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Montag, 16. September 2019

Radsporttechnik Müller: Laufräder mit Liebe zum Detail

Wie sagte Marilyn Monroe einst so schön: „Gib einem Mädchen die richtigen Schuhe und sie kann die ganze Welt erobern.“ Für uns Radsportler heißt dies im übertragenen Sinne: „Gib deinem Bike die richtigen Laufräder und es wird dich überall hinbringen:“ Doch genug der Poesie – da ich mehr als genug Schuhe besitze (hier erfülle ich in der Tat alle Klischees) - war es höchste Zeit auch bei den Laufrädern meines geliebten MTBs nachzubessern. Denn schließlich gibt es kein Bauteil am Fahrrad, was so viel Einfluss auf die Performance hat, wie die Laufräder. Das bei jedem Antritt die rotierende Masse neu bewegt werden muss und ein leichtes Laufrad somit weniger träge und dafür spritziger und agiler ist, leuchtet sogar mir physikalisch ein. Obwohl ich Physik bereits in der achten Klasse abgewählt habe. Das heißt also: Je weniger Masse rotiert, desto breiter wird das Grinsen des Fahrer bei Antritten, Sprints und schnellen Richtungswechseln. Leichte Laufräder sind also pures Glück für alle, die auf der Rennstrecke um jede Sekunde kämpfen. Aber auch für alle, die im Training und bei Touren ein gutes Fahrgefühl genießen möchten. Für meinen neuen Laufradsatz
war mir ein optimaler Kompromiss aus Leichtbau und Stabilität wichtig.

Meine Recherchen brachten mich mit Andreas Müller von Radsporttechnik Müller (www.radsporttechnik-mueller.de) in Kontakt. Er bietet alles, was das Bikerherz höherschlagen lässt und wartet mit einer unendlichen Marken- und Produktvierfalt. Mit viel Liebe zum Detail und strenger Qualitätskontrolle garantieren die Laufradsätze eine lange Lebensdauer und somit viele Kilometer Fahrspaß. Durch die individuelle und persönliche Beratung von Radsporttechnik Müller habe ich ihn dann gefunden – meinen neuen Laufradsatz! Den Duke Lucky Jack SLS mit Newmen Naben. 1230 Gramm. Schneller, leichter, besser. Übrigens auch der Laufradsatz der amtierenden Weltmeisterin im Cross-Country.
 
 
 
 
 

Ich habe die Laufräder gestern sogleich einem Härtetest im Traileinsatz unterzogen. Der erste Fahreindruck? Was soll ich sagen: Es war einfach überragend! Gönn´ deinem Rad etwas Besonderes und du wirst es nicht bereuen. Wenn ihr auch auf der Suche nach einem besonderen Laufradsatz seid, dann schaut mal bei Radsporttechnik Müller vorbei!
 

Nächstes Wochenende stehen die Hessenmeisterschaften im Marathon auf dem Programm und ich freue mich dort mein neues Setup im Rennen zu testen.
 
 

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

 

 

 

 

 

 

Montag, 26. August 2019

Sebamed Bike Day: Hitzekampf am Rhein

Nach dem Trainingslagermodus und der tollen Zeit in Österreich war ich nun mehr so halbwegs im Hier und Jetzt angekommen und fühlte mich bereit für den nächsten Rennstart. Und auf dieses Rennen freute ich mich besonders: Der Sebamed Bike Day in Bad Salzig erwartet die Starter jedes Jahr mit tollen Strecken, super Organisation und vor allem einem Starterbeutel, der das gezahlte Startgeld um Weiten überwiegt! Einfach nur toll und definitiv zu empfehlen. Wir brachen in den frühen Morgenstunden ins schöne Weltkulturerbe unteres Mittelrheintal nach Bad Salzig auf und machten uns somit gefasst auf eine ausdehnte Überlandfahrt durch den Westerwald. Nach den eisigen Temperaturen der letzten Nächte war ich überrascht, dass die Temperatur bereits um 6.30 Uhr 17,5 Grad betrug. Eine tropische Nacht. Doch das sollte nur das Warm-Up sein.



