We are specialized!

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Montag, 18. Juni 2018

Bilstein-Marathon in Großalmerode: UFOs, Schotterpisten und doppelte Freude!

Zwei Wochen nach dem Gewinn der Hessischen Meisterschaft freute ich mich darauf, wieder mit Rennfieber an der Startlinie zu stehen. Wir reisten dazu nach Großalmerode zum Bilstein-Marathon – eine Premiere. Die große Unbekannte war somit eine fremde Strecke, von der wir einzig und allein das Höhenprofil studiert hatten. Und das hatte es in sich: Viele lange und zähe Anstiege – also genau das richtige für mich!


Die Anfahrt war doch etwas weiter als angenommen, sodass ich mein Frühstück kurzerhand im Auto einnahm. Denn ansonsten wäre es bis zum Start vermutlich schon komplett verdaut gewesen und hätte keinerlei Energie mehr bereitgestellt. Im Anbetracht der Umgebung registrierten wir sofort, dass der Kaufunger Wald sehr viele Berge bereit hielt und die Summe der Höhenmeter der heutigen Rennstrecke sofort einleuchtete.

Wenn gleich der Start bereits auf einem sehr hohen Niveau von Metern über dem Meeresspiegel erfolgte, ging es direkt nach dem Startschuss und einer Einführungsrunde über die staubige Aschebahn des Fußballplatzes in den ersten Anstieg. Das Feld war groß und ich sortierte mich direkt in der Spitzengruppe ein, sodass ich im ersten Anstieg eine gute Position behaupten konnte. Ich wollte im Anbetracht der im Startblock erblickten Damenkonkurrenz so viel Vorsprung wie möglich rausfahren. Die erste Abfahrt war lang und flowig. Der nächste Anstieg lang und steil. Nach zwei weiteren Trailabfahrten folgte dann hauptsächlich Schotter. Viel frischer, grober und blöder Schotter (Schotter löst bei mir nach meinem Schulterbruch sofort die Assoziation von Gefahr aus, sodass ich ihn überhaupt nicht mag). Es trug sich zu, dass ich in jeder Kurve die Geschwindigkeit fast zum Stillstand brachte, aus Angst wegzurutschen. Ich habe oft das Gefühl im Schotter unterzugehen und mein Rad nicht mehr steuern zu können. Daran muss ich definitiv arbeiten, denn da lasse ich viel Zeit liegen.
Im längsten Anstieg spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz im Oberarm und sah dort ein unbekanntes Flugobjekt sitzen – schnell schlug ich es weg. Doch zu spät, es hatte bereits zugestochen. Ich weiß nicht, was für ein Insekt es war. Jedenfalls keines im schwarz-gelben Dress. Auf jeden Fall tat es höllisch weh und mein Arm war wie betäubt und krampfte. So etwas habe ich noch nie erlebt. Im Geiste sah ich meinen Arm bereits ins Unermessliche anschwellen und bekam kurz Panik, dass das Gift eine allergische Reaktion hervorrufen könnte. Ich horchte sodann in meinen Körper und versuchte irgendwelche Reaktionen zu erkennen. Doch glücklicherweise schwoll bis dato weder der Arm an, noch fühlte ich Anzeichen eines Schocks. Das einzige war ein stechender Schmerz im gesamten Arm, den ich fortan zu ignorieren versuchte.

Es ging noch einmal lange bergauf und auf Schotter einige Tiefenmeter ins Tal. Da sich der Start- und Zielbereich wie bereits erwähnt jedoch hoch oben befand, folgte kurz vorm Schluss noch einmal ein steiler – fast senkrechter – Anstieg. Doch dann nach einer weiteren Ehrenrunde auf dem Sportplatz kam der Zielbogen in Sichtweite. Ich hatte es geschafft! Und überquerte als Gesamtsiegerin mit 8 Minuten Vorsprung die Ziellinie nach 35 Kilometern, 900 Höhenmetern und 1:34 Stunden Fahrtzeit. Und das schönste: Mein Lieblingsmensch hatte ebenfalls gewonnen. Geteilte Freude ist doppelte Freude!



Trotz der schmerzhaften Insektenattacke und dem vielen Schotter ein tolles Rennen mit Formbestätigung und viel Spaß.

Nächstes Wochenende steht ein harter und langer Trainingsblock im Plan und dann werde ich den Marathon in Schotten fahren.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Warum bist du heute nicht in Kirchzarten? Letzte wärst du sicher nicht geworden.“

„Den Schotter haben die sicher gestern erst auf die Wege gekippt.“

„Komplett sauber – bis zur Bachbettdurchfahrt.“

„Das haben wir wirklich gut gemacht.“

 
  

Montag, 4. Juni 2018

Hessenmeisterschaft Marathon in Kirchhain: Wenn Träume wahr werden!

