehabt hätte. Im Vorfeld war ich mir natürlich im Klaren darüber, dass man als Einzelstarterin bei einem solchen Event eine kleine und untergeordnete Rolle spielt. Trotzdem bereitete ich mich taktisch intensiv durch das Studieren der aktuellen Giro d´Italia Etappen vor. Vorbereitung kann schließlich nicht schaden. Unpraktisch ist es nur, wenn man die Taktiken dann mit sich alleine ausmachen muss. So setzte ich mir zum Ziel ein solides und gutes Trainingsrennen zu absolvieren.



Als sich kurz vor dem Start alle Teams versammelten, war ich doch erstaunt, wie viele Frauen in Deutschland Straßenradsport betreiben! Ich kam mir nun mehr doch etwas verloren  in den Reihen der großaufgestellten Teams mit eigenen Begleitfahrzeugen vor. Die schwierige Strecke hielt auf dem knapp 9-Kilometer-Rundkurs zwei Anstiege und eine lange, leicht abfallende Drücker-Passage bereit. Der längere Anstieg war für mich als Bergfahrerin kein besonders entgegenkommender Berg, da er sich eher sacht und schleichend dahinzog. Kategorie: Leichter Hügel. Nur am Rande: Die Strecke in Dautphe war vor zwei Jahren für die Deutsche Meisterschaft U23 als Vorbereitungskurs für die WM-Strecke in Norwegen ausgewählt worden.

Mein Heimvorteil brachte mir im Grunde nur die Erkenntnis, dass ich das Streckenprofil nicht besonders mochte – oder es mir nicht entgegen kam. Aber nun genug lamentiert – schließlich wollte ich Rennen fahren. Die Startphase war recht entspannt im geschlossenen Feld. Anstrengend war hier nur seinen Platz gegen Lenker, Ellenbogen und Drängler zu behaupten. So rollten wir die ersten Runden dahin. In mir keimte die Frage auf, wie ich aus dem Pulk herauskommen soll, wenn vorne eine Gruppe flüchtete? Und genauso kam es dann auch. Nur, dass ich die Fluchtgruppe gar nicht realisierte. Kurz mal die Aerosocken hochgezogen und einen Schluck aus der Trinkflasche genommen und schon war eine kleine Gruppe weg. Die Verfolger wurden von den anderen Teamfahrerinnen erfolgreich ausgebremst und zurückgehalten. Alleine gegen den Wind konnte ich nicht mehr an die Führungsgruppe heranfahren. Die Lücke war zu groß.

Meine neutrale teammitgliederfreie Position bedachten die anderen Frauen ständig mit irgendwelchen Anweisungen und Kommentaren zu Sachen, die ich machen oder nicht machen sollte. Ich versuchte dies zu ignorieren und fuhr mein Tempo. Denn wenn man schon alleine ist, muss man auch für niemanden Arbeiten. Ich hatte bei diesem Rennen ohnehin nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen. Nach 60 Kilometern war ich knapp vorm Aufgeben, weil ich keinerlei Drang und Sinn mehr verspürte, weitere 26 Kilometer gegen den Wind zu kämpfen. Aber Aufgeben ist keine Option und wird im Nachhinein auf jeden Fall immer bereut. Also einfach weiter, immer weiter. Als die letzte Runde durch das Glockensignal eingeläutet wurde, war ich doch mehr als froh, dass die ganze Geschichte nun ein Ende fand. Die Platzierung war mit Rang 40 irgendwo im Mittelfeld, aber wenigstens bin ich nicht überrundet worden. Fazit des Tages: Wer Spaß am Radfahren haben will, sollte einfach MTB-Rennen fahren. Denn da gewinnt der Beste. Auf der Straße gehört nicht nur alleine das Können dazu, sondern auch jede Menge Taktik, ein starkes Team im Rücken, eine große Prise Glück und der richtige Moment. Und alleine der Umgang und das Miteinander im Feld haben mich erschreckt. Das kenne ich vom MTB-Sport nicht. Ich denke mal, mit der Straße muss man groß werden, um das auszuhalten.