Gespickt mit einem bunten Allerlei an Umleitungen und Baustellen erreichten wir den Ort des Geschehens mit leichter Verspätung. Ich wurde direkt hektisch, weil ich Angst hatte, alle Vorbereitungen nicht rechtzeitig abschließen zu können. Völlig unbegründet natürlich, aber wenn ich aufgeregt bin, drehe ich manchmal durch. Da wir bereits zum vierten Mal am Start standen, hatten wir durch unsere erlangte Ortskenntnis selbstverständlich wieder einen geheimen Geheimparkplatz im Schatten mit besten Anbindungen an das Start- und Zielgelände als Ass im Ärmel. Nachdem ich mich ausgiebig über den üppigen Inhalt des Startbeutels gefreut hatte, begann ich mit dem obligatorischen Warmfahren. Eigentlich war mir aber auch schon warm genug. Denn in Bad Salzig – eigekesselt durch felsige Weinberge, direkt am Rhein gelegen – stand bereits die frühe Morgenluft in sengender Hitze. Trotz des Schattenplatzes sehnte ich mir eine Kühlweste herbei.
Der Start verzögerte sich durch einen Sturz auf der Langstrecke um einige Minuten, sodass der vorherige Koffeinshot schon im Startblock seine volle Wirkung entfaltete. In der neutralisierten Phase folgte die Strecke zunächst der Hauptstraße im Ort, bevor das Feld dann in den ersten langen Anstieg entlassen wurde. Dort knallte die Führungsgruppe los, als ob das Ziel bereits nach 500 Metern erreicht wäre. Die erste Attacke verpuffte aber recht schnell und ich konnte die Lücke zu den Männern wieder schließen. Der erste Berg zog sich über 17 Kilometer, unterbrochen durch wenige kurze Flachpassagen und Trailstücke – eigentlich ein Sahnestück für mich. Mein Tempo war auch gut, jedoch fühlte ich keinerlei Explosivität. Meine Beine waren eher neutral – weder gut noch schlecht. Doch meine Wattwerte verrieten, dass noch viel mehr Potential lauerte. Dieses konnte ich aber irgendwie heute so gar nicht ausspielen. Anstatt mich weiter auf das Rennen zu fokussierten, grübelte ich stattdessen darüber nach, woran dies liegen könnte. Kein allzu guter Ansatz mitten im Wettkampf. : )   Dabei wäre es in der Tat sinniger gewesen, die Aufmerksamkeit vermehrt auf die Streckenbeschilderung zu legen. Zweimal verpasste ich mit meiner Männergruppe einen Abzweig beinahe, was das gesamte Grundtempo stocken ließ. Auch wenn ich persönlich – da bin ich ein wirklich scharfer Selbstkritiker – mit meiner Leistung nicht ganz zufrieden war, genoss ich das Rennen. Sonnenschein, staubtrockene Trails, tolle Ausblicke auf den Rhein, das tun, was ich ab liebsten mache und einfach eine gute Zeit auf dem Rad zu haben. Darum geht es eigentlich und nicht um perfekte Wattwerte. Und je näher das Ziel kam, desto mehr freute ich mich, dass ich scheinbar trotz mäßiger Performance meine Führung verteidigen konnte. Manchmal täuscht das eigene Gefühl dann vielleicht doch oder die eigenen Ansprüche an sich selbst sind zu groß. Jedenfalls konnte ich den Gesamtsieg ins Ziel retten und war glücklich darüber. Und ziemlich überhitzt. Es fühlte sich körperlich gesehen eher nach einem mehrtägigen Etappenrennen an.



Was dann geschah, war nahezu unfassbar und ein noch nie dagewesenes Ereignis: Die Siegerehrung fand weit vor dem angegebenen Zeitpunkt statt! Ich hörte irgendwo in den Weiten des Zielbereiches mehrfach meinen Namen durch die Lautsprecher hallen und realisierte nicht, dass ich gerade die Siegerehrung verpasste. Darauf war ich überhaupt noch nicht eingestellt. Ein kurzer Antritt – ach Moment ich war zu Fuß, also Sprint - und ich schaffte es gerade noch auf das Siegertreppchen. Das war super, denn es ersparte die lange Warterei und bescherte mehr Zeit zum Regenerieren und Abkühlen.



Nächste Woche steht ein weiteres Bergzeitfahren auf dem Rennkalender und ich freue mich einfach auf eine gute Zeit auf dem Rad!
 
Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

 
Zitate des Tages:

“Wenn wir hier weiter radeln, sind wir gleich an der Mündung in die Nordsee.”

                               „Also wir fahren gerade gegen den Strom.“

                                               „Achso stimmt ja.“

„Du hast einen Hitzschlag.“

 

 

 
„Das sind die Ozonwerte, wette ich. Viel zu hoch!“

Montag, 19. August 2019

Wenn die Berge rufen, musst du folgen!



Und sie haben sehr laut gerufen. Die letzten beiden Wochen habe ich – ich kann es mittlerweile als meine zweite Heimat bezeichnen – am Wilden Kaiser in Tirol verbracht. Wem diese wunderschöne Fleckchen Erde kein Begriff ist: Hier wird eine sehr bekannte, wenn nicht sogar die bekannteste, TV-Arzt-Serie mit einem unschlagbar kompetenten Arzt namens Martin Gruber gedreht. Nicht, dass ich Hardcore-Fan wäre, aber die Drehorte der Sendung gehörten durchaus zu meiner täglichen Bestandsaufnahme. Da nämlich zufälligerweise während meines Aufenthaltes neue Folgen gedreht wurden. Und man will ja schließlich nichts verpassen. Doch ich muss dazu sagen, dass ich bereits in die Gegend gereist bin, bevor jemals irgendein Drehbuch geschrieben wurde und der Hype um den Bergdoktor ausgebrochen ist. Aber nun genug Anekdoten und Schleichwerbung für das ZDF.