Die Hessenmeisterschaft im Marathon und ich – wir sind in den letzten Jahren leider irgendwie nicht zusammen gekommen. Meine guten Vorbereitungen und das große Ziel des Landesmeistertitels wurden konsequent durch schwere Verletzungen zunichte gemacht.

Doch in diesem Jahr sollte ich es tatsächlich fit und ohne Blessuren an die Startlinie schaffen. Endlich! Und noch besser an der ganzen Geschichte war die Tatsache, dass die Meisterschaft direkt in der Nähe ausgetragen wurde und ich somit die Strecke bereits kannte.
Die Periodisierung meines Trainings richtete sich seit Jahresbeginn bereits konsequent auf dieses Event – mein persönlicher Saisonhöhepunkt. Die Vorbereitung ging auf den Punkt auf und so war ich zumindest trainingstechnisch perfekt gerüstet. Mental war ich im Vorfeld jedoch  nervös und aufgeregt wie schon lange nicht mehr vor einem Wettkampf. Im Grunde verursacht jedes Rennen bei mir eine gewisse Aufregung und Vorfreude – vor der Hessischen Meisterschaft war es nun etwas extremer. Wenn alle Wettkämpfe eine Prüfung sind, ist die Landesmeisterschaft das Abitur. Aber das Schöne am Sport ist ja, dass die Aufregung nie nachlässt, egal wie viele Rennen man bereits in den Beinen hat. Denn ohne eine gewisse Anspannung kann man auch keine guten Wettkämpfe fahren.




Da sowohl mein Lieblingsmensch als auch ich an der Startlinie für die Hessenmeisterschaft standen, gab es auch im Vorfeld zu Hause kaum ein anderes Thema. So wurden fleißig Taktiken besprochen und Verpflegungen überlegt. Denn an der Vorbereitung sollte es schließlich nicht scheitern. Theoretisch war ich somit für alle Situationen gerüstet.


Der Rennmorgen begann entspannt: Der kurzen Anreise geschuldet, hatten wir keine Eile und konnten uns in aller Ruhe vorbereiten. Mich beruhigt die Routine vor einem Rennen immer, jedoch bin sehr froh, wenn der Startschuss endlich gefallen ist.



Denn dann gibt es nur noch mich, mein Rad und das Ziel, so schnell wie möglich über die Strecke zu fliegen. Es waren heute 42 Kilometer und 1040 Höhenmeter zu bewältigen. Die Strecke war ein Rundkurs, den wir zwei Mal durchfuhren. Das Starterfeld war groß, zog sich jedoch schnell auseinander. Nach einer knackigen Wiesenauffahrt ging es kurz bergab und dann direkt in einen langen Anstieg. Mein Start war eher mäßig, ich hatte Probleme in meinen Rhythmus zu finden und meine Beine zeigten sich irgendwie unwillig. Ich hoffte inständig, dass sich dieses Gefühl gleich ändern würde. Zum Glück ging es im Anstieg dann schon besser, die Beine erwachten aus ihrem Stand-By-Modus und ich versuchte an einer schnellen Männergruppe zu bleiben. Die Strecke war trocken, schnell und schön. Es ging nie gerade aus, sondern stets flowig bergab oder lange bergauf. Genau das richtige für mich. Vor allem in den Anstiegen konnte ich Tempo machen. Ab und zu rief ich mir in Anlehnung an die Wattzahlen auf meinem Garmin in Erinnerung, dass ich ja heute etwas länger im Sattel sitzen würde – aber egal, es wird schon werden, Pacing wird überbewertet. Die erste Runde hatte ich bereits nach 52 Minuten beendet und lag in Führung. Nun alles noch einmal von vorne – eigentlich bin ich kein Fan von Rundstrecken. Ich fuhr das Tempo der ersten Runde einfach weiter und hoffte, dass ich es durchhalten konnte. Die Kilometer flogen nur so dahin und ich genoss das Rennen richtig. Letzte Abfahrt, letzter Wiesenanstieg und schon kam das Ziel in Sichtweite. Die zweite Runde beendete ich nach 53 Minuten und war einfach nur unfassbar glücklich, als ich die Ziellinie als Gesamtsiegerin mit 12 Minuten Vorsprung und somit als neue Hessenmeisterin überquerte.