Das Bundesligarennen war eine lehrreiche Erfahrung für mich, die allerdings keiner Wiederholung bedarf. Aber nichtsdestotrotz war es ein gutes Training.

Nächstes Wochenende steht kein Rennen im Programm, dafür ein kurzes Trainingslager in der Pfalz.
 
Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

 
Zitate des Tages:

“Ich verstehe das ganze System selber nicht.“

„Alle, ich kenne alle Namen!“
"Naja dann gebe ich mir eben selbst Windschatten."
 
„Ich hätte einfach über die Kuppe direkt nach Hause rollen sollen.“

Montag, 13. Mai 2019

Hunburg-Marathon Kirchhain: Man kann nie nasser werden, als bis auf die Haut!

Der Durchbruch des „Wonnemonats“ Mai ließ auch am vergangenen Wochenende weiterhin auf sich warten. Man kann beim Rennen vieles selber beeinflussen – Form, Material, Verpflegung – eines hat man aber nicht selbst in der Hand: Das Wetter. Und Wetter ist ja bekanntlich immer. Zum Glück gibt es diese Tage recht selten: Tage, an denen es nur einmal regnet. Und das dann den ganzen Tag. Englisches Wetter. Unglücklicherweise fiel ausgerechnet einer dieser Tage auf den Hunburg Marathon in Kirchhain. Der anhaltende Dauerregen hielt uns natürlich nicht von einem Start ab. Denn wer sich den Wettereinflüssen nicht aussetzen will, kann ja auf der Rolle Zwift fahren. Outdoor-Sport findet eben draußen statt und da kann es durchaus einmal etwas ungemütlicher zugehen.

Wir hatten eine kurze Anreise nach Kirchhain und demzufolge einen entspannten Start in den Renntag. Am Ort des Geschehens sicherten wir uns einen der letzten Parkplätze mit unmittelbarem Zugang zu einem überdachten Fleckchen. Hier reihte sich als bald eine freie Rolle an die nächste. Kollektives Gruppenwarmfahren mit Dach über dem Kopf. Um den Aufenthalt im Nass so kurz wie möglich zu halten, rollte ich erst wenige Sekunden vor dem Startschuss an die Startlinie. Um 11.30 Uhr – eine sehr Langschläfer freundliche und ungewöhnlich späte Startzeit - schickte uns der Sprecher auf die Strecke. Keine 2 Minuten später zierten unsere Räder und Rennkleidung bereits Schlamm- und Matschschichten in allen Variationen. Was nicht von den eigenen Reifen hochgeschleudert wurde, kam als Fontäne vom Vordermann. Ich hatte einen guten Start und setzte mich mit der Führungsgruppe der Männer ab. In den ausgefahrenen und schlammigen Trails stieß meine Fahrtechnik dann aber in einigen Passagen an ihre Grenzen und ich konnte das Tempo nicht mitgehen. Dafür musste ich in den Anstiegen einfach umso mehr Gas geben. Das funktionierte auch sehr gut. Die Strecke war traillastig und wirklich wunderschön (ich würde sie gerne noch einmal bei trockenen Bedingungen fahren, vielleicht dann im nächsten Jahr).
Das Ziel kam früher als erwartet (nach 18 Kilometern, statt 22 Kilometern – vielleicht war es den GPS-Satelliten auch zu nass) in Sichtweite. Die Ziellinie überquerte ich verschlammt aber glücklich als Gesamtsiegerin mit 21 Minuten Vorsprung. Fünf Männer waren heute schneller als ich. Schnellster war mein Lieblingsmensch – Doppelsiege sind die schönsten Siege.




Fazit des Tages: Man kann nie nasser werden, als bis auf die Haut. Trotz der verregneten Schlammschlacht ein tolles Rennen mit viel Spaß. Einen großen Dank an die Organisatoren, die dem Wetter trotzten und die Veranstaltung so toll gestaltet haben!



Meinem Rad hat die Matschpackung doch mehr zugesetzt als erwartet, sodass es für den geplanten Start bei der Hessenmeisterschaft Cross Country in Bad Orb am nächsten Tag nicht einsatzbereit war. Denn ohne Bremsbeläge bremst es sich schlecht.