Die Gegend um den Wilden Kaiser, eingebettet zwischen Kufstein und Kitzbühel hat nämlich noch viel mehr zu bieten: Alles, was das outdoorgeprägte Naturliebhaberherz höherschlagen lässt, gibt es hier komprimiert auf zwei Bergflanken. Eine zahme Seite zum Wandern und Biken und eine wilde Seite zum Klettern und Bergsteigen. Und all das habe ich in meinem Trainingslager(-Urlaub) genossen. Kraft in der Natur getankt, die Akkus aufgeladen, die Seele baumeln gelassen und den Kopf erfrischt. Etwas weniger Radfahren, dafür mehr Alternativsport. Die Rennsaison war für mich so weit weg, wie New York von Moskau. So eine Auszeit tat nach der bereits langen Saison mit vielen Rennen wirklich einmal gut. Umso motivierter und voller Energie kann ich nun den finalen Teil der Saison in Angriff nehmen. Insgesamt betrachtet kam mir die Zeitspanne meiner Abwesenheit vor wie mehrere Jahre. Ich fühlte mich nach der Ankunft zu Hause gestern fast fremd. Das scheint dann wohl ein Zeichen guter Erholung zu sein.

 
Was in diesem Jahr dank meiner ausgeklügelten Planung unfassbar gut passte, war, dass das Internationale Bergzeitfahren auf den Hahnenkamm in die Zeit meines Aufenthaltes fiel.

 
 
Ein schöner Zufall. Ein Sahnehäubchen als Abschluss des Trainingslagers sozusagen. Das Rennen fand letzten Donnerstag statt – ein Feiertag in Österreich. Davon haben sie hier ja jede Menge, die Glücklichen. Die Daten des Bergzeitfahrens, was seinen Namen damit mehr als verdient hat – haben mich als Bergfahrer natürlich sofort in ihren Bann gezogen: 9 Kilometer und 900 Höhenmeter! Was für andere nach reinster Qual klingt, ist für mich ein echtes Fest. Denn nirgendwo sonst kann ich mein Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis so gut nutzen. Da es sich bei dem Event auch um die Tiroler Landesmeisterschaften im Bergzeitfahren handelte, war das Starterfeld mehr als gut besetzt. Viele Spezialisten mit extrem leichten Rädern (ich habe noch nie so viele Starrgabeln gesehen) zierten den Startblock in der Kitzbühler Innenstadt.

Meine Beine fühlten sich am Renntag so frisch an, wie sie nach zwei Wochen Trainingslager eben sein können – also eher mäßig. Doch das war bereits abzusehen und wurde in meinen Planungen einkalkuliert. Die Motivation und Aufregung waren dagegen umso größer. Denn ich bin zwar schon bei einigen Bergzeitfahren gestartet, aber noch bei keinem dieser Größenordnung. Der Start vollzog sich mit einer kleinen Einführungsrunde mitten in der Fußgängerzone – eine einmalige Atmosphäre. Nach der neutralisierten Startphase ging es dann am Fuße des berühmten Hahnenkammes auf vielen steilen Serpentinen hinauf zum Gipfel. Im Nachhinein betrachtet war mein Start wieder zu aggressiv – trotz der Tatsache, dass wir meine Fahrtzeit vorher ausgerechnet hatten und ich wusste aufs Watt genau, was auf mich zukommt. J  Pacing ist alles – man kann es MIR nicht oft genug sagen und ich sollte es dann auch mal beherzigen. Lange Zeit fuhr ich an der Spitze des Damenfeldes. Irgendwann wurde ich dann von zwei Fahrerinnen attackiert. Warum ich dann nicht dran blieb, kann ich nun im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren. Die beiden Fahrerinnen waren zwar nur wenige Meter vor mir, aber es gelang mir nicht die Lücke zuzufahren. Eventuell gedachte ich auch, dies später kurz vor dem Ziel noch schaffen zu können. Aber wie soll man bei über 10 Prozent Dauersteigung noch einen Antritt fahren?! :D Auf jeden Fall können sich 9 Kilometer Ewigkeiten ziehen. Die Höhenmeter schossen auf dem Garmin in die Höhe, während die Kilometer nur so dahin krochen. Ich freute mich über jede Kilometerangabe am Wegesrand. Noch drei Kehren und dann sah man von weitem schon den Zielbogen. Wenn ich den Gesamtsieg noch holen wollte, war es nun allerhöchste Zeit für eine Attacke. Doch dazu war ich nach 45 Minuten Vollgas nicht mehr fähig. Mit meiner Zeit von 47 Minuten war ich mit rund 25 Sekunden Rückstand Gesamtdritte und siegte in der Eliteklasse. Wäre ich aus Tirol, wäre ich damit Landesmeisterin geworden. ;-) Zunächst war ich etwas enttäuscht über mein schlechtes Pacing, als ich dann aber die Sieger-Kitz-Kitzbühel-Trophäe in den Händen hielt, überwogen doch die Glückgefühle über mein Abschneiden bei einem so großen Rennen.

 
 
 
 
 
 
Ein Bergzeitfahren bietet natürlich keine einzige Sekunde Erholungsphase und ist somit ohnehin erst rückwirkend betrachtet schön. Nämlich dann, wenn man realisiert, was man geschafft hat!
Nach meiner zweiwöchigen wunderschönen Auszeit versuche ich nun mich wieder im „normalen“ Leben zurechtzufinden. Ihr findet mich am Sonntag an der Startlinie des Sebamed Bike Days in Bad Salzig. Darauf freue ich mich schon – ein tolles Event!  https://www.sebamed-bike-day.de/

Bis dahin: Keep on riding,


Vanessa

Zitate:

“Puh 9 km mit 900 Höhenmeter, das sind ja dann im Schnitt 10 Prozent Steigung!”