Endlich ist mein lang gehegter Traum des Landesmeistertitels in Erfüllung gegangen. Es ist ein wunderschönes und erfüllendes Gefühl, wenn sich das Training auszahlt.

Der größte Dank geht an meinen Lieblingsmenschen und Trainer!


Ohne dich und deine Unterstützung wäre der Radsport auf diesem Niveau nicht möglich. Was du für mich leistest, ist unbezahlbar. Einen großen Dank auch an meine Mama, die unsere Verpflegung perfekt übernommen hat.



Da eine Saison natürlich mehrere Highlights verträgt, suche ich mir nun ein neues Ziel und freue mich sehr auf die nächsten Wettkämpfe.




Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Ich bin jetzt voll-gecarbt.”

„Es gibt nur ein Gas, Vollgas!“

„Hätte ich die Runde 4 Mal fahren müssen, wäre das mein Ende gewesen.“

„Hessenmeister dürfen das.“














Dienstag, 22. Mai 2018

Großer Pfingstpreis von Dautphe: Erneuter Ausflug auf die Straße

Zwei Rennen an einem Wochenende? Dies hatte ich bisher immer vermieden, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass ich zwei Tage hintereinander gute Leistungen abliefern kann. Denn „Trainingsrennen“ an sich gibt es bei mir nicht. Als Perfektionistin möchte ich stets top vorbereitet und im Stande sein, meine Bestleitung abzurufen. Somit wagte ich am Pfingstwochenende also ein Experiment: Am Sonntag startete ich bei einem Mountainbike-Marathon (mit gutem Ausgang, Bericht ist ebenfalls online) und am Montag bei einem Straßenrennen. Der Start beim Straßenrennen war vorwiegend dem Umstand geschuldet, dass es direkt vor der Haustür stattfand und ich mir so ein Rennen vor heimischen Publikum eigentlich nicht entgehen lassen wollte.

Wenn gleich ich im Vorfeld betonte, dass ich die Entscheidung für einen Start erst nach dem Marathon treffe („Mal sehen, ob ich noch frisch genug bin“), hatte ich mich tief im Innersten natürlich schon lange dafür entschieden. Denn Perfektionisten neigen ja bekanntlich nicht zu Spontanität. J

Das Rennen fand inmitten eines Ortes auf einem rund 1,2 Kilometerlangen Rundkurs mit einem giftigen Anstieg statt, den es 25 Mal zu durchfahren galt. Ich konnte den Ort des Geschehens bequem per Rad erreichen, was logistisch gesehen optimal ist und die lästige Packerei des Autos erspart. Den Nachteil an Straßenrennen sehe ich ganz klar an der Rückennummer, bei der durch die Befestigung mit Sicherheitsnadeln unschöne Löcher in der wertvollen Rennmontur entstehen. Ein Geistesblitz sorgte vor kurzer Zeit allerdings für eine alternative Befestigungsmethode, die wir mittlerweile anwenden. Vielleicht lasse ich es mir patentieren? So behalte ich es lieber noch einmal für mich. J


Das Feld des Eliterennens der Frauen und der Junioren, die gemeinsam auf die Strecke gingen, war leider sehr überschaubar. Nur zwei weitere Frauen und zwei Junioren fanden sich an der Startlinie ein. Die erste Runde war bereits sehr schnell und am Anstieg wurde die erste Attacke gefahren. Doch daraufhin pendelte sich das Rennen schnell ein und das kleine Feld blieb nicht lange zusammen. Nach ein paar Runden konnte ich mich mit den beiden Junioren von den Damen absetzen und den Vorsprung ausbauen. Einer der Junioren fuhr schließlich weg und mit dem anderen arbeite ich daraufhin zusammen. Ich übernahm stets am Berg die Führung, er in der Ebene. Das Rennen lief für mich sehr gleichmäßig und ich war selbst verwundert, wie viel die Beine noch hergaben. Das Tempo hielten wir recht hoch, sodass ich die anderen Damen sogar zwei Mal überrundete.

Die Runden flogen schnell dahin und als die Glocke zur letzten Runde läutete, war ich fast erstaunt, dass es schon wieder vorbei ist. Es war zwar schade, dass das Feld so klein war, dennoch war es ein schönes Rennen für mich und ein super Training.



Nun geht es in die finale Vorbereitung für mein Saisonhighlight in zwei Wochen: Der hessischen Meisterschaft im Marathon in Kirchhain.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:
"Wenn es läuft, dann läuft´s!”
„Enge Kurven sind mir ja nichts, aber der Berg war super.“
„Wie auf Schienen.“

 

 

 

Schinderhannes Marathon in Emmelshausen: Aller guten Dinge sind drei!