Somit geht es für mich am nächsten Wochenende im Renngeschehen mit einer Premiere weiter: Bundesligarennen auf der Straße in Dautphe. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Danke an www.radsportnachrichten.com für die tollen Bilder!

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Ist da hinter dem Wald Frankreich?”

„Irgendwann fahren wir unsere Rennen dann in der Halle auf Zwift.“

„Habe ich noch irgendwo Schlamm?“

                        „Frag lieber, wo du keinen Schlamm hast.“

„Du hast zu viel gebremst.“

 

 

 

 

 

 

Montag, 6. Mai 2019

Bilstein-Marathon Großalmerode: Wer die Kälte kennt, schätzt die Wärme viel mehr!

Pünktlich zum Beginn des Wochenendes überschwappte uns eine Welle arktischer Kaltluft. Das Wetter war völlig außer Kontrolle. Winter im Mai? Das ist mal etwas Neues. Nachdem ich beim letzten Training vor dem Rennen am Samstag meine Winterhose über die Formkanten ziehen musste, sehnte ich mich doch sehr nach Sommer und Wärme. Als ich dann am Nachmittag mit warmen Tee vor dem heimischen Kamin hockte und draußen sanft Schneeflocken vom Himmel rieselten, erweckte nichts – aber auch rein gar nichts – den Eindruck des „Wonnemonats“ Mai. Aber immerhin kann es jetzt nur noch besser oder viel mehr wärmer werden.



Nach einer erneut frostigen Nacht starten wir im frühesten Morgengrauen Richtung Großalmerode zum Bilstein-Marathon. Luftlinie ist der Ort kaum einen großen Katzensprung entfernt, die kurvige Überlandfahrt durch verlassene Gegenden summierte die Netto-Fahrtzeit dann aber doch auf. Ich schöpfte Hoffnung, dass die vorherrschenden Minusgrade doch spätestens mit Durchbruch der Sonne (der wolkenlose Himmel machte Mut) Geschichte waren. Doch selbst die Sonne schaffte es nicht, das Thermometer in den zweistelligen Bereich klettern zu lassen.

Das obligatorische Warmfahren auf der freien Rolle brachte meinen durchgefrorenen Körper dann aber schnell auf Betriebstemperatur und um kurz nach 9 Uhr fand ich mich im gut gefüllten Startblock ein. Nach einer Ehrenrunde über die Tartan-Bahn des Sportplatzes war die Strecke freigegeben und das Feld zog das Tempo an. Ich blieb an den ersten Männern dran, um mir direkt eine gute Ausgangsposition zu schaffen. Doch auf dem ersten flachen Trail offenbarte sich dann unmittelbar, was uns heute erwarten würde: Schlamm, Matsch, noch mehr Schlamm, schmierige Abfahrten, tiefe Sümpfe und Schneereste. Die Wegezerstörung resultierte dabei nicht von uns Mountainbikern, sondern viel mehr von den nicht sehr naturschonenden und rücksichtsvollen Rücke-Arbeiten der Forstwirtschaft.
Stets auf der Suche nach der sinnigsten Fahrtspur durch die rutschigen Passagen, freute ich mich umso mehr über jeden Anstieg. Dort konnte ich die Lücken nach vorne zur Männergruppe, die sich bergab auftaten, wieder zufahren. Denn bergab fuhr ich bedacht und eher vorsichtig, da ich bei einem Sturz sicher in den Matschlöchern auf Nimmerwiedersehen verschollen wäre. Das Rennen lief für mich flüssig (nicht nur in Bezug auf den Schlammbeschuss) und ich war zufrieden über die konstante und gleichmäßige Leistung. Nach dem letzten bissigen Anstieg hinauf zum Sportplatz war es dann geschafft: 34 Kilometer, knapp 900 Höhenmeter und eine Fahrzeit von 1 Stunde und 34 Minuten. Damit konnte ich mich über den Gesamtsieg freuen mit 12 Minuten Vorsprung. Die Gesamtplatzierung im Männerfeld war sogar Rang 16. Das war ein tolles Rennen, trotz der harten Wetter- und Untergrundbedingungen.



