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Montag, 19. August 2019

Wenn die Berge rufen, musst du folgen!



Und sie haben sehr laut gerufen. Die letzten beiden Wochen habe ich – ich kann es mittlerweile als meine zweite Heimat bezeichnen – am Wilden Kaiser in Tirol verbracht. Wem diese wunderschöne Fleckchen Erde kein Begriff ist: Hier wird eine sehr bekannte, wenn nicht sogar die bekannteste, TV-Arzt-Serie mit einem unschlagbar kompetenten Arzt namens Martin Gruber gedreht. Nicht, dass ich Hardcore-Fan wäre, aber die Drehorte der Sendung gehörten durchaus zu meiner täglichen Bestandsaufnahme. Da nämlich zufälligerweise während meines Aufenthaltes neue Folgen gedreht wurden. Und man will ja schließlich nichts verpassen. Doch ich muss dazu sagen, dass ich bereits in die Gegend gereist bin, bevor jemals irgendein Drehbuch geschrieben wurde und der Hype um den Bergdoktor ausgebrochen ist. Aber nun genug Anekdoten und Schleichwerbung für das ZDF.



Die Gegend um den Wilden Kaiser, eingebettet zwischen Kufstein und Kitzbühel hat nämlich noch viel mehr zu bieten: Alles, was das outdoorgeprägte Naturliebhaberherz höherschlagen lässt, gibt es hier komprimiert auf zwei Bergflanken. Eine zahme Seite zum Wandern und Biken und eine wilde Seite zum Klettern und Bergsteigen. Und all das habe ich in meinem Trainingslager(-Urlaub) genossen. Kraft in der Natur getankt, die Akkus aufgeladen, die Seele baumeln gelassen und den Kopf erfrischt. Etwas weniger Radfahren, dafür mehr Alternativsport. Die Rennsaison war für mich so weit weg, wie New York von Moskau. So eine Auszeit tat nach der bereits langen Saison mit vielen Rennen wirklich einmal gut. Umso motivierter und voller Energie kann ich nun den finalen Teil der Saison in Angriff nehmen. Insgesamt betrachtet kam mir die Zeitspanne meiner Abwesenheit vor wie mehrere Jahre. Ich fühlte mich nach der Ankunft zu Hause gestern fast fremd. Das scheint dann wohl ein Zeichen guter Erholung zu sein.

 
Was in diesem Jahr dank meiner ausgeklügelten Planung unfassbar gut passte, war, dass das Internationale Bergzeitfahren auf den Hahnenkamm in die Zeit meines Aufenthaltes fiel.

 
 
Ein schöner Zufall. Ein Sahnehäubchen als Abschluss des Trainingslagers sozusagen. Das Rennen fand letzten Donnerstag statt – ein Feiertag in Österreich. Davon haben sie hier ja jede Menge, die Glücklichen. Die Daten des Bergzeitfahrens, was seinen Namen damit mehr als verdient hat – haben mich als Bergfahrer natürlich sofort in ihren Bann gezogen: 9 Kilometer und 900 Höhenmeter! Was für andere nach reinster Qual klingt, ist für mich ein echtes Fest. Denn nirgendwo sonst kann ich mein Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis so gut nutzen. Da es sich bei dem Event auch um die Tiroler Landesmeisterschaften im Bergzeitfahren handelte, war das Starterfeld mehr als gut besetzt. Viele Spezialisten mit extrem leichten Rädern (ich habe noch nie so viele Starrgabeln gesehen) zierten den Startblock in der Kitzbühler Innenstadt.

Meine Beine fühlten sich am Renntag so frisch an, wie sie nach zwei Wochen Trainingslager eben sein können – also eher mäßig. Doch das war bereits abzusehen und wurde in meinen Planungen einkalkuliert. Die Motivation und Aufregung waren dagegen umso größer. Denn ich bin zwar schon bei einigen Bergzeitfahren gestartet, aber noch bei keinem dieser Größenordnung. Der Start vollzog sich mit einer kleinen Einführungsrunde mitten in der Fußgängerzone – eine einmalige Atmosphäre. Nach der neutralisierten Startphase ging es dann am Fuße des berühmten Hahnenkammes auf vielen steilen Serpentinen hinauf zum Gipfel. Im Nachhinein betrachtet war mein Start wieder zu aggressiv – trotz der Tatsache, dass wir meine Fahrtzeit vorher ausgerechnet hatten und ich wusste aufs Watt genau, was auf mich zukommt. J  Pacing ist alles – man kann es MIR nicht oft genug sagen und ich sollte es dann auch mal beherzigen. Lange Zeit fuhr ich an der Spitze des Damenfeldes. Irgendwann wurde ich dann von zwei Fahrerinnen attackiert. Warum ich dann nicht dran blieb, kann ich nun im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren. Die beiden Fahrerinnen waren zwar nur wenige Meter vor mir, aber es gelang mir nicht die Lücke zuzufahren. Eventuell gedachte ich auch, dies später kurz vor dem Ziel noch schaffen zu können. Aber wie soll man bei über 10 Prozent Dauersteigung noch einen Antritt fahren?! :D Auf jeden Fall können sich 9 Kilometer Ewigkeiten ziehen. Die Höhenmeter schossen auf dem Garmin in die Höhe, während die Kilometer nur so dahin krochen. Ich freute mich über jede Kilometerangabe am Wegesrand. Noch drei Kehren und dann sah man von weitem schon den Zielbogen. Wenn ich den Gesamtsieg noch holen wollte, war es nun allerhöchste Zeit für eine Attacke. Doch dazu war ich nach 45 Minuten Vollgas nicht mehr fähig. Mit meiner Zeit von 47 Minuten war ich mit rund 25 Sekunden Rückstand Gesamtdritte und siegte in der Eliteklasse. Wäre ich aus Tirol, wäre ich damit Landesmeisterin geworden. ;-) Zunächst war ich etwas enttäuscht über mein schlechtes Pacing, als ich dann aber die Sieger-Kitz-Kitzbühel-Trophäe in den Händen hielt, überwogen doch die Glückgefühle über mein Abschneiden bei einem so großen Rennen.