Nach zwei rennfreien (aber dafür umso trainingsintensiveren) Wochenenden war es nun allerhöchste Zeit mal wieder ins Renngeschehen einzugreifen. Die Auswahl an Events war am langen Pfingstwochenende so groß, dass eine Entscheidung wo, wann und was gefahren werden soll, nicht allzu leicht fiel. Ich wollte aber die Tradition der letzten Jahre fortsetzen und zum dritten Mal beim Schinderhannes Marathon in Emmelshausen starten. Denn die schönen Strecken, die super Organisation und die Beliebtheit der Veranstaltung sprechen ganz klar für sich.

Beim Losfahren bekamen wir zunächst einen Schreck, weil die kalkulierte Ankunftszeit unseres Navigationsgerätes so gar nicht zur eingerechneten Zeitspanne passte. Wie kann das sein, haben wir uns so verplant? Mein Lieblingsmensch gab also Gas und siehe da, nach wenigen Kilometern entspannte sich die Lage dann bereits: Die errechnete Ankunftszeit verschob sich plötzlich um 30 Minuten zu unseren Gunsten. Da war dann wohl irgendwo ein Stau auf der Autobahn, der sich aufgelöst hatte. Ein Glück.
So kamen wir also rechtzeitig und entspannt in Emmelshausen an. Als versierte Insider kannten wir einen super zentralen Parkplatz direkt am Start und konnten uns somit in aller Ruhe vorbereiten. Die Erfahrung aus den Vorjahren lehrte uns, dass ein frühzeitiges Einfinden im Startblock sinnvoll ist, um eine gute Ausgangsposition für die schnelle Einführungsrunde zu erlangen. Das Feld war mit 140 Startern gut besetzt. Nach dem Startschuss ging es sofort mit einem hohen Tempo über den Asphalt los und nach einer scharfen Kurve, in der es sehr eng wurde, direkt in den ersten Anstieg. Ich versuchte einfach an der Führungsgruppe zu bleiben und dabei die folgenden Damen abzuschütteln. Die acht Kilometer lange Einführungsrunde verflog so schnell, dass ich mich wunderte, wie flott wir wieder den Start-Ziel-Bereich passierten. Ich nutze den Windschatten eines anderen Fahrers, als es auf einer Teerstraße leicht bergab ging. Später am Berg setzte ich mich dann ab und machte nach vorne noch einige Plätze gut. Es waren keine Konkurrentinnen von hinten in Sicht, scheinbar hatte ich bereits einen guten Vorsprung rausgefahren. In solchen Situationen packt mich dann der Ehrgeiz, mich im Männerfeld möglichst weite vorne zu platzieren. Am längeren Anstieg nach der Verpflegungszone trafen wir auf die Fahrer der anderen Streckenlängen, die es am Berg geschickt zu umfahren galt. Zum Glück teilte sich die Strecke dann und es war wieder mehr Platz.

Die Strecke flog nur so dahin – Wurzelpassagen, rasante Abfahrten und zum Schluss noch ein kurzer, steiler Anstieg und schon kam das Ziel in Sicht. Noch einmal die Wiese umrunden und schon war es geschafft. Als erste Frau mit einer Zeit von 1:04 Stunden, 6 Minuten Rückstand auf den Sieger, 10 Minuten Vorsprung auf die nächste Dame und der achte Platz im Gesamtfeld von 140 Startern.


Damit war ich mehr als zufrieden und freute mich, dass ich meine volle Leistung abrufen konnte. Für alle Zeitgenossen, die sich nun wieder fragen, warum ich nur die kurze Strecke fahre: Weil ich kurze Strecken liebe und es mag, eine Stunde Vollgas zu geben! Zudem steht morgen das nächste Rennen auf dem Plan. :)
Und nur so am Rande: Der Blick auf das Starterfeld zeigt deutlich, dass die kurzen Strecken mittlerweile nicht mehr als Strecken für Anfänger oder Einsteiger gelten.

So konnte ich mich bei der Siegerehrung über den dritten Sieg in Folge beim Schinderhannes Marathon freuen. Und ich komme nächstes Jahr wieder, auch wenn aller guten Dinge ja bekanntlich drei sind. J
 
 
Morgen geht es weiter mit dem zweiten Straßenrennen meines Lebens, ich bin gespannt, was die Beine noch so hergeben.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Läuft der Schiedsrichter bei so einem Spiel eigentlich einen Marathon?”

