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Mittwoch, 26. August 2015

SKS-Marathon "Rund um Zierenberg" - "Race to remember" Teil 2 (Evelyn)

Seit dem letzten Jahr steht der SKS-Bikemarathon in Zierenberg ganz fest in unserem Rennkalender und seit Wochen hatte ich das Datum im Blick. Aber in der Trainingswoche davor lief nichts wie es sollte, die Beine waren schwer, mein Bike brauchte eigentlich einen technischen Service und zu allem Überfluss warf eine Erkältung meinen Trainingsplan völlig über den Haufen. Trotzdem war ich nicht bereit, Zierenberg kampflos abzusagen und so verbrachten wir den Mittwochnachmittag im „Maurer's Baikschopp“ in Kassel. Während sich zwei Mechaniker um mein Baby kümmerten durfte ich mich mit einigen Testbikes draußen austoben. An dieser Stelle noch einmal vielen lieben Dank an das super coole Team, die mich einfach noch in den total überfüllten Terminkalender reingequetscht haben, damit ich nicht ohne Bremsbeläge an der Startlinie stehen muss.
 
Nachdem nun also mein Bike bereit war für das Rennen, stand nur noch die Frage aus, ob ich bis dahin wieder fit genug sein würde, denn 1000 Höhenmeter wollen schließlich auch erst einmal bewältigt werden. Als ich am Samstag von meiner Vorbelastungsrunde kam, fühlte ich mich erstaunlich gut und es stand fest: natürlich fahr ich. Ich hatte im Vorfeld einen Blick auf die Starterliste geworfen, was ich besser gelassen hätte: viele große Teams, viele starke Konkurrentinnen, sogar europäische Fahrer und dazu die Zusammenlegung der Altersklassen „Damen“ und „Masters“. Damit harkte ich eine Platzierung offiziell ab. Aber das Podium ist schließlich nicht alles, ich freute mich einfach auf ein schönes Rennen und vor allem auf die Zeit mit Vanessa und den anderen Eulen.

Also am Sonntagmorgen Taschen packen, Bike ins Auto und ab nach Hessen. Parken, Startnummer abholen, Freunde begrüßen, umziehen. Mittlerweile hat sich dieser Ablauf so eingebrannt, dass ich auch im Halbschlaf pünktlich fertig werde. Im Startbereich treffe ich Vanessa und mit ihr vergeht die Zeit bis zum Start zwischen Quatschen, Warmfahren und noch mehr Quatschen viel zu schnell. Als ich mich auf einmal in der zweiten Reihe im gut gefüllten Startblock wieder finde, bin ich immer noch erstaunlich entspannt, auch wenn mich die heftige Konkurrenz im Vorfeld sehr eingeschüchtert hat. Die anderen Eulen Dirk, Marko, Martin und Olaf sind bereits auf den längeren Strecken unterwegs, während Bene, Marie, Vanessa und ich nun auf unseren Startschuss warten. Als der endlich fällt, bin ich irgendwie trotzdem total überfordert und verpatze so einen zügigen Start. Vanessa und eine andere Dame, eine Dänin in einem schicken hellgrauen Trikot, sind über alle Berge als ich endlich aus dem schmalen Startbereich die breite Straße erreiche. Jetzt aber Kette rechts! Als wir die erste „kurze“ (8 km!!) Steigung erreichen, habe ich endlich auch ins Rennen gefunden und kann am Berg aufholen. Ich überhole im Windschatten einiger anderer Fahrer erst Vanessa und dann die Dänin, den Blick immer stur auf das Hinterrad meines Windschattens gerichtet, denn dieser Berg hat es in sich. Als wir die erste etwas flachere Passage erreichen habe ich noch einige Plätze gut machen können, bevor es nun über steilen Trails weiter bergauf geht. Wir erreichen den Gipfel des Bärenbergs und stürzen uns in die erste Abfahrt. Ich fühle mich immer noch gut, zwar etwas außer Atem, aber kein Vergleich zum Rennen im letzten Jahr. Damals hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits einen 200 Puls und das DNF vor meinem geistigen Augen schon gebucht, doch heute bin ich bester Laune und von mir selbst überrascht.

Weiter geht’s. Trails hoch, Trails runter, flache Passagen, steile Rampen, Wald soweit das Auge reicht. Ich habe gut Druck auf dem Pedal und vermeide jeglichen Blick zurück, auch wenn ich gern wissen würde, wie ich im Moment in der Platzierung läge. Am nächsten steilen Trail haben sich einige Zuschauer versammelt und jubeln uns den Berg hoch, während der Streckenposten in sein Walky-Talky ruft: „Die erste Dame geht auf die zweite Streckenhälfte!“ Was? Wow, ich führe! Kurzer Blick auf den Tacho, gut 22 Kilometer sind vorbei, und wieder Kette rechts. Es ist leider noch viel zu früh um auf den Sieg zu spekulieren, auf den kommenden 15 Kilometern kann schließlich noch sonst was passieren.

Ich konzentriere mich auf die Strecke, gebe alles und bin einfach in meinem Element. Die Trails sind trocken, aber griffig, die Strecke ist flowig, aber zügig zu fahren. Am liebsten würde ich jubeln, es läuft einfach so gut.

Ich erreiche die Streckenteilung und ziehe das Tempo noch einmal an. Gott sei Dank zieht meine Gruppe mit, denn die letzten fünf Kilometer ziehen sich noch einmal. Aber mittlerweile habe ich nur noch einen Gedanken: „Ich kann das gewinnen. Ich will das gewinnen“. Wir passieren das Ortsschild Zierenberg und mobilisieren für den Zielsprint hoch zum Marktplatz noch einmal alle Kräfte bis wir schließlich über die Ziellinie rollen. Was für ein Rennen!

Im Ziel erwarten mich bereits Bene, Olaf und Martin. Alle sind bisher sicher und zufrieden im Ziel angekommen, es wird mit Iso angestoßen, die Stimmung ist super. Als Nächste kommt die dänische Fahrerin ins Ziel und kurz darauf empfangen wir unter großem Jubel Vanessa. Zusammen feiern wir uns erst einmal ausgiebig, bevor sich unsere Wege kurz zum Umziehen trennen.

Als ich schließlich zur Siegerehrung aufgerufen werde, kann ich es immer noch nicht richtig fassen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich hier und heute gewinnen würde. Insgesamt habe ich für die 37 Kilometer heute 1:47h gebraucht, im letzten Jahr war ich genau 20 Minuten langsamer. Auch vom Gefühl her war es meine bisher beste Leistung in dieser Saison. Ich freue mich immer noch, wenn ich drüber nachdenke.













Herzlichen Glückwunsch an dich, Vanessa! Du bist einfach fantastisch gefahren, niemand kann glauben, dass du so lange verletzt warst. Es ist erstaunlich und inspirierend, wie du dich zurück gekämpft hast. Danke für den schönen Tag, wir sollten dringend öfter zusammen im Startblock stehen und die Gegner tot quatschen!

Und an die anderen Eulen: ihr seit einfach immer toll. Ihr seit das beste Team der Welt und nochmal Glückwunsch an alle!

Am Wochenende geht es weiter. Wie, wo, was, wer weiß das schon...

Keep on riding,

Evelyn


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