                        „Ach nee, wie hast du das denn so schnell ausgerechnet?!“

„Das war doch nicht gleichmäßig!!“

                        „Klaro guck doch hin.“

„Ich kann das mit dem Pacing immer noch nicht so richtig glauben.“

 
 
 
 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Montag, 29. Juli 2019

12 Stunden EM am Ammersee: Wir sind Europameister!

Um das Sommerloch sinnvoll zu füllen, komme ich von Jahr zu Jahr auf verrücktere Ideen. Als ich vor rund vier Wochen das Internet nach potentiellen Rennterminen durchforstete, weckte eine Veranstaltung mein besonderes Interesse. Oder viel mehr – ich brannte bereits mit Lesen der Ausschreibung dafür: 12 Stunden Europameisterschaft in Dießen am Ammersee. Es gibt ja diese Dinge, über die man zwar vorgaukelt noch einmal nachdenken zu wollen, sich innerlich aber schon längst entschieden hat. Die vielen  positiven Erinnerungen an das letztjährige 12 Stundenrennen in Külsheim stimmten mich positiv in der Annahme, dass wir nun auch bereit für eine Europameisterschaft sind. Apropos WIR – mein Plan war natürlich ein Start im 2er-Mixed-Team, gemeinsam mit meinem Lieblingsmenschen. Bietet sich ja schließlich mehr als an. Und genau diesen musste ich zunächst in meinen gefassten Plan einweihen und dann ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. Ich hatte ihn aber schnell mit im Boot, denn mir kann man nur schwer einen Wunsch abschlagen – und zack brannten wir beide für das Event!

Ein solches Ereignis bedarf einer gründlichen vorherigen Planung: Verpflegung, Material, Ausstattung, Renneinteilung und so weiter. Letztlich sah es am Abreisetag eher so aus, als wollten wir zu einer mehrwöchigen Expedition aufbrechen, statt zu einem Rennwochenende am Ammersee. Um in der Ferienzeit Engpässe und Staugefahren auf der Autobahn zu vermeiden, nutzen wir die frühen Morgenstunden des Rennvortages für unsere Anreise. Bei prallem Sonnenschein und über 40 Grad im Schatten erreichten wir relativ zügig unser Ziel mitten im platten bayrischen Land. Wir gehörten zu den ersten Teams, die das Renngelände bezogen. Somit konnten wir uns den einzigen Schattenplatz des gesamten Areals unter einem großen Baum sichern und dort unser Fahrerlager aufschlagen. Der Standort war eine echte Oase: Direkt an der Wechselzone gelegen, Schatten den ganzen Tag, ein Bachlauf mit eiskaltem Wasser vor unseren Füßen und der Toilettenwagen in direkter Nachbarschaft. Da hat der frühe Vogel einen wirklich fetten Wurm gefangen!

Eine kurze Vorbelastung nutzen wir dazu, den Körper zu aktiveren und uns die Strecke anzusehen: 7,5 Kilometer, rund 140 Höhenmeter, holprige Wiesestücke, zwei knackige Schotteranstiege, ein toller Trail im Wald, ein fieses Drückerstück auf Teer und eine flowige Wiesenabfahrt. Für 12 Stunden im Sattel ein strammer Kurs. Eher nicht bergfahreraffin, aber da musste ich nun durch. Der Tag klang entspannt und erfrischend am Ufer des Ammersees aus.


Nach einer  - der Aufregung und Steckmückenarmada geschuldeten – unruhigen Nacht, hieß es am Samstag dann endlich RACEDAY! Und zwar ein sehr langer. In 12 Rennstunden kann man wirklich alle Höhen und Tiefen einmal durchfahren. So ein Rennen ist nicht nur Formsache, sondern vor allem auch Kopfsache.

Stunde 1
Meinem Lieblingsmenschen gehört die erste Runde, damit er sich eine gute Ausgangsposition erarbeiten kann. Ich warte aufgeregt in der Wechselzone und freue mich auf meine erste Runde des Tages. Diese bringe ich schnell hinter mich (die schnellste Frauenrunde des Tages, wie ich später erfahren werde) mit eigentlich viel zu viel Watt für einen so langen Tag.

Stunde 2
Auch die nächsten beiden Runde gehe ich sehr schnell an. Ich kann mich einfach nicht zurückhalten, auch wenn ich die vielen Stunden, die noch vor mir liegen, vor meinem inneren Auge habe. Aber Pacing ist eben nicht so meins. Doch ich fühle mich gut und überhole permanent andere Fahrer. Die Strecke macht wirklich mehr Spaß, als ich nach meinem ersten Eindruck erwartet hatte.

Stunde 3
Ich erfahre von den Betreuern im Nachbarzelt, dass wir bei den Mixed-Teams mit einer Runde Vorsprung in Führung liegen. Selber hatte ich mich noch nicht getraut, auf die Ergebnislisten zu schauen, weil es mich vielleicht verunsichert hätte.

Stunde 4
Puh, noch acht Stunden. Das ist eine ewig lange Zeit. Ich werde laufend über den aktuellen Zwischenstand informiert. Die gute Nachricht: Unser Vorsprung wächst weiter. Wir behalten unsere Taktik bei, nach jeder Runde zu wechseln. Das heißt somit: 17-18 Minuten Vollgas geben und die gleiche Zeit als Erholung zu haben.