                        „Joa genau, vor allem in 90 Minuten.“

„Jetzt ruht die Beschaffung des Duschgel-Vorrates ganz alleine auf meinen Schultern.“

„Im Schatten zu kalt, in der Sonne zu warm.“

 

 

 

Montag, 30. April 2018

Bergzeitfahren MTB in Schotten: Wenn nur Watt pro Kilogramm zählt

Bedingt durch viele Trainingsstunden in der vergangenen Woche hat mein „Ich-werde-Reifenwechseln-lernen-Kursus“ unter Anleitung meines (Fach-)Mannes im hauseigenen Radkeller leider keinerlei Fortschritte gemacht. So trug es sich zu, dass ich am vergangenen Wochenende erneut ohne Fachwissen und Kenntnisse unvorbereitet wie eh und je in ein Rennen starten musste.

Im Rennkalender stand das Bergzeitfahren Mountainbike in Schotten auf den dortigen Hausberg „Hoherodskopf“. Dort bereits mein dritter Start in Folge - ein Rennen, was ich sehr mag. Und das Rennformat kommt mir sehr entgegen, da am Berg nur das reine Verhältnis von Watt zu Kilogramm zählt. Der Start war erst um 15 Uhr, was einen entspannten Start in den Tag ermöglichte. Jedoch finde ich persönlich einen Start am Nachmittag immer etwas unpraktisch, da man irgendwie andauernd nur darauf wartet bis es endlich losgeht. Um die Nerven zu beruhigen kann man sich dann noch allerhand nervigen Dingen widmen, wie Wäsche waschen, den kompletten Haushalt schmeißen, Unkraut jähten, kochen, Kuchen backen – ja so ein freier Vormittag kann wirklich lang sein.
Wir sind ja generell sehr abenteuerlustig, sodass wir unser Navi stets auf die kürzeste Strecke (und nicht, wie üblich auf die schnellste Route) programmiert haben. Und das Navi ist in Sachen „kürzeste Strecke“ in der Tat extrem rigoros: Über Feld-, Wald- und Wiesewege, Hofeinfahrten, Bachdurchläufe – alles möglich, Hauptsache man spart Kilometer. Und bei manchen Orten kommt man sich vor wie Kolumbus bei der Entdeckung Amerikas. Doch bei der Hinfahrt nach Schotten können wir dem Navi einmal mehr dankbar sein, denn wir entgingen einem langen Stau auf der Autobahn. Wären wir dort hineingefahren, hätten wir es keinesfalls mehr pünktlich an die Startlinie geschafft. Also, wenn ihr einmal eine schöne, abenteuerlustige Überlandfahrt machen wollt, stellt euer Navi einmal auf „kürzeste Strecke“. ;-)

Endlich angekommen begannen die renntypischen Vorbereitungen mit der Aufnahme der letzten Kohlenhydrate, mentalem Einstimmen und Warmfahren. Mir fiel die Tage wieder ein, dass ich dieses in der letzten Saison immer auf der freien Rolle praktiziert habe und diese Methode nun wieder aufgegriffen.



An der Startlinie verdeutlichte uns der Sprecher noch einmal die Daten: 12 Kilometer, 550 Höhenmeter, mit einer kurzen und steilen Abfahrt. Dann ertönte der Startschuss und das Feld knallte ebenso los. Der Start war hart, ich versuchte einfach an der Führungsgruppe zu bleiben. Wie immer – pacing wird ja überbewertet. ;-) Es gelang mir dann ganz gut in das Rennen zu finden und das Tempo gleichmäßig zu halten. Mein treuer Wattmesser verriet mir, dass ich dieses Tempo auch durchfahren kann. Ich wagte keinen Blick zurück, sondern konzentrierte mich ganz auf mein Rennen. 5 Kilometer vor dem Ziel teilte ein Streckenposten mit, dass nur 9 Fahrer vor mir waren. Diese Position wollte ich dann gerne halten. Kurz vor dem Ziel holperte es dann ordentlich durch eine Schotterpassage, deren Steine so groß und frisch waren, als wären sie extra als Schikane hingeschüttet worden. Bei jeden Tritt flogen die Steine und ich hoffte nur inständig, dass ich nicht platt fuhr. Auch in der folgenden Wurzelpassage hoffte ich weiter auf ein pannenfreies Durchkommen (der platte Reifen letztes Wochenende hat doch seine Ängste hinterlassen). Dann folgte ein langer Wieseaufstieg und schon kam der Zielbogen in Sicht. Ich überquerte als erste Frau mit 4 Minuten Vorsprung auf die nächste Dame die Ziellinie und nur 9 Männer waren schneller. Da freute ich mich sehr. Das Rennen lief super und ich bin sehr zufrieden, dass ich meine Leistung konstant durchfahren konnte. Bergzeitfahren liegt mir irgendwie ganz gut. ;-)






Nächste Woche geht es nach Bad Orb zur Hessenmeisterschaft Cross-Country, wo ich jedoch nur als Fahrerfrau agieren werde.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

„Nächstes Jahr habe ich dich!“

                               „In deinen Träumen vielleicht.“

„Wir müssen uns beeilen, in Frankfurt regnet es schon.“

„Lieber Landstraße als Stau.“

 

Montag, 23. April 2018

Kellerwald-Marathon Gilserberg: Unfreiwilliger Duathlon, aber DNF ist keine Option!