 
 
 
 
 
 
Ein Bergzeitfahren bietet natürlich keine einzige Sekunde Erholungsphase und ist somit ohnehin erst rückwirkend betrachtet schön. Nämlich dann, wenn man realisiert, was man geschafft hat!
Nach meiner zweiwöchigen wunderschönen Auszeit versuche ich nun mich wieder im „normalen“ Leben zurechtzufinden. Ihr findet mich am Sonntag an der Startlinie des Sebamed Bike Days in Bad Salzig. Darauf freue ich mich schon – ein tolles Event!  https://www.sebamed-bike-day.de/

Bis dahin: Keep on riding,


Vanessa

Zitate:

“Puh 9 km mit 900 Höhenmeter, das sind ja dann im Schnitt 10 Prozent Steigung!”

                        „Ach nee, wie hast du das denn so schnell ausgerechnet?!“

„Das war doch nicht gleichmäßig!!“

                        „Klaro guck doch hin.“

„Ich kann das mit dem Pacing immer noch nicht so richtig glauben.“

 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Montag, 29. Juli 2019

12 Stunden EM am Ammersee: Wir sind Europameister!

Um das Sommerloch sinnvoll zu füllen, komme ich von Jahr zu Jahr auf verrücktere Ideen. Als ich vor rund vier Wochen das Internet nach potentiellen Rennterminen durchforstete, weckte eine Veranstaltung mein besonderes Interesse. Oder viel mehr – ich brannte bereits mit Lesen der Ausschreibung dafür: 12 Stunden Europameisterschaft in Dießen am Ammersee. Es gibt ja diese Dinge, über die man zwar vorgaukelt noch einmal nachdenken zu wollen, sich innerlich aber schon längst entschieden hat. Die vielen  positiven Erinnerungen an das letztjährige 12 Stundenrennen in Külsheim stimmten mich positiv in der Annahme, dass wir nun auch bereit für eine Europameisterschaft sind. Apropos WIR – mein Plan war natürlich ein Start im 2er-Mixed-Team, gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen. Bietet sich ja schließlich mehr als an. Und genau diesen musste ich zunächst in meinen gefassten Plan einweihen und dann ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Ich hatte ihn aber schnell mit im Boot, denn mir kann man nur schwer einen Wunsch abschlagen – und zack brannten wir beide für das Event!

Ein solches Ereignis bedarf einer gründlichen vorherigen Planung: Verpflegung, Material, Ausstattung, Renneinteilung und so weiter. Letztlich sah es am Abreisetag eher so aus, als wollten wir zu einer mehrwöchigen Expedition aufbrechen, statt zu einem Rennwochenende am Ammersee. Um in der Ferienzeit Engpässe und Staugefahren auf der Autobahn zu vermeiden, nutzen wir die frühen Morgenstunden des Rennvortages für unsere Anreise. Bei prallem Sonnenschein und über 40 Grad im Schatten erreichten wir relativ zügig unser Ziel mitten im platten bayrischen Land. Wir gehörten zu den ersten Teams, die das Renngelände bezogen. Somit konnten wir uns den einzigen Schattenplatz des gesamten Areals unter einem großen Baum sichern und dort unser Fahrerlager aufschlagen. Der Standort war eine echte Oase: Direkt an der Wechselzone gelegen, Schatten den ganzen Tag, ein Bachlauf mit eiskaltem Wasser vor unseren Füßen und der Toilettenwagen in direkter Nachbarschaft. Da hat der frühe Vogel einen wirklich fetten Wurm gefangen!

Eine kurze Vorbelastung nutzen wir dazu, den Körper zu aktiveren und uns die Strecke anzusehen: 7,5 Kilometer, rund 140 Höhenmeter, holprige Wiesestücke, zwei knackige Schotteranstiege, ein toller Trail im Wald, ein fieses Drückerstück auf Teer und eine flowige Wiesenabfahrt. Für 12 Stunden im Sattel ein strammer Kurs. Eher nicht bergfahreraffin, aber da musste ich nun durch. Der Tag klang entspannt und erfrischend am Ufer des Ammersees aus.


Nach einer  - der Aufregung und Steckmückenarmada geschuldeten – unruhigen Nacht, hieß es am Samstag dann endlich RACEDAY! Und zwar ein sehr langer. In 12 Rennstunden kann man wirklich alle Höhen und Tiefen einmal durchfahren. So ein Rennen ist nicht nur Formsache, sondern vor allem auch Kopfsache.