Stunde 5
Im Hinblick auf die unfassbar hohe Zahl an verbrannten Kalorien, die mir mein treuer Garmin anzeigt, verbringe ich meine Pausen damit, permanent zu Essen. Denn ein Hungerast wäre das letzte, was wir jetzt gebrauchen können. Der Körper benötigt ununterbrochen neue Energie.

Stunde 6:
Halbzeit! Ab jetzt wird rückwärts gerechnet, das ist mental gesehen extrem gut für den Kopf. Leider hat sich ein kräftiger Regenguss mit einem kurzen Gewitter über uns entladen. Nach zwei Nassen Schlammrunden bricht die Sonne aber wieder durch und die Strecke trocknet recht schnell ab. Glück gehabt.

Stunde 7
Schnell in trockene Rennkleidung geschlüpft und weiter geht es. Noch immer fahre ich die Runden sehr flüssig, konstant und mit ordentlichem Druck. Ich horche in mich hinein und hoffe, dass kein Einbruch kommt. Immer wieder schaue ich auf meine Rundenleistungen und meine Leistungswerte. Realistisch gesehen, kann ich diese nie und nimmer noch weiter durchziehen, aber ich probiere es trotzdem!

Stunde 8
Der ständige Blick auf die Uhr und die Zeit scheint stillzustehen. Mittlerweile habe ich Probleme, meine Pausenzeiten auszurechnen, um wieder rechtzeitig in der Wechselzone zu stehen. Ich bin wie im Tunnel und blende alles weitere aus.

Stunde 9
Wir liegen nun mit 3 Runden Vorsprung in Führung. Zum ersten Mal blitzt der Gedanke auf, dass der Europameistertitel tatsächlich Realität werden kann. Ich kriege kurz Gänsehaut. Der Gedanke daran beflügelt mich noch einmal und ich ziehe mein Tempo weiter durch.

Stunde 10
Das „All-you-can-eat“-Ernährungskonzept scheint aufzugehen, mein Körper hat noch immer Energie. Essen, trinken, abkühlen mit frischen Bachwasser und fahren – ein ewiger Kreislauf.



Stunde 11
Wir haben 4 Runden Vorsprung, wenn jetzt kein Defekt oder Sturz mehr passiert, ist uns der Sieg sicher. Ich genieße die letzten Runden. Wir ruhen uns jedoch nicht auf dem Vorsprung aus, sondern geben weiter alles!

Stunde 12
Noch 1 Runde. Ich kann noch gar nicht glauben, dass es gleich geschafft ist. Ein letztes Mal über die fiese Wiese, den Anstieg hoch, über den Trail – auf dem ich nunmehr jede einzelne Wurzel kenne – über den Teer hinab in den Start-Ziel-Bereich. Ein letzter Fahrerwechsel. Ich bleibe im Zielbereich hocken und warte auf meinen Lieblingsmenschen. Und dann 20 Uhr. Ende. Wir haben gewonnen! Mit 40 Runden haben wir uns im 2er-Mixed-Team den Europameistertitel geholt. Zwölf harte Stunden liegen hinter uns. Ein Wimperschlag und Lichtjahre zu gleich. Ich bin einfach nur unfassbar glücklich und kann noch nicht realisieren, was heute passiert ist. Der Tag war ein kräftezehrendes, aber einzigartig schönes emotionales Großereignis. Ein harter Kampf gegen sich selbst, aber vor allem ein gemeinsamer Kampf. Alleine gewinnen ist schön, aber so etwas zusammen zu schaffen, ist unbeschreiblich! Danke Lieblingsmensch! Danke für alles.







Wie sagt man so schön: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus – aber sie ziehen auch welche nach sich. Nächste Woche reise ich zum Trainingslager nach Österreich, wo nach einer etwas ruhigeren und  erholsameren Woche dann das Bergzeitfahren in Kitzbühel auf dem Programm steht.
 

Ich freue mich und ihr hört von mir!
Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Wo kommt den aus den Oberschenkeln die ganze Kraft her?!”

„Puh ja für eine Frau bist du ganz schön schnell.“

„Ihr seid aber zu viert oder?“

                „Nee zweier Mixed!“

                                „Du großer Gott!"
 „Ich muss das mit den Fingern nachrechnen, mein Kopf ist leer.“

Montag, 15. Juli 2019

Erbeskopf-Marathon in Thalfang: Einmal Gipfel und zurück

Eine familiäre Atmosphäre, kurze Wege, ausreichend Parkplätze, die Aussicht auf ein saftiges Preisgeld, tolle Strecken mit langen Anstiegen und einem Flowtrail als Belohnung – klingt fast utopisch! Wo ich dieses Sahnestück gefunden habe? Beim Erbeskopf-Marathon in Thalfang. Ganz tief im schönen Hunsrück. Und der heimliche Star der Veranstaltung war der Namensgeber, der Erbeskopf. Um an dieser Stelle auch einen gewissen Bildungsauftrag zu erfüllen: Mit über 816 Metern über dem Meeresspiegel ist der Erbeskopf der höchste Berg in Rheinland-Pfalz und – nun haltet euch fest – die höchste Erhebung in Deutschland links des Rheins. Das erweckte unsere Neugier auf diesen Marathon, der bereits zum 18. Mal ausgerichtet wurde (spricht ganz klar für Qualität) und wir nahmen die weite Anreise ins unbekannte Gebiet in Kauf. Bedingt durch zahlreiche Umleitungen, Vollsperrungen und den Mangel an Autobahn-Infrastruktur sahen wir einmal mehr schöne Landstriche und Vegetationen, die uns sonst sicher verborgen geblieben wären. Und je länger man Deutschlands Straßennetz erkundet, desto klarer wird einem, warum der SUV-Markt so boomt: Die Straßen sind einfach zu schlecht und bedürfen eines offroad-tauglichen Gefährts.

