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Montag, 18. Juni 2018

Bilstein-Marathon in Großalmerode: UFOs, Schotterpisten und doppelte Freude!

Zwei Wochen nach dem Gewinn der Hessischen Meisterschaft freute ich mich darauf, wieder mit Rennfieber an der Startlinie zu stehen. Wir reisten dazu nach Großalmerode zum Bilstein-Marathon – eine Premiere. Die große Unbekannte war somit eine fremde Strecke, von der wir einzig und allein das Höhenprofil studiert hatten. Und das hatte es in sich: Viele lange und zähe Anstiege – also genau das richtige für mich!


Die Anfahrt war doch etwas weiter als angenommen, sodass ich mein Frühstück kurzerhand im Auto einnahm. Denn ansonsten wäre es bis zum Start vermutlich schon komplett verdaut gewesen und hätte keinerlei Energie mehr bereitgestellt. Im Anbetracht der Umgebung registrierten wir sofort, dass der Kaufunger Wald sehr viele Berge bereit hielt und die Summe der Höhenmeter der heutigen Rennstrecke sofort einleuchtete.

Wenn gleich der Start bereits auf einem sehr hohen Niveau von Metern über dem Meeresspiegel erfolgte, ging es direkt nach dem Startschuss und einer Einführungsrunde über die staubige Aschebahn des Fußballplatzes in den ersten Anstieg. Das Feld war groß und ich sortierte mich direkt in der Spitzengruppe ein, sodass ich im ersten Anstieg eine gute Position behaupten konnte. Ich wollte im Anbetracht der im Startblock erblickten Damenkonkurrenz so viel Vorsprung wie möglich rausfahren. Die erste Abfahrt war lang und flowig. Der nächste Anstieg lang und steil. Nach zwei weiteren Trailabfahrten folgte dann hauptsächlich Schotter. Viel frischer, grober und blöder Schotter (Schotter löst bei mir nach meinem Schulterbruch sofort die Assoziation von Gefahr aus, sodass ich ihn überhaupt nicht mag). Es trug sich zu, dass ich in jeder Kurve die Geschwindigkeit fast zum Stillstand brachte, aus Angst wegzurutschen. Ich habe oft das Gefühl im Schotter unterzugehen und mein Rad nicht mehr steuern zu können. Daran muss ich definitiv arbeiten, denn da lasse ich viel Zeit liegen.
Im längsten Anstieg spürte ich plötzlich einen stechenden Schmerz im Oberarm und sah dort ein unbekanntes Flugobjekt sitzen – schnell schlug ich es weg. Doch zu spät, es hatte bereits zugestochen. Ich weiß nicht, was für ein Insekt es war. Jedenfalls keines im schwarz-gelben Dress. Auf jeden Fall tat es höllisch weh und mein Arm war wie betäubt und krampfte. So etwas habe ich noch nie erlebt. Im Geiste sah ich meinen Arm bereits ins Unermessliche anschwellen und bekam kurz Panik, dass das Gift eine allergische Reaktion hervorrufen könnte. Ich horchte sodann in meinen Körper und versuchte irgendwelche Reaktionen zu erkennen. Doch glücklicherweise schwoll bis dato weder der Arm an, noch fühlte ich Anzeichen eines Schocks. Das einzige war ein stechender Schmerz im gesamten Arm, den ich fortan zu ignorieren versuchte.

Es ging noch einmal lange bergauf und auf Schotter einige Tiefenmeter ins Tal. Da sich der Start- und Zielbereich wie bereits erwähnt jedoch hoch oben befand, folgte kurz vorm Schluss noch einmal ein steiler – fast senkrechter – Anstieg. Doch dann nach einer weiteren Ehrenrunde auf dem Sportplatz kam der Zielbogen in Sichtweite. Ich hatte es geschafft! Und überquerte als Gesamtsiegerin mit 8 Minuten Vorsprung die Ziellinie nach 35 Kilometern, 900 Höhenmetern und 1:34 Stunden Fahrtzeit. Und das schönste: Mein Lieblingsmensch hatte ebenfalls gewonnen. Geteilte Freude ist doppelte Freude!



Trotz der schmerzhaften Insektenattacke und dem vielen Schotter ein tolles Rennen mit Formbestätigung und viel Spaß.

Nächstes Wochenende steht ein harter und langer Trainingsblock im Plan und dann werde ich den Marathon in Schotten fahren.

Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Warum bist du heute nicht in Kirchzarten? Letzte wärst du sicher nicht geworden.“

„Den Schotter haben die sicher gestern erst auf die Wege gekippt.“

„Komplett sauber – bis zur Bachbettdurchfahrt.“

„Das haben wir wirklich gut gemacht.“

 
  

Montag, 4. Juni 2018

Hessenmeisterschaft Marathon in Kirchhain: Wenn Träume wahr werden!

Die Hessenmeisterschaft im Marathon und ich – wir sind in den letzten Jahren leider irgendwie nicht zusammen gekommen. Meine guten Vorbereitungen und das große Ziel des Landesmeistertitels wurden konsequent durch schwere Verletzungen zunichte gemacht.