Übrigens habe ich auch nicht gefroren, wenn gleich ich beim Rennen bei der Kleiderwahl an meinem Skinsuit in kurz-kurz festgehalten habe - was einige regelrecht in Schockstarre versetzte. Meine aufmerksamen Beobachtungen haben ergeben, dass rund 70 Prozent der Westenträgerfraktion diese während der Fahrt zur Temperaturregulation öffnen mussten. Das Flattern der Weste widerspricht sämtlichen aerodynamischen Grundsätzen und kostet wertvolle Sekunden. J Also lieber ohne zusätzlichen Ballast über die Strecke heizen.

Am nächsten Wochenende stehen mit dem Marathon in Kirchhain und der Hessischen Meisterschaft im Cross Country in Bad Orb gleich zwei Termine im Rennkalender. Ich freue mich darauf und hoffe, der Sommer ist uns dann etwas wohlgesonnener.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Warum fährst du dich auf der Rolle warm? Ein Läufer nimmt doch auch kein Laufband mit.“

„Jetzt habe ich aber ganz schön Druck.“

 
„Die ersten Überrundungen gab es schon in der Einführungsrunde.“

Montag, 29. April 2019

Bergzeitfahren Schotten: Kälte und Nässe – eine fieses Kombination

Der Start beim Bergzeitfahren „Sturm auf den Vulkan“ in Schotten ist mittlerweile eine feste Tradition. Und an Traditionen sollte man schließlich festhalten wie an einer Laterne, die einem den Weg ausleuchtet (welche Poesie). Des Weiteren sprechen die Daten des Rennens eindeutig für den klassischen Bergfahrertypen wie mich: 12 Kilometer und 550 Höhenmeter - am Stück versteht sich.

Einziger Nachteil dieses Rennens: Der Start ist erst um 15 Uhr. Nachmittagsrennen sind nicht so mein Fall. Zunächst wartet man ewig bis es endlich losgeht, streift umher wie ein Tiger im Käfig und läuft dann Gefahr durch den Koffeinentzug vor dem Rennen ins Nachmittagstief zu rutschen. Aber es ist wie es ist.

Der Abgleich diverser Wetterplattformen verhieß für den Nachmittag im tiefsten Vogelsberg nichts Gutes: Regen und Kälte. Einzeln lassen sich diese beiden Komponenten recht gut ertragen. Aber in der Kombination „kalter Regen“ oder „regnerische Kälte“ als Duett wird es zum harten Kampf gegen die äußeren Bedingungen.
Am Ort des Geschehens angekommen war auch der Regen bereits da. Also lieber erst einmal im warmen Auto sitzen bleiben und die Lage überdenken. Wo fahre ich mich warm? Schneit es oben im Ziel auf fast 800 Metern über dem Meeresspiegel vielleicht? Wie sollen wir später nass und durchgefroren die Abfahrt zum Auto überleben? Doch Theorie half nichts. Irgendwann mussten wir der Realität ins Auge schauen, in die Rennklamotten schlüpfen und die freie Rolle zum Warmfahren hervorholen. Bei meiner Parkplatzwahl unter einer alten Buche hatte ich den forstwissenschaftlichen Grundsatz „Im Laubwald regnet es immer zweimal. Einmal vom Himmel und einmal von den Blättern“ nicht berücksichtigt. Somit hatte ich auch nicht gemerkt, dass der Regen tatsächlich eine Pause einlegte, weil es von den Bäumen munter weiter aufs Auto prasselte. Also Glück gehabt beim Warmfahren. Aber das Glück ist ja bekanntlich mit den Tüchtigen.