Stunde 1
Meinem Lieblingsmenschen gehört die erste Runde, damit er sich eine gute Ausgangsposition erarbeiten kann. Ich warte aufgeregt in der Wechselzone und freue mich auf meine erste Runde des Tages. Diese bringe ich schnell hinter mich (die schnellste Frauenrunde des Tages, wie ich später erfahren werde) mit eigentlich viel zu viel Watt für einen so langen Tag.

Stunde 2
Auch die nächsten beiden Runde gehe ich sehr schnell an. Ich kann mich einfach nicht zurückhalten, auch wenn ich die vielen Stunden, die noch vor mir liegen, vor meinem inneren Auge habe. Aber Pacing ist eben nicht so meins. Doch ich fühle mich gut und überhole permanent andere Fahrer. Die Strecke macht wirklich mehr Spaß, als ich nach meinem ersten Eindruck erwartet hatte.

Stunde 3
Ich erfahre von den Betreuern im Nachbarzelt, dass wir bei den Mixed-Teams mit einer Runde Vorsprung in Führung liegen. Selber hatte ich mich noch nicht getraut, auf die Ergebnislisten zu schauen, weil es mich vielleicht verunsichert hätte.

Stunde 4
Puh, noch acht Stunden. Das ist eine ewig lange Zeit. Ich werde laufend über den aktuellen Zwischenstand informiert. Die gute Nachricht: Unser Vorsprung wächst weiter. Wir behalten unsere Taktik bei, nach jeder Runde zu wechseln. Das heißt somit: 17-18 Minuten Vollgas geben und die gleiche Zeit als Erholung zu haben.

Stunde 5
Im Hinblick auf die unfassbar hohe Zahl an verbrannten Kalorien, die mir mein treuer Garmin anzeigt, verbringe ich meine Pausen damit, permanent zu Essen. Denn ein Hungerast wäre das letzte, was wir jetzt gebrauchen können. Der Körper benötigt ununterbrochen neue Energie.

Stunde 6:
Halbzeit! Ab jetzt wird rückwärts gerechnet, das ist mental gesehen extrem gut für den Kopf. Leider hat sich ein kräftiger Regenguss mit einem kurzen Gewitter über uns entladen. Nach zwei Nassen Schlammrunden bricht die Sonne aber wieder durch und die Strecke trocknet recht schnell ab. Glück gehabt.

Stunde 7
Schnell in trockene Rennkleidung geschlüpft und weiter geht es. Noch immer fahre ich die Runden sehr flüssig, konstant und mit ordentlichem Druck. Ich horche in mich hinein und hoffe, dass kein Einbruch kommt. Immer wieder schaue ich auf meine Rundenleistungen und meine Leistungswerte. Realistisch gesehen, kann ich diese nie und nimmer noch weiter durchziehen, aber ich probiere es trotzdem!

Stunde 8
Der ständige Blick auf die Uhr und die Zeit scheint stillzustehen. Mittlerweile habe ich Probleme, meine Pausenzeiten auszurechnen, um wieder rechtzeitig in der Wechselzone zu stehen. Ich bin wie im Tunnel und blende alles weitere aus.

Stunde 9
Wir liegen nun mit 3 Runden Vorsprung in Führung. Zum ersten Mal blitzt der Gedanke auf, dass der Europameistertitel tatsächlich Realität werden kann. Ich kriege kurz Gänsehaut. Der Gedanke daran beflügelt mich noch einmal und ich ziehe mein Tempo weiter durch.

Stunde 10
Das „All-you-can-eat“-Ernährungskonzept scheint aufzugehen, mein Körper hat noch immer Energie. Essen, trinken, abkühlen mit frischen Bachwasser und fahren – ein ewiger Kreislauf.



Stunde 11
Wir haben 4 Runden Vorsprung, wenn jetzt kein Defekt oder Sturz mehr passiert, ist uns der Sieg sicher. Ich genieße die letzten Runden. Wir ruhen uns jedoch nicht auf dem Vorsprung aus, sondern geben weiter alles!

Stunde 12
Noch 1 Runde. Ich kann noch gar nicht glauben, dass es gleich geschafft ist. Ein letztes Mal über die fiese Wiese, den Anstieg hoch, über den Trail – auf dem ich nunmehr jede einzelne Wurzel kenne – über den Teer hinab in den Start-Ziel-Bereich. Ein letzter Fahrerwechsel. Ich bleibe im Zielbereich hocken und warte auf meinen Lieblingsmenschen. Und dann 20 Uhr. Ende. Wir haben gewonnen! Mit 40 Runden haben wir uns im 2er-Mixed-Team den Europameistertitel geholt. Zwölf harte Stunden liegen hinter uns. Ein Wimperschlag und Lichtjahre zu gleich. Ich bin einfach nur unfassbar glücklich und kann noch nicht realisieren, was heute passiert ist. Der Tag war ein kräftezehrendes, aber einzigartig schönes emotionales Großereignis. Ein harter Kampf gegen sich selbst, aber vor allem ein gemeinsamer Kampf. Alleine gewinnen ist schön, aber so etwas zusammen zu schaffen, ist unbeschreiblich! Danke Lieblingsmensch! Danke für alles.







Wie sagt man so schön: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – aber sie ziehen auch welche nach sich. Nächste Woche reise ich zum Trainingslager nach Österreich, wo nach einer etwas ruhigeren und  erholsameren Woche dann das Bergzeitfahren in Kitzbühel auf dem Programm steht.
 