Doch in diesem Jahr sollte ich es tatsächlich fit und ohne Blessuren an die Startlinie schaffen. Endlich! Und noch besser an der ganzen Geschichte war die Tatsache, dass die Meisterschaft direkt in der Nähe ausgetragen wurde und ich somit die Strecke bereits kannte.
Die Periodisierung meines Trainings richtete sich seit Jahresbeginn bereits konsequent auf dieses Event – mein persönlicher Saisonhöhepunkt. Die Vorbereitung ging auf den Punkt auf und so war ich zumindest trainingstechnisch perfekt gerüstet. Mental war ich im Vorfeld jedoch  nervös und aufgeregt wie schon lange nicht mehr vor einem Wettkampf. Im Grunde verursacht jedes Rennen bei mir eine gewisse Aufregung und Vorfreude – vor der Hessischen Meisterschaft war es nun etwas extremer. Wenn alle Wettkämpfe eine Prüfung sind, ist die Landesmeisterschaft das Abitur. Aber das Schöne am Sport ist ja, dass die Aufregung nie nachlässt, egal wie viele Rennen man bereits in den Beinen hat. Denn ohne eine gewisse Anspannung kann man auch keine guten Wettkämpfe fahren.




Da sowohl mein Lieblingsmensch als auch ich an der Startlinie für die Hessenmeisterschaft standen, gab es auch im Vorfeld zu Hause kaum ein anderes Thema. So wurden fleißig Taktiken besprochen und Verpflegungen überlegt. Denn an der Vorbereitung sollte es schließlich nicht scheitern. Theoretisch war ich somit für alle Situationen gerüstet.


Der Rennmorgen begann entspannt: Der kurzen Anreise geschuldet, hatten wir keine Eile und konnten uns in aller Ruhe vorbereiten. Mich beruhigt die Routine vor einem Rennen immer, jedoch bin sehr froh, wenn der Startschuss endlich gefallen ist.



Denn dann gibt es nur noch mich, mein Rad und das Ziel, so schnell wie möglich über die Strecke zu fliegen. Es waren heute 42 Kilometer und 1040 Höhenmeter zu bewältigen. Die Strecke war ein Rundkurs, den wir zwei Mal durchfuhren. Das Starterfeld war groß, zog sich jedoch schnell auseinander. Nach einer knackigen Wiesenauffahrt ging es kurz bergab und dann direkt in einen langen Anstieg. Mein Start war eher mäßig, ich hatte Probleme in meinen Rhythmus zu finden und meine Beine zeigten sich irgendwie unwillig. Ich hoffte inständig, dass sich dieses Gefühl gleich ändern würde. Zum Glück ging es im Anstieg dann schon besser, die Beine erwachten aus ihrem Stand-By-Modus und ich versuchte an einer schnellen Männergruppe zu bleiben. Die Strecke war trocken, schnell und schön. Es ging nie gerade aus, sondern stets flowig bergab oder lange bergauf. Genau das richtige für mich. Vor allem in den Anstiegen konnte ich Tempo machen. Ab und zu rief ich mir in Anlehnung an die Wattzahlen auf meinem Garmin in Erinnerung, dass ich ja heute etwas länger im Sattel sitzen würde – aber egal, es wird schon werden, Pacing wird überbewertet. Die erste Runde hatte ich bereits nach 52 Minuten beendet und lag in Führung. Nun alles noch einmal von vorne – eigentlich bin ich kein Fan von Rundstrecken. Ich fuhr das Tempo der ersten Runde einfach weiter und hoffte, dass ich es durchhalten konnte. Die Kilometer flogen nur so dahin und ich genoss das Rennen richtig. Letzte Abfahrt, letzter Wiesenanstieg und schon kam das Ziel in Sichtweite. Die zweite Runde beendete ich nach 53 Minuten und war einfach nur unfassbar glücklich, als ich die Ziellinie als Gesamtsiegerin mit 12 Minuten Vorsprung und somit als neue Hessenmeisterin überquerte.

Endlich ist mein lang gehegter Traum des Landesmeistertitels in Erfüllung gegangen. Es ist ein wunderschönes und erfüllendes Gefühl, wenn sich das Training auszahlt.

Der größte Dank geht an meinen Lieblingsmenschen und Trainer!


Ohne dich und deine Unterstützung wäre der Radsport auf diesem Niveau nicht möglich. Was du für mich leistest, ist unbezahlbar. Einen großen Dank auch an meine Mama, die unsere Verpflegung perfekt übernommen hat.



Da eine Saison natürlich mehrere Highlights verträgt, suche ich mir nun ein neues Ziel und freue mich sehr auf die nächsten Wettkämpfe.




Bis dahin: Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Ich bin jetzt voll-gecarbt.”

„Es gibt nur ein Gas, Vollgas!“

„Hätte ich die Runde 4 Mal fahren müssen, wäre das mein Ende gewesen.“

„Hessenmeister dürfen das.“