Ich freute mich auf jeden Fall, als es endlich auf die Strecke ging. Das Feld knallte los, als ob das Ziel bereits nach 200 Metern erreicht wäre. Ich hielt mich vorne und versuchte am Hinterrad meines Lieblingsmenschen ins Rennen zu finden. Es war extrem hart bei Nässe, Kälte, Schlamm und Matsch. Der Untergrund war langsam und der Boden saugte einen regelrecht an. Meine Position an der Spitze des Frauenfeldes hielt ich konstant, war aber vom Kopf her nicht im explosiven Rennmodus. Es kam mir alles sehr schleppend, mühsam und träge vor. Die Wattwerte auf dem Garmin erfreuten mich jedoch, denn ich trat genau das, was ich mir vorgenommen hatte.
Besonders der letzte Abschnitt „fiese Wiese“ vor dem Zielbogen – in dicken Nebel gehüllt - kostete die letzten Körner. Ich war mehr als froh, nach 37 Minuten Fahrtzeit endlich oben anzukommen. Und es hatte zum Gesamtsieg gereicht und sogar zum 10. Platz im Gesamtfeld. Auch, wenn es sich nicht so angefühlt hatte.


Pünktlich zu meinem Zieleinlauf setzte dann auch der Regen mit Hagel wieder ein und ich wollte nur noch so schnell wie möglich zurück ins Tal, rein in warme und trockene Kleidungsschichten. Auf die Siegerehrung verzichtete ich angesichts der Witterung schweren Herzens. Gegen die Abfahrt zurück zum Auto war das Rennen aber in der Tat fast ein Kindergeburtstag. In meinem Leben habe ich wirklich noch nie so gefroren. Leben am Limit und heute weit darüber hinaus. Doch Schmerzrezeptoren haben glücklicherweise kein Gedächtnis und kurze Zeit später war auch alles wieder vergessen. Was bleibt ist die schöne Erinnerung an meinem Sieg. Ich liebe diesen Sport – mit allen seinen Facetten.
 
 
Nächste Woche steht – bei hoffentlich besseren Witterungsverhältnissen – der Bilstein Marathon in Großalmerode im Rennkalender.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Was tut man sich an“

„Ich könnte jetzt daheim unter der Kuscheldecke Shopping Queen gucken.“

„Weint man kurz vorm Kältetod oder was?!“

„Ich brauche eine Rettungsdecke!“

 

 

 

Montag, 15. April 2019

Kellerwald-Marathon Gilserberg: Cold but gold!

Meine Mountainbike-Saison eröffnete ich, wie es die Tradition verlangte, in Gilserberg beim Kellerwald-Marat…Fast wäre es mir über die Lippen – falsch Tastatur – gegangen. Natürlich werden an dieser Stelle kritische Leser aufmerksam anmerken, dass es sich bei der von mir gewählten Kurzdistanz nicht um einen vollwertigen Marathon handelte. Denn von einem Marathon kann man selbstverständlich erst sprechen, wenn auch die volle Marathondistanz von 42 Kilometern erreicht wurde. Ist der Begriff Mountainbike-Marathon eigentlich urheberrechtlich geschützt? Weiß der Kuckuck. Also ich startete im Kellerwald bei einem Wettkampf auf der kurzen Strecke. Warum ich diese auswählte? Weil es mir Spaß macht. Eine intensive Stunde Vollgas. Ein Sprinter läuft schließlich auch keinen Marathon. Punkt. Und die irrtümliche Annahme einiger Zeitgenossen, die kurzen Distanzen seien etwas für Anfänger und Einsteiger, wird schnell revidiert, wenn man den Blick einmal über das durch starke Fahrer besetzte Feld schweifen lässt.