Endlich in Thalfang angekommen, schafften wir es gerade noch so vor dem Start der Langstrecke die Straße zu räumen und unser Auto in eine wie immer perfekte Parklücke zu befördern. Denn da man aufgrund der Wetterlage beim Blick in den Himmel durchaus jederzeit mit Regen rechnen konnte, wählten wir sicherheitshalber eine überdachte Variante.



Auf dem Weg zur Anmeldung konnten wir dann bereits einen Teil der Strecke, der im Cross-Country-Stil verwinkelt durch den Kurpark führte, in Augenschein nehmen. Besonders freute ich mich heute auf das Höhenprofil, was zu 100 Prozent bergfahrer-freundlich war.


Pünktlich zum Start brachen auch ein paar Sonnenstrahlen durch die dicke Wolkendecke, die dem 12-Grad-Herbst-Ambiente kurz einen gewissen Glanz verliehen. Nach dem Startschuss wartete eine rund 6 Kilometer lange Einführungsrunde mit einem ersten knackigen Anstieg und ein paar schönen Trails auf die Fahrer. Ich erwischte einen guten Start und heftete mich an die Führungsgruppe der Männer. Das Tempo war noch nicht allzu aggressiv, so dass es sogar noch zu einem kurzen Austausch mit meinem Lieblingsmenschen kam. Er wird mich einfach nicht los, noch nicht mal mehr auf der Rennstrecke. ;-) Aus Angst im Kurparkteich baden zu gehen, reduzierte ich mein Tempo bei der verwinkelten Passage durch den Park. Nachdem wir den Start-Ziel-Bereich erneut passiert hatten, ging es hinein in den ersten längeren Anstieg. Es folgten ein paar schöne Trails bergab und schon fanden wir uns am Fuße des Erbeskopfs wieder. 7 Kilometer mit rund 450 Höhenmetern und einigen giftigen Rampen hinauf zum Gipfel. Eine richtige Perle für mich sozusagen. Deswegen setzte ich mich auch direkt an die Spitze meiner mich umgebenden Männergruppe und machte die Pace bis zum Ende. Dass wir dann plötzlich nur noch zu zweit waren, nahm ich erst oben wahr. Als Belohnung erwartete uns ein Flowtrail des Bikeparks den Skihang hinunter. Von der weiten Aussicht ins Tal fasziniert, fand ich im schottrigen Trail mit vielen Anliegern nicht so richtig in einen schnellen Rhythmus. Das allgegenwärtige Problem, dass ich bergab einfach immer noch zu viel Zeit liegen lasse. Aber ich arbeite daran. ;-)



Nach der Bezwingung des Erbeskopfs und den darauf folgenden Trailabfahrten, war bereits das Ziel in greifbarer Nähe. Tatsächlich war ich so unerwartet flott unterwegs, dass mein Verpflegungskonzept ab Stunde 1:30 überhaupt keine Anwendung mehr fand. Nach 1 Stunde und 28 Minuten hatte ich die 37 Kilometer mit 850 Höhenmetern absolviert und freute mich über den Gesamtsieg. Und noch mehr freute ich mich, dass nur 9 Männer schneller waren als ich. ;-) Ein weiteres „race to remember. Und merkt euch dieses Rennen für nächstes Jahr vor: Es ist wirklich eine der schönsten Strecken, die ich bisher gefahren bin. Die lange Anreise hat sich mehr als gelohnt.


Nächstes Wochenende ist für mich rennfrei und der Fokus liegt dann auf meinem Highlight in zwei Wochen: Der 12-Stunden-Europameisterschaft im 2er-Mixed-Team am Ammersee.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Also wenn du bergab bisschen schneller wärst, würdest du hier sicher um den gesamten Gesamtsieg mitfahren.“

„Puh ich dachte, da kommt Annika Langvad!“

„Was für ein gemütlicher Start. Fast wie eine Tour.“

 

 
 
 
 
 
 
 
 

Montag, 8. Juli 2019

Allersheim Marathon in Neuhaus: Mit Watt zum Erfolg?

Kennt ihr meinen persönlichen Erzfeind beim Mountainbiken? Ich gebe einen kleinen Tipp: „Es ist ein Fachbegriff der Geowissenschaft für natürliche, überwiegend geröllführende Lockersedimente“ (Quelle: Wikipedia) Na, was mag das wohl sein? Richtig: Schotter! Das lose Geröll und ich werden in diesem Leben einfach keine Freunde mehr. Denn besagter Schotter sorgte in der letzten Woche für einen kleinen Zwischenfall im Training mit schmerzhaften Abschürfungen und Prellungen an Armen und Beinen. Der geplante Start beim Marathon in Neuhaus im Solling stand somit kurz in Frage. Doch die Selbstheilungskräfte meines Körpers scheinen enorm zu sein, denn bis zum Renntag war der Heilungsprozess bereits so gut wie abgeschlossen.