Wie in jedem Jahr fieberte ich dem Frühjahrsklassiker schlechthin entgegen: Dem Kellerwald-Marathon in Gilserberg als Start in die Rennsaison. Endlich können wir nun unsere Wochenenden wieder mit Rennterminen füllen und unserer größten Leidenschaft nachgehen – oder besser nachfahren. Beim ersten Termin im Kellerwald kristallisiert sich heraus, wer wie viel und wie gut im langen Winter trainiert hat. Ein erstes Kräftemessen und einordnen der eigenen Form.

Das Wetter zeigte sich – wie typisch für das Event im Kellerwald – von seiner sonnigen Seite. Und zudem war es bereits im Startblock hochsommerlich warm. Im Laufe des Tages wurde es dann sogar hochsommerlich heiß. Ungewöhnlich für April, aber das nehmen wir doch gerne hin, nachdem wir nun über ein halbes Jahr gefroren haben.
Ich entschied mich für den Start bei der Schlossbergrunde – eine schnelle und schöne Runde, die ich vom Start im vergangenen Jahr in guter Erinnerung hatte. Obwohl der Start nicht neutralisiert war, verlief dieser eher verhalten. Ich blieb direkt an der Führungsgruppe der Männer dran und nutzte auf den ersten Kilometern den Windschatten. Am ersten Berg wurde dann vorne eine Attacke gefahren und ich blieb in der Verfolgergruppe zurück. Anscheinend hatten wir aber eine sehr große Lücke aufgerissen, da hinter uns weit und breit kein Verfolger oder eine Verfolgerin in Sicht war. Durch meine Recherchen hatte ich mich im Vorfeld optimal auf das Höhenprofil vorbereitet und wusste genau, mit welchen Wattwerten ich die Berge angehen werde. Dies verlief auch problemlos und flüssig. Ich fühlte mich sehr gut und konnte das Tempo konstant halten.

 
Die Abfahrten ging ich flüssig, jedoch mit etwas Vorsicht an. Besonders Schotter und enge Schotterkurven lösen bei mir noch immer etwas Unbehagen aus – so ganz konnte ich den schweren Sturz vom letzten Jahr nicht aus dem Kopf löschen. Die Zeit, die ich in den Abfahrten liegen ließ, holte ich dann aber am Berg wieder auf.

Da ich keine Damenkonkurrenz im Nacken spürte, war mein neues Ziel eben eine gute Platzierung im Männerfeld herauszufahren und dies schien mir auch zu gelingen. Ich lag auf gutem Kurs, bis mir bei Kilometer 21 dann die Luft ausging. Und zwar komplett und mit einem Schlag aus dem Hinterrad. Zunächst konnte ich es gar nicht fassen, da mir so etwas in den langjährigen Renneinsätzen noch niemals passiert ist. Diesem Umstand geschuldet, bin ich auch nicht auf Defekte vorbereitet. Ohne irgendwelches Equipment und geschweige denn dem Know-How zur Reparatur blieb mir folglich keine Wahl: Ich musste ins Ziel rennen! Ein unfreiwilliger Duathlon. Nicht besonders angenehm mit steifen Carbonsohlen, aber DNF war keine Option. Es waren noch 5 Kilometer bis ins Ziel – klingt wenig, kommt einem aber dann doch unfassbar weit vor. Zwar boten mir einige Männer Pumpen, Schläuche und Kartuschen an – danke noch einmal für die Angebote – aber wahrscheinlich hätte bei mir die Laien-Reparatur länger gedauert als ein flotter Fußmarsch.