So weit so gut. Zurück zum eigentlichen Kern der Sache: Dem Rennen oder vielleicht vorher doch ganz kurz zum Wetter. Dies bedarf nun mehr ein paar Worten. Denn es war so kalt wie noch niemals bei einem Wettkampf meiner Historie. Das Wetter war an diesem Wochenende ein arglistiger Täuscher, denn es war viel kälter als es aussah. Der blaue Himmel mit strahlendem Sonnenschein suggerierte den Eindruck wohliger Wärmer. In der Realität konnte man jedoch gar nicht so schnell Zittern wie man fror. Fazit des Tages: Egal aus welcher Richtung der Ostwind kommt, er ist immer eisig. Im heimischen Mittelgebirge kämpften wir uns am frühen Morgen sogar noch durch eine zarte Schneedecke. Glücklicherweise bin ich mit dem Reifenwechsel am Kraftfahrzeug ein treuer Anhänger der O-bis-O-Regel (Oktober bis Ostern) und so erreichten wir Gilserberg ohne Probleme. Dort war es dann zwar genauso kalt, dafür aber trocken, sonnig und schneefrei.
Am Ort des Geschehens tauchte ich dann sofort in die besondere und magische Rennatmosphäre ein. Ein Cocktail aus Vorfreude, Aufregung, Anspannung und Fokussierung lassen so jedes einzelne Rennen zu einem emotionalen Großereignis werden. Im Startblock wurde ich aufgrund meiner luftigen Kleiderwahl (Skinsuit oben lang, unten kurz) misstrauisch beäugt. Rennerfahren genug war ich mir im Vorfeld aber sicher, dass es kontraproduktiv und unangenehm ist, während des Rennens in zu warmer Kleidung zu schwitzen. Also besser kurz am Start frieren und während des Rennens sollte man darüber ohnehin keinen Gedanken verschwenden, sonst läuft wohl irgendetwas nicht ganz rund. Der Startschuss fiel und ich versteckte mich in der Spitzengruppe der Männer. Der Windschatten kam mir auf den ersten Teerkilometern sehr zu Gute. Überraschenderweise musste ich nicht abreißen lassen, sondern blieb einfach in der Gruppe der führenden Männer. Mit dabei mein Lieblingsmensch, an dessen Hinterrad ich mich hängte, schließlich kannte ich es aus dem Training nur zu gut. Das Tempo der Gruppe war für mich durchaus machbar. Die anderen Fahrer beäugten mich mit misstrauischen Blicken: Was um alles in der Welt macht die Frau hier vorne?!

Bei Kilometer 9 am ersten langen Anstieg kam dann die Attacke von meinem Lieblingsmenschen, die wir natürlich im Vorfeld familienintern abgesprochen hatten. Ein weiterer Fahrer folgte, konnte aber nicht dranbleiben. Und dann kam ich. An dritter Stelle des gesamten Starterfeldes! Ich konnte es selbst kaum glauben. Die Leistungswerte auf dem Garmin verrieten, dass alles im Rahmen ist und auch die Beine signalisierten, dass das Tempo in dieser Form durchgezogen werden konnte. Ein Juniorenfahrer heftete sich an mein Hinterrad, der Rest der Gruppe war abgerissen. Wir fuhren im weiteren Rennverlauf mal nebeneinander, mal hintereinander und schon war auch das Ziel in greifbarer Nähe. Denn auf der Kurzdistanz geht das logischerweise ja sehr schnell. Trotzdem ist das Rennen nicht weniger intensiv.
Am Einstieg in die abschließende und verwinkelte Cross-Country-Passage im Zielbereich verschenkte ich dann meinen dritten Gesamtrang durch verzögertes Einbiegen. Dort konnte ich nicht mehr überholen. Die Ziellinie überquerte ich als Gesamtsiegerin mit 16 Minuten Vorsprung auf die nächste Frau und Vierte im Gesamtfeld. Knappe 90 Sekunden hinter meinem Lieblingsmensch. Definitiv ein „race to remember“ – noch nie war ich bei den Männern so weit vorne. Das hat Spaß gemacht. Heute hat alles gepasst.





Bevor es in zwei Wochen zum Bergzeitfahren nach Schotten geht, steht nun ein intensives Trainingslager über Ostern zu Hause an.

Bis dahin: Keep on riding

Vanessa

 

Zitate des Tages:

„Und kriegst du langsam Angst?“

„Seid ihr etwa auch noch ein Paar?!“

„Heute Abend gibt es Brotzeit.“

„Wer schneller fährt, muss nur kurz frieren.“

 

 

Montag, 8. April 2019

Großer Preis der RSG Buchenau – eine knappe Geschichte!

