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Dienstag, 12. September 2017

Bella Italia: Auf den Spuren des Giro d´Italia und plötzlicher Wintereinbruch

Tag 3: Schlussanstieg einer Giroetappe
Wie es sich für das typische Wetter in dieser Region gehört, starteten wir mit Sonnenschein und angenehmen Temperaturen in den Tag. Also schnell aufs Rad! Auf dem Programm stand die Fahrt durch das Martelltal hinauf zum "Lago di Gioveretto" - dies war einmal Schlussanstieg des Giro d´Italia. Der Anstieg war lang genug - insgesamt fast 1500 Höhenmeter am Stück - um drei lange Tempointervalle einzubauen und trotzdem noch nicht oben zu sein. Wenn man sich dann überlegt, dass die Giro-Etappe vor diesem Anstieg noch auf das Stilfserjoch führte - Respekt für solche Leistungen.

Es gab einige steile Rampen mit 15 % Steigung, viele Spitzkehren, auf denen man sich langsam nach oben schraubte, abgelege Ortschaften und beeindruckende Natur. Die lange Auffahrt belohnte dann der Blick auf den Stausee, smaragdgrün und wunderschön. Die weißen Bergspitzen der umliegenden 3000er spiegelten sich im Wasser. Episch. Ich liebe die Berge - diese beeindruckende Natur mit steilen Berghängen und schroffen Felsen, Wasserfällen und unerreichbaren Gipfeln zeigt einem immer wieder auf, wie klein der Mensch in der Natur ist.



Man merkte deutlich, dass wir uns auf über 2000 Meter hochgearbeitet hatten - die Luft wurde merklich dünner und auch die Temperaturen sanken stark ab. Zum Glück waren wir vorbereitet und hatten warme Kleidung zum Überziehen dabei. Die Abfahrt war dann fast anstrengender als die Auffahrt, da das permanente Bremsen die Arme ganz schön lähmte. Im Tal angekommen war ich trotz warmer Kleidung so durchgefroren, dass ich mich so wie noch nie auf einen heiße Dusche freute.

Aber genau das macht das Sportler-Leben so facettenreich: Wir bewegen uns oft am Limit und wissen, wie es sich anfühlt, wenn man so durchgefroren ist, dass man denkt, nie mehr aufzutauen. Wir wissen auch, wie es ist, wenn einem am Anstieg im Intervall der Schweiß rinnt. Leben am Limit - ein schönes Leben. Denn das Leben beginnt außerhalb der Komfortzone!

Tag 4: Schlechte Regenbilanz
Im Anbetracht der Tatsache, dass es heute Morgen schon wieder regnete, glaube ich so langsam, dass die 300 Sonnetage nur eine Masche der Tourismusbranche sind, um Leute ins Vinschgau zu locken. :)

So war die erste Einheit des Tages funktionelles Training mit Blick auf die umliegenden Bergspitzen. Und diese waren alle bis weit ins Tal von einer weißen Schicht umgeben. Die Schneefallgrenze war in der Nacht rapide gesunken.



Die Wetterapps sagten jedoch voraus, dass es am Mittag mit der Nässe von oben aufhören sollte. Und in der Tat, darauf ist Verlass. Man kann hier an einem Tag viele Wetterzonen durchleben. Denn als wir am Nachmittag zum Training Richtung Meran auf dem Etschtal-Radweg aufbrachen, brach die Sonne durch die Wolken und es war nicht warm, sondern direkt heiß.



Ich hatte überhaupt noch nicht erwähnt, dass es hier im Vinschgau wie im Schlaraffenland ist! Ein Paradies für alle, die gerne essen - also perfekt für mich. Hier wächst alles in freier Natur. So trug es sich zu, dass ich im Grunde seitdem ich hier weile, permanent esse. Von den rund 12 Millionen Apfelbäumen werden hier jährlich 200.000 Tonnen Äpfel geerntet (Stichwort: Bildungsurlaub/Landeskunde). Und es ist unglaublich, wie gut diese Äpfel hier direkt vom Baum schmecken. Des Weiteren säumen hier Birnen-, Kiwi- und Walnussbäume die Wege. Und Erdbeeren - es gibt hier derzeit noch frische Erdbeeren vom Feld. Wie gesagt, ein echtes Paradies für Feinschmecker.

Morgen steht die Königsetappe aufs Stilfserjoch an. 48 Spitzkehren, 1844 Höhenmeter! Ein Pass, den jeder Radfahrer in seinem Leben einmal gefahren haben sollte. Ich freue mich schon.

In diesem Sinne:
Keep on riding,

Vanessa


Zitate des Tages:
"Die müssen erst auf dem Stilfser Joch noch den Schnee wegräumen."
"Jetzt eine Curry-Wurst mit Pommes."
"Ich musste die Kurven bergauf anbremsen."
"Ahhhhhh da sind Alpakas!!!!!"





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