Allerdings stellte ich nicht in Frage, dass das, was ich tue, keinen Sinn macht. Das einzige, was mich hätte aufgeben lassen, wäre die Tatsache gewesen, dass mich eine Konkurrentin überholt. Doch schien mein Vorsprung so komfortabel gewesen zu sein (zum Glück hatte ich vorher so viel Tempo gemacht), dass dieser Umstand nicht eintrat. Also ein letzter Sprint durch den verwinkelten Cross-Country-Kurs und unter dem Applaus der Zuschauer schob ich mein Rad über die Ziellinie. Wie auch immer das möglich ist als Gesamtsiegerin mit einer Zeit von 1 Stunde und 11 Minuten mit 13 Minuten Rückstand auf den Sieger und immer noch 9 Minuten Vorsprung auf die nächste Dame. Mein Lauf – sicher eine 5-Kilometer-Bestzeit von mir – hatte mich nur 11 Minuten verlieren lassen. Somit wäre meine Platzierung im Männerfeld wirklich gut gewesen. Aber hätte, wäre, wenn – es war dennoch ein super Rennen mit einem nicht ganz so schönen Abschluss. Ich bin sehr froh, dass ich das Ganze noch irgendwie gerettet und ins Ziel gebracht habe. Denn „DNF is no option!“
 

Im Ziel konnte ich mich mit meinem Lieblingsmenschen dann sogar über einen Doppelsieg freuen. Es ließ mir jedoch keine Ruhe, warum ich platt gefahren hatte – kein Dorn, keine Scherbe, keine sichtbare Beschädigung…und dann auf einen Schlag ein kompletter Luftverlust ohne Milchaustritt. Wir kamen dem Ganzen nicht auf die Spur – das Geheimnis hüten nun die tiefen Wälder des Kellerwaldes.

Für mich bleiben somit ein paar Aufgaben, damit dies nicht mehr passiert: Endlich einmal verinnerlichen, wie man einen solchen Defekt behebt und dies dann üben, üben, üben!!

 
Trotz allem ein erfolgreicher Saisonauftakt mit Formbestätigung und Sicherstellung des Lebensmittelvorrates mit leckerem Brot für die nächste Zeit. Danke an den Schwälmer Brotladen für die kulinarischen Köstlichkeiten.
 
 

Ich komme immer wieder gerne zum Kellerwald-Marathon: Liebevolle Organisation, super Strecken, schönes Rahmenprogramm und tolle Preise!

Nächste Woche steht das Bergzeitfahren in Schotten im Rennkalender.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Statt Schlauch und Pumpe nehme ich demnächst Laufschuhe mit.”

„Wollte auf der Felge weiterfahren, aber dann hatte ich doch ein schlechtes Gewissen wegen dem Materialwert.“

„Immer dasselbe: Hunger, Ungeduld, Hunger.“

 

 

 

Montag, 16. April 2018

Großer Preis der RSG Buchenau: Premiere auf der Straße – Taktik ist das Zauberwort

Die Tage werden länger und wärmer, die letzten Schneereste sind endlich verschwunden, wir sind von dicker Winterkleidung direkt und übergangslos auf kurz-kurz umgestiegen...Das kann also nur eines bedeuten: Die Rennsaison geht endlich wieder los! Für mich begann die Saison in diesem Jahr mit einer Premiere. Das erste Straßenrennen meines Lebens. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass das Rennen im Nachbarort ausgetragen wurde und ich somit ohne Anreise und vor heimischen Publikum in die Saison starten konnte. Das Fahrerlager konnte direkt im heimischen Wohnzimmer aufgeschlagen und der Hinweg zum Warmfahren genutzt werden. Gute Ausgangsbedingungen also.

Nachdem mich der späte Start um 14.40 Uhr zunächst störte, war ich am Renntag doch froh darüber. Denn am Vormittag regnete es noch und die Strecke war nass. Nasse Bedingungen sind beim Rundkurs in Breidenbach keine guten Voraussetzungen, da der Kurs sehr viele enge Kurve bereithält. An dieser Stelle noch ein paar Eckdaten zur Strecke: Auf einem rund  zwei kilometerlangen Kurs durch ein Industriegebiet erwartet die Fahrer ein langer Anstieg, eine kurze Flachpassage und eine rasante Abfahrt. Das ganze galt es für die Frauenelite 23 Mal zu durchfahren. Danach kennt man wirklich jeden Winkel im Schlaf, jeden Gullideckel, jede Spurrille und jeden Baum.

Straßenrennen sind völliges Neuland für mich. Zur Vorbereitung auf dieses Event schaute ich mir die Frühjahrsklassiker in diesem Jahr genauer an und ließ mir die taktischen Raffinessen vom leicht nervigen Eurosportmoderator (der Arme muss 8 Stunden am Stück reden) näher bringen.