Das lange Warten hat ein Ende: Ab nun wird wieder an fast jedem Wochenende eine Startnummer am Lenker zu finden sein. Endlich wieder Rennen fahren. Endlich wieder Wettkampfmodus. Kommt einem die rennfreie Phase von Oktober bis April zunächst ewig, fast Lichtjahre mäßig lang vor, ist sie dann doch immer schneller vorbei als man denkt und der Saisonstart kommt (wie Weihnachten und Geburtstage) in jedem Jahr doch überraschend.

Meine Saison begann auf der Straße beim Heimrennen in Breidenbach. Ich hatte es vielmehr als Trainingsrennen eingeplant, da die Straße eher nicht mein gewohntes Revier ist. Am Vortrag realisierte ich, dass mein Rennrad seit dem Trainingslager auf Mallorca Anfang Januar ein einsames Dasein im Keller führte und nicht mehr an der frischen Luft war. Denn es wartet auf seinen Verkauf und ich warte auf den Nachfolger – aber mein neues Tarmac hatte es leider nicht mehr rechtzeitig zu mir geschafft. Also musste mein alter Renner noch einmal ran – zu seiner Abschiedsvorstellung sozusagen.
Der lange Renntag begann mit dem Support meines Lieblingsmenschen, ich selbst war erst am Nachmittag an der Reihe. Der Support endete dann aber schneller als gedacht – um genau zu sein nach 40 Sekunden, als der Hinterreifen unüberhörbar platze. Glücklicherweise gab es für ihn noch eine Chance beim Jedermannrennen am Mittag. Die Wartezeit und Reparatur konnten durch die kurze Anreise von fünf Minuten zu Hause erfolgen. Während die Zeit sonst gefühlt nur so dahinrennt, zog sie sich bis zu meinem Start wie Kaugummi. Aber um 14 Uhr hieß es dann auch für mich: Rennkleidung an, einklicken, warmfahren und an den Start. Und es war praktisch, dass ich direkt von zu Hause losrollen konnte.


Um 15 Uhr fiel dann der Startschuss (okay, es war gar kein Schuss, sondern es wurde lediglich eine Fahne geschwenkt). Das Feld bestand aus Elite Frauen, Junioren, U23-Fahrern und Masters. Es war vom Start weg sehr unruhig und das Fahren forderte die volle Aufmerksamkeit. Das Rundrennen führte über einen selektiven Kurs mit vielen scharfen Kursen, einer rasanten Abfahrt und einem zähen Anstieg. Das Ganze war insgesamt 23 Mal zu durchfahren. Mit einer anderen Fahrerin setzte ich mich schnell von den anderen Frauen ab und arbeitet fortan viel von vorne. Viel im Wind. Viel am Anstieg. Die Beine waren nach den vielen Trainingstagen der letzten Wochen erstaunlich gut und ich fühlte mich stark. Ich probierte einige Attacken, merkte aber, dass ich mich nicht absetzen konnte. Bergab verlor ich stets einige Meter und musste die Lücke immer wieder zufahren. Bergab auf dem Rennrad liegt mir nicht. Da vertraue ich meinem Mountainbike doch deutlich mehr. Die ständigen Antritte forderten doch viele Reserven und das Fahren im Feld machte irgendwann auch den Kopf müde. Es zeichnete sich ab, dass alles auf einen Zielsprint hinauslaufen würde. Auf meine Sprinterfahrung konnte ich nicht bauen, da ich schlichtweg keine habe. In der letzten Runde zog ich am Zielberg einfach an und gewann den explosiven Sprint dann mit wenigen Zentimetern Vorsprung. Sehr knappe Geschichte! Ich war selbst überrascht, erstaunt und glücklich über meinen Sieg. Damit hätte ich nicht gerechnet.


Next stop next week: Kellerwald-Marathon. Dann wieder mit breiten Reifen auf gewohnten Terrain.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate:

“Wenn die elektrische Schaltung versagt hätte, hätte ich dich ausgelacht.”

„Was man in der Wartezeit alles machen könnte…Haushalt, Steuer, Rasenmähen.“

„All out!“

„Ich habe die schwerste Kurbel auf dem Markt und MTB-Pedale. Hallo?“