Ich freue mich und ihr hört von mir!
Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Wo kommt den aus den Oberschenkeln die ganze Kraft her?!”

„Puh ja für eine Frau bist du ganz schön schnell.“

„Ihr seid aber zu viert oder?“

                „Nee zweier Mixed!“

                                „Du großer Gott!"
 „Ich muss das mit den Fingern nachrechnen, mein Kopf ist leer.“

Montag, 15. Juli 2019

Erbeskopf-Marathon in Thalfang: Einmal Gipfel und zurück

Eine familiäre Atmosphäre, kurze Wege, ausreichend Parkplätze, die Aussicht auf ein saftiges Preisgeld, tolle Strecken mit langen Anstiegen und einem Flowtrail als Belohnung – klingt fast utopisch! Wo ich dieses Sahnestück gefunden habe? Beim Erbeskopf-Marathon in Thalfang. Ganz tief im schönen Hunsrück. Und der heimliche Star der Veranstaltung war der Namensgeber, der Erbeskopf. Um an dieser Stelle auch einen gewissen Bildungsauftrag zu erfüllen: Mit über 816 Metern über dem Meeresspiegel ist der Erbeskopf der höchste Berg in Rheinland-Pfalz und – nun haltet euch fest – die höchste Erhebung in Deutschland links des Rheins. Das erweckte unsere Neugier auf diesen Marathon, der bereits zum 18. Mal ausgerichtet wurde (spricht ganz klar für Qualität) und wir nahmen die weite Anreise ins unbekannte Gebiet in Kauf. Bedingt durch zahlreiche Umleitungen, Vollsperrungen und den Mangel an Autobahn-Infrastruktur sahen wir einmal mehr schöne Landstriche und Vegetationen, die uns sonst sicher verborgen geblieben wären. Und je länger man Deutschlands Straßennetz erkundet, desto klarer wird einem, warum der SUV-Markt so boomt: Die Straßen sind einfach zu schlecht und bedürfen eines offroad-tauglichen Gefährts.

Endlich in Thalfang angekommen, schafften wir es gerade noch so vor dem Start der Langstrecke die Straße zu räumen und unser Auto in eine wie immer perfekte Parklücke zu befördern. Denn da man aufgrund der Wetterlage beim Blick in den Himmel durchaus jederzeit mit Regen rechnen konnte, wählten wir sicherheitshalber eine überdachte Variante.



Auf dem Weg zur Anmeldung konnten wir dann bereits einen Teil der Strecke, der im Cross-Country-Stil verwinkelt durch den Kurpark führte, in Augenschein nehmen. Besonders freute ich mich heute auf das Höhenprofil, was zu 100 Prozent bergfahrer-freundlich war.


Pünktlich zum Start brachen auch ein paar Sonnenstrahlen durch die dicke Wolkendecke, die dem 12-Grad-Herbst-Ambiente kurz einen gewissen Glanz verliehen. Nach dem Startschuss wartete eine rund 6 Kilometer lange Einführungsrunde mit einem ersten knackigen Anstieg und ein paar schönen Trails auf die Fahrer. Ich erwischte einen guten Start und heftete mich an die Führungsgruppe der Männer. Das Tempo war noch nicht allzu aggressiv, so dass es sogar noch zu einem kurzen Austausch mit meinem Lieblingsmenschen kam. Er wird mich einfach nicht los, noch nicht mal mehr auf der Rennstrecke. ;-) Aus Angst im Kurparkteich baden zu gehen, reduzierte ich mein Tempo bei der verwinkelten Passage durch den Park. Nachdem wir den Start-Ziel-Bereich erneut passiert hatten, ging es hinein in den ersten längeren Anstieg. Es folgten ein paar schöne Trails bergab und schon fanden wir uns am Fuße des Erbeskopfs wieder. 7 Kilometer mit rund 450 Höhenmetern und einigen giftigen Rampen hinauf zum Gipfel. Eine richtige Perle für mich sozusagen. Deswegen setzte ich mich auch direkt an die Spitze meiner mich umgebenden Männergruppe und machte die Pace bis zum Ende. Dass wir dann plötzlich nur noch zu zweit waren, nahm ich erst oben wahr. Als Belohnung erwartete uns ein Flowtrail des Bikeparks den Skihang hinunter. Von der weiten Aussicht ins Tal fasziniert, fand ich im schottrigen Trail mit vielen Anliegern nicht so richtig in einen schnellen Rhythmus. Das allgegenwärtige Problem, dass ich bergab einfach immer noch zu viel Zeit liegen lasse. Aber ich arbeite daran. ;-)



Nach der Bezwingung des Erbeskopfs und den darauf folgenden Trailabfahrten, war bereits das Ziel in greifbarer Nähe. Tatsächlich war ich so unerwartet flott unterwegs, dass mein Verpflegungskonzept ab Stunde 1:30 überhaupt keine Anwendung mehr fand. Nach 1 Stunde und 28 Minuten hatte ich die 37 Kilometer mit 850 Höhenmetern absolviert und freute mich über den Gesamtsieg. Und noch mehr freute ich mich, dass nur 9 Männer schneller waren als ich. ;-) Ein weiteres „race to remember. Und merkt euch dieses Rennen für nächstes Jahr vor: Es ist wirklich eine der schönsten Strecken, die ich bisher gefahren bin. Die lange Anreise hat sich mehr als gelohnt.