Am Renntag war ich – wie vor jedem Rennen – sehr aufgeregt. Fast noch mehr als vor einem Mountainbike-Marathon, da ich nicht so genau wusste, was mich erwartet. Gibt es ein großes Frauenfeld, wie stark sind die Fahrerinnen, gibt es Absprachen bei Teams, werde ich am Ende überrundet und rausgenommen? Fragen über Fragen. Als ich dann aber zum Warmfahren direkt aus dem heimischen Radkeller zum Ort des Geschehens rollte, überkam mich die Rennroutine und die Aufregung wich ein wenig von mir ab.

Der Plan direkt vom Warmfahren an die Startlinie zu rollen, ging leider nicht auf, da es im Rennen vor uns einen schweren Sturz gegeben hatte. Das Jedermannrennen wurde daraufhin abgebrochen und das Damenrennen startete mit fast einer Stunde Verspätung. Im Startblock sondierte ich die zahlreich erschienen Konkurrentinnen – die im Vergleich zu mir wohl schon so einige Straßenrennen in den Beinen hatten. Doch nun gab es kein Zurück mehr und ein gutes Training würde es schließlich allemal werden. Das Frauenfeld startete gemeinsam mit den Junioren U19 und diese knallten nach dem Startschuss los, als wäre das Ziel bereits nach 400 Metern erreicht. Drei Frauen zogen bereits mit und ich fühlte mich überfordert. Es war zunächst sehr viel Unruhe im Feld, keiner hatte den Überblick und nach der ersten Runde hatte ich kurz den Impuls aufzugeben. Doch nach der zweiten Runde gab es eine Gruppe von acht Frauen, zwei Frauen waren nach vorne ausgebrochen.


Wenn gleich ich (wie ich es in Mountainbike-Rennen stets praktiziere) den Wunsch verspürte ebenfalls auszubrechen, hielt ich mich zurück. Mein Trainer hatte extra die Anweisung gegeben, dass es keinen Sinn macht, die 23 Runden als Einzelflucht zu fahren. Stattdessen solle ich mich lieber in der Gruppe schonen und dann auf eine Fluchtrunde am Ende setzen. Ich beschloss dies zu beherzigen und hielt mich in der Gruppe oder besser gesagt dem Peloton. Es gab immer wieder Ausreißversuche, die wir aber neutralisierten. Allerdings gab es dann wiederrum kein Bestreben nach vorne zu den drei Geflüchteten aufzufahren. Schwierige Taktik – zu schwierig für mein erstes Straßenrennen. An jeder Kuppe wurde heftig angetreten – 23 Mal!


Antritte ohne Ende!

Ansonsten bummelte die Gruppe teilweise, sodass es körperlich wenig anstrengend war, mental dafür aber umso mehr, insbesondere in der langen Abfahrt mit 90 Grad-Kurve. Die Abfahrt lag mir nicht, vor allem, weil dort im vorherigen Rennen ein schwerer Sturz passiert war und jeder nun etwas Respekt hatte. Ich freute mich somit jede Runde aufs Neue auf den Anstieg.


Die Runden vergingen schneller, als ich im Vorfeld dachte. Erst als mir mein Trainer anzeigte, dass noch zwei Runden zu fahren sind, realisierte ich, dass es gleich schon zu Ende ist. Zeit zu überlegen, wie ich vorgehe. Eine komplette Fluchtrunde traute ich mir nicht zu. Also ein Sprint kurz vor Schluss. Jedoch hatte ich mir die Konkurrentinnen ja nun lange genug anschauen können und mir war bereits klar, dass ich im Sprint eher schlechte Karten haben würde. Denn ich bin in der Tat Bergfahrer und kein Sprinter. Aber es gab keine andere Möglichkeit. So brach ich in der vorletzten Kurve vor dem Ziel aus. Noch knapp 200 Meter Anstieg bis zur Ziellinie. Die Frauen folgten. Erst in der allerletzten Kurve schnitt mir eine Konkurrentin den Weg ab und ich verlor den Sprint ganz knapp. Somit reichte es immerhin für den 6. Platz im Elitefeld und damit bin ich für meine Premiere auf der Straße mehr als zufrieden.

 
Viele Dank an meine Familie und Freunde fürs Anfeuern!!

Alles in allem war es eine super wertvolle Erfahrung, ein schönes, hartes Training und eine Bestätigung meiner Form. Auf dem Mountainbike fühle ich mich aber doch wohler und freue mich deswegen schon auf den Kellerwaldmarathon am nächsten Wochenende.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Ich komme ja eher nicht so von der Straße.”

„Da schießt dir das Laktat wirklich überall hin.“

„Antritte ohne Ende.“

„Taktik ist das Zauberwort.“