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Dienstag, 12. Juli 2016

Doppeltes Defektpech - der seltsame Marathon in Neuhaus

Ein Sonntag wie jeder andere. Nach einer schlaflosen Nacht, dem damit einfachen Aufstehen um 6 Uhr und dem anschließenden hektischen Verpacken aller nötigen Rennutensilien mache ich mich um kurz nach halb 8 auf den Weg nach Neuhaus. Der nächste Renntag steht für mich an, ein Marathonrennen im heimischen Solling. Aus diversen Gründen bin ich für meine Verhältnisse deutlich später als Üblich am Ort des Geschehens, was alle, die mich kennen, bereits zu der Annahme veranlasst, ich würde heute wohl nicht am Start stehen. Doch trotz meiner sehr dunklen, verspiegelten Sonnenbrille werde ich schnell erkannt und in die üblichen Fachsimpelei vor dem Rennen verstrickt. Was zur Folge hat, dass sich mein Zeitproblem nicht verbessert und ich zunehmend in Hektik ausbreche. Und das dann der Reißverschluss meines Trikots streikt ist auch nicht sonderlich hilfreich. Oder dass ich erst jemanden suchen muss, der bei meinem Hinterrad noch etwas Luft nachpumpt. Oder dass ich die Heckklappe meines Wagens offen stehen lasse, als ich diesen sorgfältig abschließe. 

Ich hatte mir ganz fest vorgenommen, mich ausgiebig und lange warm zu fahren. Daraus werden dann 5 Minuten, ein 3,5 minütiger Fotostop mit meinen beiden Lieblingsrennkollegen inbegriffen. Nach einem letzten, obligatorisch notwendigen Besuch der sanitären Anlagen habe ich schließlich ein echtes Problem: Der Reißverschluss meines Trikots ist kaputt, mein Trikot flatterte also offen. Was jetzt?
Und dann muss ich auch noch feststellen, dass sich der Großteil der Teilnehmer bereits im Startblock befindet und ich nun keine Chance mehr auf eine vernünftige Ausgangssitution habe. So müssen Dani und ich uns im Mittelfeld des Startblocks platzieren. So, jetzt blieb noch das Trikot Problem. Kurzerhand ziehe ich mich im Startblock um, sodass man unter meinem Trikot wenigstens nicht die Träger meiner Radhose sieht. Danach fixierte ich den Reißverschluss noch mit drei Haargummis. So machen das die Profis...

Viel zu schnell fällt der Startschuss. Das Feld brettert los und nimmt den ersten langen Anstieg in Angriff. Ich merke bereits jetzt, dass meine Beine heute lieber zuhause geblieben wären. Aber ich habe ja Dani und Tobi, die mich mitziehen. Gemeinsam erklettern wir die erste Rampe, surfen durch die Trails und ziehen uns an den Anstiege gegenseitig.

Nach gut 15 Kilometern geht es einen schlammigen Trail bergauf und ein paar Fahrer schieben sich zwischen mich und meine Motivationsgruppe. Ich quäle mich nach und nach bergauf, bis ich irgendwann nicht mehr weiter komme. Das kann doch nicht sein, so steil ist der Berg doch nicht. Ein Blick auf mein Hinterrad und der Grund ist klar: mein Reifen ist platt. Ganz ruhig, so schwer kann das ja nicht sein, immerhin habe ich das nötige Equipment parat. Ich habe gerade mein Hinterrad ausgebaut als ein Fahrer neben mir hält und mich freundlich fragt, ob ich Hilfe brauche. Und so sitze ich nach 15 Minuten wieder auf dem Bike und starte die Aufholjagd. Allerdings bin ich nun gefühlt so oder so von jedem anderen Fahrer überholt worden und muss mich jetzt wieder allein durchschlagen. Bergab, Bergauf, Schotterstraße, Trail und immer wieder lange Anstiege. Ich mache besonders am Berg einige Plätze gut und meine Motivation potenziert sich bei jedem Überholvorgang. Nach einer längeren Schotterabfahrt bemerke ich allerdings ein verräterisches Flattern am Hinterrad. Und Tatsache: der zweite Platten des Tages, nach 35 Rennkilometern. Gedanklich hake ich das Rennen bereits ab, denn einen zweiten Schlauch habe ich nicht mehr dabei und es liegen noch 10 Kilometer vor mir. Ich steige ab und überlege, wie ich denn nun am schnellsten wieder zurück zu meinem Auto komme. Ich entschließe mich der Strecke zu folgen und den nächsten Streckenposten um Hilfe zu bitten. Doch wieder hält kurz darauf ein Fahrer an und bietet mir Hilfe, und was noch besser ist, einen 26er Schlauch an. Keine 10 Minuten später sitze ich wieder auf dem Bike und starte in die letzte Passage.


So komme ich nach über 2,5 Stunden endlich im Ziel an. Überraschenderweise hat es dennoch zum 2. Platz in meiner Altersklasse gereicht, wie auch immer ich das noch geschafft habe.




















Am Ende war es ein seltsamer Renntag. Auch ohne die beiden Defekte, die mich insgesamt eine gute halbe Stunde gekostet haben, hätte ich es heute im stark besetzten Feld schwer gehabt. Ein Riesen-Dankeschön an die beiden Fahrer, die mir bei meinen Defekten geholfen haben! Das war nicht selbstverständlich und ganz großer Sport!

Statt mich weiter über den Rennverlauf zu ärgern fasse ich also das nächst Etappenziel ins Auge: Der Ars Natura Marathon in Neumorschen am nächsten Wochenende.

Und bis dahin,

Ride on,

Evelyn


Zitate des Tages: 

"Jetzt weiß ich auch wieso du immer so viele Haargummis dabei hast!!"

"Trägt man das jetzt so oder ist dein Trikot einfach kaputt?"

"Klar hab ich einen Schlauch dabei, ich habe sogar 4 dabei! Einen 27,5er, zwei 26er und einen 29er. Ich bin auf alles vorbereitet!"






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