Nächstes Wochenende ist für mich rennfrei und der Fokus liegt dann auf meinem Highlight in zwei Wochen: Der 12-Stunden-Europameisterschaft im 2er-Mixed-Team am Ammersee.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Also wenn du bergab bisschen schneller wärst, würdest du hier sicher um den gesamten Gesamtsieg mitfahren.“

„Puh ich dachte, da kommt Annika Langvad!“

„Was für ein gemütlicher Start. Fast wie eine Tour.“

 

 
 
 
 
 
 
 
 

Montag, 8. Juli 2019

Allersheim Marathon in Neuhaus: Mit Watt zum Erfolg?

Kennt ihr meinen persönlichen Erzfeind beim Mountainbiken? Ich gebe einen kleinen Tipp: „Es ist ein Fachbegriff der Geowissenschaft für natürliche, überwiegend geröllführende Lockersedimente“ (Quelle: Wikipedia) Na, was mag das wohl sein? Richtig: Schotter! Das lose Geröll und ich werden in diesem Leben einfach keine Freunde mehr. Denn besagter Schotter sorgte in der letzten Woche für einen kleinen Zwischenfall im Training mit schmerzhaften Abschürfungen und Prellungen an Armen und Beinen. Der geplante Start beim Marathon in Neuhaus im Solling stand somit kurz in Frage. Doch die Selbstheilungskräfte meines Körpers scheinen enorm zu sein, denn bis zum Renntag war der Heilungsprozess bereits so gut wie abgeschlossen.

 
Also konnten wir voller Vorfreude auf das Rennen, die gut 2,5-stündige Überlandfahrt ins tiefste Weserbergland in Angriff nehmen. Auch heute galt wie so oft die Devise „Luftlinie ist die Entfernung gar nicht so fern, aber die kurvigen Landsträßchen machen die Fahrt zu einer kleinen Weltreise.“ Gut, so lernt man immer wieder schöne Landstriche und entlegene Ecken kennen.


In Neuhaus angekommen, schafften wir es mit unserer Parkplatztaktik wieder bis an den Startbogen vorzudringen. Mich überraschte der plötzliche Temperatursturz auf 12 Grad mit eisiger Polarluft und ich musste mich seit ewiger Zeit mal wieder in eine Jacke hüllen. Ähm Sommer, was ist da bei dir los? Beim Warmfahren erreichte der Körper dann natürlich schnell seine Betriebstemperatur und ich freute mich auf die 50 Rennkilometer mit 1200 Höhenmetern, die laut Höhenprofil über viele endlos lange Anstiege gesammelt werden sollten.
Am Start wartete eine wirklich schöne Geste des Veranstalters: Die Lizenzfahrer wurde alle aufgerufen und hatten einen eigenen Startblock. Das war angenehm. Daran sollten sich die anderen Ausrichter ein Beispiel nehmen. Denn diesen kleinen Vorteil sollten Lizenzfahrer immer erhalten. Der guten Ausgangsposition sei Dank war ich mitten in der Führungsgruppe der Männer, als es direkt nach dem Startschuss in die erste steile und lange Schotterrampe ging. Das Anfangstempo der Gruppe war extrem schnell und aggressiv. Ich sah meine Wattwerte und dachte mir, dass es wohl nicht besonders sinnig ist, bei einem 50 Kilometerrennen seine besten 5, 10, 20 und 30 Minuten zu fahren. Aber was soll es, Pacing wird überbewertet. ;-) Das spart dann auch den ein oder anderen Critical Power Test im Training. Ich hatte in der vergangenen Woche zwar erst einen Leistungstest absolviert und eine neue Schwelle festgelegt, doch im Rennen kann ich immer noch ein paar Watt mehr auf das Pedal bringen. Wir wollen ja auch schließlich nicht zum Trainingsweltmeister werden.

Den schnellen Rennstart hatte mein Körper relativ schnell verkraftet und ich fand an den langen Anstiegen (teilweise über 20 Minuten am Stück – das gibt es selten bei Rennen) in einen flüssigen Rhythmus. Einzig in den ruppigen Abfahrten hatte ich Probleme mit den Sturzverletzungen, weil die schmerzhaften Abschürfungen meine volle Performance sehr bremsten. Da musste ich die Zähne ordentlich zusammenbeißen.
Das Höhenprofil des Marathons war wie für mich gemacht. Die langen Anstiege bereiteten mir viel Freude und ich konnte mein Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis optimal nutzen. Meine Position im Feld behauptete ich und löste mich am ersten langen Anstieg von einer Männergruppe. Ich fand noch einen Mitstreiter, mit dem ich bis ins Ziel zusammenblieb. Wir wechselten uns am Berg und in den Abfahrten ein wenig ab und es machte viel Spaß. Die Ziellinie erreichte ich nach 2 Stunden und 1 Minute als Gesamtsiegerin. Nur 11 Männer waren schneller, der Sieger hatte 7 Minuten Vorsprung. Die nächste Dame folgte 23 Minuten nach mir, ich hatte doch einiges an Vorsprung herausfahren können. Ich war mehr als glücklich über dieses „race to remember“, erstaunt über meine Wattwerte (=neue Leistungsschwelle, neues Glück) und gesättigt mit Endorphinen. Ein Traumtag.