 
Also konnten wir voller Vorfreude auf das Rennen, die gut 2,5-stündige Überlandfahrt ins tiefste Weserbergland in Angriff nehmen. Auch heute galt wie so oft die Devise „Luftlinie ist die Entfernung gar nicht so fern, aber die kurvigen Landsträßchen machen die Fahrt zu einer kleinen Weltreise.“ Gut, so lernt man immer wieder schöne Landstriche und entlegene Ecken kennen.


In Neuhaus angekommen, schafften wir es mit unserer Parkplatztaktik wieder bis an den Startbogen vorzudringen. Mich überraschte der plötzliche Temperatursturz auf 12 Grad mit eisiger Polarluft und ich musste mich seit ewiger Zeit mal wieder in eine Jacke hüllen. Ähm Sommer, was ist da bei dir los? Beim Warmfahren erreichte der Körper dann natürlich schnell seine Betriebstemperatur und ich freute mich auf die 50 Rennkilometer mit 1200 Höhenmetern, die laut Höhenprofil über viele endlos lange Anstiege gesammelt werden sollten.
Am Start wartete eine wirklich schöne Geste des Veranstalters: Die Lizenzfahrer wurde alle aufgerufen und hatten einen eigenen Startblock. Das war angenehm. Daran sollten sich die anderen Ausrichter ein Beispiel nehmen. Denn diesen kleinen Vorteil sollten Lizenzfahrer immer erhalten. Der guten Ausgangsposition sei Dank war ich mitten in der Führungsgruppe der Männer, als es direkt nach dem Startschuss in die erste steile und lange Schotterrampe ging. Das Anfangstempo der Gruppe war extrem schnell und aggressiv. Ich sah meine Wattwerte und dachte mir, dass es wohl nicht besonders sinnig ist, bei einem 50 Kilometerrennen seine besten 5, 10, 20 und 30 Minuten zu fahren. Aber was soll es, Pacing wird überbewertet. ;-) Das spart dann auch den ein oder anderen Critical Power Test im Training. Ich hatte in der vergangenen Woche zwar erst einen Leistungstest absolviert und eine neue Schwelle festgelegt, doch im Rennen kann ich immer noch ein paar Watt mehr auf das Pedal bringen. Wir wollen ja auch schließlich nicht zum Trainingsweltmeister werden.

Den schnellen Rennstart hatte mein Körper relativ schnell verkraftet und ich fand an den langen Anstiegen (teilweise über 20 Minuten am Stück – das gibt es selten bei Rennen) in einen flüssigen Rhythmus. Einzig in den ruppigen Abfahrten hatte ich Probleme mit den Sturzverletzungen, weil die schmerzhaften Abschürfungen meine volle Performance sehr bremsten. Da musste ich die Zähne ordentlich zusammenbeißen.
Das Höhenprofil des Marathons war wie für mich gemacht. Die langen Anstiege bereiteten mir viel Freude und ich konnte mein Watt-zu-Kilogramm-Verhältnis optimal nutzen. Meine Position im Feld behauptete ich und löste mich am ersten langen Anstieg von einer Männergruppe. Ich fand noch einen Mitstreiter, mit dem ich bis ins Ziel zusammenblieb. Wir wechselten uns am Berg und in den Abfahrten ein wenig ab und es machte viel Spaß. Die Ziellinie erreichte ich nach 2 Stunden und 1 Minute als Gesamtsiegerin. Nur 11 Männer waren schneller, der Sieger hatte 7 Minuten Vorsprung. Die nächste Dame folgte 23 Minuten nach mir, ich hatte doch einiges an Vorsprung herausfahren können. Ich war mehr als glücklich über dieses „race to remember“, erstaunt über meine Wattwerte (=neue Leistungsschwelle, neues Glück) und gesättigt mit Endorphinen. Ein Traumtag.



Nächste Woche geht die Reise zum Erbeskopf Marathon nach Thalfang. Ich freue mich schon.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa
 
Zitate des Tages:

„Ich bin voll mit Koffeingels, das hält mich sicher 10 Tage wach.“

„Pacing? Na so lange es keinen Einbruch gibt.“

„Wir werden die Frau nicht los.“

 
 
 
 

Montag, 24. Juni 2019

Marathon Rhens: Von Parkplatzwahl, Wasserbüffeln und wohlgesonnenem Wetter

Nach vier Wochen Rennabstinenz war es höchste Zeit, wieder aktiv in das Wettkampfgeschehen einzugreifen. Die rennfreie Zeit nutzte ich für intensive Trainingsblöcke, Fahrtechniktraining und Regeneration getreu dem Motto „Die Stärken stärken und die Schwächen gleich mit.“

Nach fast einem Monat ohne Startnummer am Lenker, fühlte es sich sodann fast an, als ob ich das erste Rennen meines Lebens bestreite. Entsprechend leicht aufgeregt und voller Vorfreude (ich liebe diesen emotionalen Cocktail) machten wir uns auf den Weg nach Rhens am schönen Rhein zum 20. Canyon Marathon. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Der Name war Programm – meine Strecke war auf den Meter genau 42 Kilometer lang und bot dabei rund 1250 Höhenmeter.
Bevor ich mich dem Kern der Sache nähere, natürlich wie immer an dieser Stelle noch ein kurzer Schwenk zum Problempunkt aller bisherigen Wettkämpfe im Jahr 2019: Dem Wetter! Dieses zeigte sich nun erstaunlich unproblematisch mit ausreichend Sonne vom azurblauen Himmel. Gut, es war eventuell schon ein kleines bisschen zu warm – aber wir wollen es ja nicht in den Krümeln suchen. Kurzum passte es einwandfrei.

