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Montag, 4. September 2017

Spessart-Challenge Bad Orb: Wenn die Angst zum Gegner wird.

Die Entscheidung der Teilnahme an der Spessart-Challenge in Bad Orb hatte ich mir im Vorfeld nicht leicht gemacht. Schließlich sollte dies mein erster Marathon nach meinem schweren Sturz und meiner verletzungsbedingten Zwangspause werden. Die Vorfreude trübten Zweifel, ob ich schon wieder bereit bin für das Gelände, Trails, Wurzeln, Steine und gefährliche Passagen. Denn bisher war ich nach Ende meiner Verletzungspause fast ausschließlich mit dem Rennrad unterwegs und hatte mich bisher noch nicht auf meine Hometrails gewagt. Somit war der Start in Bad Orb ein „Sprung ins kalte Wasser“. Ich dachte mir eben, wenn ich den Wettkampfdruck im Nacken habe, wird das schon irgendwie laufen. Und, dass ich dann meine alten Muster der Fahrtechnik und Fahrsicherheit wieder automatisiert abrufen kann. Doch ob dies in der Praxis so einfach ist?

Zunächst begrüßte uns die Kurstadt Bad Orb am frühen Morgen mit kalten Temperaturen und dichtem Nebel. Die üblichen routinierten Szenarien – Startunterlagen holen, Rennkleidung zurechtlegen, Startnummer ans Rad heften, den letzten Snack einnehmen -  strahlten eine gewisse Ruhe auf mich aus, sodass sich meine Aufregung etwas legte. Dennoch hörte ich dem Sprecher im Startblock genau zu, als er von matschigen und rutschigen Trails sprach und zur Vorsicht mahnte. Sonst hatte ich für solche Dinge kein Ohr, da ich mein Rad ohne Probleme durch alle Passagen lenkte. Heute überwog jedoch ein für mich völlig fremdes Gefühl: Angst. Angst vor Trails, Wurzeln, Abfahrten und weiteren Stürzen. Und ich weiß, es ist nicht gerade von Vorteil, wenn man mit Angst in ein Rennen startet. Denn Angst blockiert.

 
 
Der Start war sehr gemächlich, da das Starterfeld sich eine ganze Zeit in den Windschatten eines kleinen Elektroautos hängen musste, welches den Weg durch die verwinkelten Gassen der Stadt markierte. Doch dann auf einer langen Gerade hieß es endlich „Start frei!“ und das Feld schoss los, direkt hinein in den ersten längeren Anstieg. Ich fühlte mich gut und war glücklich wieder auf dem MTB zu sitzen. Und Berge liebe ich sowieso. In diesem Rennen warteten drei längere Anstiege – ich war höhenprofiltechnisch wieder bestens vorbereitet.
Doch nach dem ersten Berg folgte der erste Trail – dieser lief noch einigermaßen flowig, jedoch langsamer als ich es gewohnt war. Mein Blick scannte jede potentielle Gefahrenstelle genau ab, es war viel anstrengender als sonst. Dann ging es in den zweiten Anstieg – ein Glück. Diesen nutzte ich um die verlorene Zeit im Trail wieder auszuholen. Ich war so auf meine Fahrt konzentriert, dass ich gar nicht registrierte, dass ich bereits am ersten Berg eine große Lücke zu den Verfolgerinnen aufgerissen hatte. Dies teilte mir erst einer der Streckenposten mit.
Auf den Anstieg folgte wieder ein Trail, einer von der Sorte, über den ich mich früher freute. Heute jedoch war ich vor Angst so blockiert und verkrampft, dass ich keine Sekunde der Abfahrt genießen konnte. Ich wünschte mir einfach nur, dass es gleich vorbei ist. Überhaupt fragte ich mich, ob meine gesamte Fahrtechnik, die ganzen abgespeicherte Muster und die Leichtigkeit von früher mit dem Sturz komplett gelöscht worden sind? Der Spaß, der mir in Bad Orb bergab fehlte, hatte ich dafür bergauf. Die Anstiege waren gleichmäßig und ich freute mich über die Wattanzeige auf dem Garmin.

Dann endlich kam der Kurpark von Bad Orb in Sicht und ich überquerte als Gesamtsiegern die Ziellinie. Insgesamt waren nur 13 Männer schneller als ich und der schnellste Mann war zufällig mein Lieblingsmensch, weshalb ich mich gleich doppelt freuen konnte.

 

Es war ein besonderer und emotionaler Sieg, der mich selber überrascht hat. Das Rennen glich einer Achterbahnfahrt der Gefühle und war eines der schwersten Rennen für mich. Denn mein Gegner war die Angst. Und ich werde alles daran setzen, wieder zu meiner alten Stärke im Trail zurückzufinden!






Für mein Mountainbike endet die Saison nun, das nächste MTB-Rennen werde ich vorrausichtlich erst wieder im April 2018 fahren, um über den Winter an meiner Fahrtechnik zu arbeiten.

 

 

An die Veranstalter der Spessart-Challenge möchte ich an dieser Stelle noch einmal ein großes Lob und Dankeschön richten für die tolle Organisation, die liebevolle und familiäre Betreuung und das schöne Ambiente. Ich war nun zum dritten Mal dabei und jedes Mal begeistert. Es ist sehr schade, dass es in diesem Jahr die letzte Veranstaltung von euch war!








Für mich geht es nächste Woche in ein Trainingslager im Vinschgau/Südtirol und dann werde ich die Hessischen Meisterschaften am Berg in Schotten in Angriff nehmen.


In diesem Sinne:

Keep on riding,

Vanessa

Zitate des Tages:

“Der Nebel war so dicht, ich habe die Schilder gar nicht gesehen.”

„Wo waren denn hier schwere Trails?“   „ÜBERALL!“

„Nudel, Eis, Kuchen, Pommes – alles bitte!“
   

Kommentare:

  1. Glückwunsch zum Doppelerfolg!

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  2. Glückwunsch an euch beide!! Mich hats jetzt auch erwischt, Rennen vor 2 Wochen Schulter ausgekugelt, diese Woche OP, 1-2 Monate Pause, aber mein Kopf hat momentan auch wenig Lust auf MTB.

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