Nächste Woche geht die Reise zum Erbeskopf Marathon nach Thalfang. Ich freue mich schon.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa
 
Zitate des Tages:

„Ich bin voll mit Koffeingels, das hält mich sicher 10 Tage wach.“

„Pacing? Na so lange es keinen Einbruch gibt.“

„Wir werden die Frau nicht los.“

 
 
 
 

Montag, 24. Juni 2019

Marathon Rhens: Von Parkplatzwahl, Wasserbüffeln und wohlgesonnenem Wetter

Nach vier Wochen Rennabstinenz war es höchste Zeit, wieder aktiv in das Wettkampfgeschehen einzugreifen. Die rennfreie Zeit nutzte ich für intensive Trainingsblöcke, Fahrtechniktraining und Regeneration getreu dem Motto „Die Stärken stärken und die Schwächen gleich mit.“

Nach fast einem Monat ohne Startnummer am Lenker, fühlte es sich sodann fast an, als ob ich das erste Rennen meines Lebens bestreite. Entsprechend leicht aufgeregt und voller Vorfreude (ich liebe diesen emotionalen Cocktail) machten wir uns auf den Weg nach Rhens am schönen Rhein zum 20. Canyon Marathon. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Der Name war Programm – meine Strecke war auf den Meter genau 42 Kilometer lang und bot dabei rund 1250 Höhenmeter.
Bevor ich mich dem Kern der Sache nähere, natürlich wie immer an dieser Stelle noch ein kurzer Schwenk zum Problempunkt aller bisherigen Wettkämpfe im Jahr 2019: Dem Wetter! Dieses zeigte sich nun erstaunlich unproblematisch mit ausreichend Sonne vom azurblauen Himmel. Gut, es war eventuell schon ein kleines bisschen zu warm – aber wir wollen es ja nicht in den Krümeln suchen. Kurzum passte es einwandfrei.

Parkplatztechnisch zogen wir einmal mehr ein besonderes Ass aus dem Ärmel. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass 75 Prozent der Autofahrer stets den erstbesten freien Parkplatz wählen. Wir fuhren sodann bis fast zum Startbogen durch und ergatterten einen freien Schattenparkplatz in bester Lage. Vergesst diesen Trick bitte schnell wieder, denn sonst ist bald vorne nichts mehr frei für uns. ;)
Der Startschuss fiel in der Rhenser Innenstadt (ist Rhens überhaupt eine Stadt?!) inmitten alter Fachwerkhäuser, deren Gebälk vermutlich schon viel miterlebt und gesehen hat. Der Start war eng, sodass ich mich extra früh einfand und  die erste Reihe eröffnete. Der zuständige BDR-Kommissär ahndete alle „Sich-später-noch-von-vorne-Ansteller“ und mit einer weiteren Dame durfte ich sogar noch ein paar Meter vorrücken und führte das rund 270-Fahrer-starke Feld die ersten Meter an. Ich hielt mich erstaunlich lange inmitten der aus etwa 12 Männern bestehenden Führungsgruppe. Wir setzten uns sofort vom restlichen Feld ab und rissen eine große Lücke, obwohl mir das Anfangstempo eher gemütlich vorkam. Es ging direkt 12 Kilometer bergauf, was mir als Bergfahrerin natürlich entgegen kam. Meine missliche Lage offenbart sich dann immer in den Abfahrten, in denen mir die Männer wegfahren und ich die Lücke dann am nächsten Anstieg wieder zufahren muss. Da ich die Trails aber lieber kontrolliert und mit Sicht fahre, nehme ich diesen Umstand aber in Kauf.

Im weiteren Rennverlauf tat sich platzierungstechnisch nicht mehr viel. Die Männergruppe war noch in Sichtweite – mal mehr, mal weniger – und von hinten kam keiner mehr nach. Ich trat mein Tempo konstant durch und freute mich über die Werte, die der Wattmesser an meinen Garmin sendete. Als uns ein flowiger Trail aus dem Wald ausspuckte und den Blick auf den weitläufigen, glitzernden Rhein frei gab, musste ich kurz innehalten. Im Training wäre das ein Foto wert gewesen. Nun speichere ich es im Kopf zu den unzähligen weiteren „epischen Momenten“ im Archiv ab. Es ist schon ein großes Geschenk, so tolle Momente erleben zu dürfen und dabei das zu tun, was man liebt.
Nach einer steilen Serpentinenauffahrt, die mir sehr viel Spaß machte, kam das Ziel immer näher. Ein zu langer neugieriger Blick auf die riesigen Wasserbüffel am Streckenrand, ließ mich unmittelbar gegen Ende noch in einen knietiefe Schlammpfütze – es war eher ein See – fahren und ich erweckte nun mehr den Anschein eines extremen Schlammrennens. Aber was ist schon ein Mountainbikerennen ohne Schlamm und Matsch? ;)

Die Ziellinie überquerte ich als Gesamtsiegerin mit knapp 2 Stunden Fahrtzeit mit 20 Minuten Vorsprung auf die nächste Frau. Nur 14 Männer waren heute schneller als ich. Glücklich über ein tolles Rennen, was ich sehr genossen habe, freute ich mich, dass das intensive Training auf den Punkt aufging.