Parkplatztechnisch zogen wir einmal mehr ein besonderes Ass aus dem Ärmel. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass 75 Prozent der Autofahrer stets den erstbesten freien Parkplatz wählen. Wir fuhren sodann bis fast zum Startbogen durch und ergatterten einen freien Schattenparkplatz in bester Lage. Vergesst diesen Trick bitte schnell wieder, denn sonst ist bald vorne nichts mehr frei für uns. ;)
Der Startschuss fiel in der Rhenser Innenstadt (ist Rhens überhaupt eine Stadt?!) inmitten alter Fachwerkhäuser, deren Gebälk vermutlich schon viel miterlebt und gesehen hat. Der Start war eng, sodass ich mich extra früh einfand und  die erste Reihe eröffnete. Der zuständige BDR-Kommissär ahndete alle „Sich-später-noch-von-vorne-Ansteller“ und mit einer weiteren Dame durfte ich sogar noch ein paar Meter vorrücken und führte das rund 270-Fahrer-starke Feld die ersten Meter an. Ich hielt mich erstaunlich lange inmitten der aus etwa 12 Männern bestehenden Führungsgruppe. Wir setzten uns sofort vom restlichen Feld ab und rissen eine große Lücke, obwohl mir das Anfangstempo eher gemütlich vorkam. Es ging direkt 12 Kilometer bergauf, was mir als Bergfahrerin natürlich entgegen kam. Meine missliche Lage offenbart sich dann immer in den Abfahrten, in denen mir die Männer wegfahren und ich die Lücke dann am nächsten Anstieg wieder zufahren muss. Da ich die Trails aber lieber kontrolliert und mit Sicht fahre, nehme ich diesen Umstand aber in Kauf.

Im weiteren Rennverlauf tat sich platzierungstechnisch nicht mehr viel. Die Männergruppe war noch in Sichtweite – mal mehr, mal weniger – und von hinten kam keiner mehr nach. Ich trat mein Tempo konstant durch und freute mich über die Werte, die der Wattmesser an meinen Garmin sendete. Als uns ein flowiger Trail aus dem Wald ausspuckte und den Blick auf den weitläufigen, glitzernden Rhein frei gab, musste ich kurz innehalten. Im Training wäre das ein Foto wert gewesen. Nun speichere ich es im Kopf zu den unzähligen weiteren „epischen Momenten“ im Archiv ab. Es ist schon ein großes Geschenk, so tolle Momente erleben zu dürfen und dabei das zu tun, was man liebt.
Nach einer steilen Serpentinenauffahrt, die mir sehr viel Spaß machte, kam das Ziel immer näher. Ein zu langer neugieriger Blick auf die riesigen Wasserbüffel am Streckenrand, ließ mich unmittelbar gegen Ende noch in einen knietiefe Schlammpfütze – es war eher ein See – fahren und ich erweckte nun mehr den Anschein eines extremen Schlammrennens. Aber was ist schon ein Mountainbikerennen ohne Schlamm und Matsch? ;)

Die Ziellinie überquerte ich als Gesamtsiegerin mit knapp 2 Stunden Fahrtzeit mit 20 Minuten Vorsprung auf die nächste Frau. Nur 14 Männer waren heute schneller als ich. Glücklich über ein tolles Rennen, was ich sehr genossen habe, freute ich mich, dass das intensive Training auf den Punkt aufging.


Normalerweise wartet man in der Regel gefühlte Ewigkeiten auf die Siegerehrung. Doch in Rhens hatte ich kaum den Sponser-Recovery-Shake ausgeschlürft und wurde schon aufgerufen. Dies führte zwar dazu, dass noch nicht alle Damen anwesend waren, kam mir aber zeitplanmäßig sehr entgegen. Daran sollten sich andere Veranstalter ein Beispiel nehmen. Insgesamt war der Marathon super organisiert, die Strecke war toll. Die Atmosphäre inmitten von Rhens war einmalig. Ein empfehlenswerter Wettkampf, was die Starterzahl von mehr als 800 Fahrern auch wiederspiegelt. Ich komme nächstes Jahr wieder!



Für mich geht es am nächsten Wochenende weiter zum Marathon am Rursee.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Bist du ein Schlammrennen gefahren als Einzige heute?”

„Da war ein Schlammloch, so tief, dass sogar schon Wasserbüffel im Einsatz waren.“

„Nimm als Probelauf für die DM einfach jede Viertelstunde ein Gel.“

            „Bist du narrisch, dann kann ich ja wegen dem Koffein 5 Tage nicht schlafen.“

„Was macht die Frau denn hier in der Führungsgruppe?!“