Normalerweise wartet man in der Regel gefühlte Ewigkeiten auf die Siegerehrung. Doch in Rhens hatte ich kaum den Sponser-Recovery-Shake ausgeschlürft und wurde schon aufgerufen. Dies führte zwar dazu, dass noch nicht alle Damen anwesend waren, kam mir aber zeitplanmäßig sehr entgegen. Daran sollten sich andere Veranstalter ein Beispiel nehmen. Insgesamt war der Marathon super organisiert, die Strecke war toll. Die Atmosphäre inmitten von Rhens war einmalig. Ein empfehlenswerter Wettkampf, was die Starterzahl von mehr als 800 Fahrern auch wiederspiegelt. Ich komme nächstes Jahr wieder!



Für mich geht es am nächsten Wochenende weiter zum Marathon am Rursee.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Bist du ein Schlammrennen gefahren als Einzige heute?”

„Da war ein Schlammloch, so tief, dass sogar schon Wasserbüffel im Einsatz waren.“

„Nimm als Probelauf für die DM einfach jede Viertelstunde ein Gel.“

            „Bist du narrisch, dann kann ich ja wegen dem Koffein 5 Tage nicht schlafen.“

„Was macht die Frau denn hier in der Führungsgruppe?!“

 

 
 

Montag, 20. Mai 2019

Bundesligarennen Straße in Dautphe: Tausche Waldboden gegen Asphalt

Am Wochenende war es mal wieder an der Zeit dem Projekt „Neue Erfahrungen sammeln“ aus der Rubrik „Aus dem Leben lernen“ eine Plattform zu bieten. Dafür tauschte ich Wald, Trails, Matsch und breite Reifen gegen Asphalt, Rennrad und Straßenstaub ein. Ich wäre vermutlich niemals in den Genuss (ob es einer war, werde ich später erläutern) eines Bundesligarennens auf der Straße gekommen, wenn dieses nicht direkt im Nachbarort seine Austragung gehabt hätte. Im Vorfeld war ich mir natürlich im Klaren darüber, dass man als Einzelstarterin bei einem solchen Event eine kleine und untergeordnete Rolle spielt. Trotzdem bereitete ich mich taktisch intensiv durch das Studieren der aktuellen Giro d´Italia Etappen vor. Vorbereitung kann schließlich nicht schaden. Unpraktisch ist es nur, wenn man die Taktiken dann mit sich alleine ausmachen muss. So setzte ich mir zum Ziel ein solides und gutes Trainingsrennen zu absolvieren.



Als sich kurz vor dem Start alle Teams versammelten, war ich doch erstaunt, wie viele Frauen in Deutschland Straßenradsport betreiben! Ich kam mir nun mehr doch etwas verloren  in den Reihen der großaufgestellten Teams mit eigenen Begleitfahrzeugen vor. Die schwierige Strecke hielt auf dem knapp 9-Kilometer-Rundkurs zwei Anstiege und eine lange, leicht abfallende Drücker-Passage bereit. Der längere Anstieg war für mich als Bergfahrerin kein besonders entgegenkommender Berg, da er sich eher sacht und schleichend dahinzog. Kategorie: Leichter Hügel. Nur am Rande: Die Strecke in Dautphe war vor zwei Jahren für die Deutsche Meisterschaft U23 als Vorbereitungskurs für die WM-Strecke in Norwegen ausgewählt worden.

Mein Heimvorteil brachte mir im Grunde nur die Erkenntnis, dass ich das Streckenprofil nicht besonders mochte – oder es mir nicht entgegen kam. Aber nun genug lamentiert – schließlich wollte ich Rennen fahren. Die Startphase war recht entspannt im geschlossenen Feld. Anstrengend war hier nur seinen Platz gegen Lenker, Ellenbogen und Drängler zu behaupten. So rollten wir die ersten Runden dahin. In mir keimte die Frage auf, wie ich aus dem Pulk herauskommen soll, wenn vorne eine Gruppe flüchtete? Und genauso kam es dann auch. Nur, dass ich die Fluchtgruppe gar nicht realisierte. Kurz mal die Aerosocken hochgezogen und einen Schluck aus der Trinkflasche genommen und schon war eine kleine Gruppe weg. Die Verfolger wurden von den anderen Teamfahrerinnen erfolgreich ausgebremst und zurückgehalten. Alleine gegen den Wind konnte ich nicht mehr an die Führungsgruppe heranfahren. Die Lücke war zu groß.

Meine neutrale teammitgliederfreie Position bedachten die anderen Frauen ständig mit irgendwelchen Anweisungen und Kommentaren zu Sachen, die ich machen oder nicht machen sollte. Ich versuchte dies zu ignorieren und fuhr mein Tempo. Denn wenn man schon alleine ist, muss man auch für niemanden Arbeiten. Ich hatte bei diesem Rennen ohnehin nichts mehr zu verlieren oder zu gewinnen. Nach 60 Kilometern war ich knapp vorm Aufgeben, weil ich keinerlei Drang und Sinn mehr verspürte, weitere 26 Kilometer gegen den Wind zu kämpfen. Aber Aufgeben ist keine Option und wird im Nachhinein auf jeden Fall immer bereut. Also einfach weiter, immer weiter. Als die letzte Runde durch das Glockensignal eingeläutet wurde, war ich doch mehr als froh, dass die ganze Geschichte nun ein Ende fand. Die Platzierung war mit Rang 40 irgendwo im Mittelfeld, aber wenigstens bin ich nicht überrundet worden. Fazit des Tages: Wer Spaß am Radfahren haben will, sollte einfach MTB-Rennen fahren. Denn da gewinnt der Beste. Auf der Straße gehört nicht nur alleine das Können dazu, sondern auch jede Menge Taktik, ein starkes Team im Rücken, eine große Prise Glück und der richtige Moment. Und alleine der Umgang und das Miteinander im Feld haben mich erschreckt. Das kenne ich vom MTB-Sport nicht. Ich denke mal, mit der Straße muss man groß werden, um das auszuhalten.

Das Bundesligarennen war eine lehrreiche Erfahrung für mich, die allerdings keiner Wiederholung bedarf. Aber nichtsdestotrotz war es ein gutes Training.

Nächstes Wochenende steht kein Rennen im Programm, dafür ein kurzes Trainingslager in der Pfalz.
 
Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

 
Zitate des Tages:

“Ich verstehe das ganze System selber nicht.“

„Alle, ich kenne alle Namen!“
"Naja dann gebe ich mir eben selbst Windschatten."
 
„Ich hätte einfach über die Kuppe direkt nach Hause rollen sollen.“

Montag, 13. Mai 2019

Hunburg-Marathon Kirchhain: Man kann nie nasser werden, als bis auf die Haut!

Der Durchbruch des „Wonnemonats“ Mai ließ auch am vergangenen Wochenende weiterhin auf sich warten. Man kann beim Rennen vieles selber beeinflussen – Form, Material, Verpflegung – eines hat man aber nicht selbst in der Hand: Das Wetter. Und Wetter ist ja bekanntlich immer. Zum Glück gibt es diese Tage recht selten: Tage, an denen es nur einmal regnet. Und das dann den ganzen Tag. Englisches Wetter. Unglücklicherweise fiel ausgerechnet einer dieser Tage auf den Hunburg Marathon in Kirchhain. Der anhaltende Dauerregen hielt uns natürlich nicht von einem Start ab. Denn wer sich den Wettereinflüssen nicht aussetzen will, kann ja auf der Rolle Zwift fahren. Outdoor-Sport findet eben draußen statt und da kann es durchaus einmal etwas ungemütlicher zugehen.

Wir hatten eine kurze Anreise nach Kirchhain und demzufolge einen entspannten Start in den Renntag. Am Ort des Geschehens sicherten wir uns einen der letzten Parkplätze mit unmittelbarem Zugang zu einem überdachten Fleckchen. Hier reihte sich als bald eine freie Rolle an die nächste. Kollektives Gruppenwarmfahren mit Dach über dem Kopf. Um den Aufenthalt im Nass so kurz wie möglich zu halten, rollte ich erst wenige Sekunden vor dem Startschuss an die Startlinie. Um 11.30 Uhr – eine sehr Langschläfer freundliche und ungewöhnlich späte Startzeit - schickte uns der Sprecher auf die Strecke. Keine 2 Minuten später zierten unsere Räder und Rennkleidung bereits Schlamm- und Matschschichten in allen Variationen. Was nicht von den eigenen Reifen hochgeschleudert wurde, kam als Fontäne vom Vordermann. Ich hatte einen guten Start und setzte mich mit der Führungsgruppe der Männer ab. In den ausgefahrenen und schlammigen Trails stieß meine Fahrtechnik dann aber in einigen Passagen an ihre Grenzen und ich konnte das Tempo nicht mitgehen. Dafür musste ich in den Anstiegen einfach umso mehr Gas geben. Das funktionierte auch sehr gut. Die Strecke war traillastig und wirklich wunderschön (ich würde sie gerne noch einmal bei trockenen Bedingungen fahren, vielleicht dann im nächsten Jahr).
Das Ziel kam früher als erwartet (nach 18 Kilometern, statt 22 Kilometern – vielleicht war es den GPS-Satelliten auch zu nass) in Sichtweite. Die Ziellinie überquerte ich verschlammt aber glücklich als Gesamtsiegerin mit 21 Minuten Vorsprung. Fünf Männer waren heute schneller als ich. Schnellster war mein Lieblingsmensch – Doppelsiege sind die schönsten Siege.




Fazit des Tages: Man kann nie nasser werden, als bis auf die Haut. Trotz der verregneten Schlammschlacht ein tolles Rennen mit viel Spaß. Einen großen Dank an die Organisatoren, die dem Wetter trotzten und die Veranstaltung so toll gestaltet haben!



Meinem Rad hat die Matschpackung doch mehr zugesetzt als erwartet, sodass es für den geplanten Start bei der Hessenmeisterschaft Cross Country in Bad Orb am nächsten Tag nicht einsatzbereit war. Denn ohne Bremsbeläge bremst es sich schlecht.


Somit geht es für mich am nächsten Wochenende im Renngeschehen mit einer Premiere weiter: Bundesligarennen auf der Straße in Dautphe. Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Danke an www.radsportnachrichten.com für die tollen Bilder!

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Ist da hinter dem Wald Frankreich?”

„Irgendwann fahren wir unsere Rennen dann in der Halle auf Zwift.“

„Habe ich noch irgendwo Schlamm?“

                        „Frag lieber, wo du keinen Schlamm hast.“

„Du hast zu viel gebremst.“