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Mittwoch, 19. August 2015

Da ist der Hattrick - das Race2Sky in Boffzen

Für mich stand am vergangenen Samstag ein weiteres XC-Rennen der Challenge4MTB an. Austragungsort war der kleine Ort Boffzen an der Weser, was für mich das unschlagbare Argument Heimvorteil bedeutete. Dies war einer der Gründe, warum ich mich nicht nach einem Blick auf die Teilnehmerliste spontan am Vorabend doch noch für einen Start im Sauerland entschied. Neben mir waren leider nur drei weitere Frauen gemeldet, das Teilnehmerfeld an sich war eher klein. Ja, ich bin ein Fan von kleineren Rennveranstaltungen, aber ich fahre immer dann am besten, wenn die starke Konkurrenz um mich herum mich fordert. Ich haderte ein bisschen, entschied mich dann aber doch für den Start. Immerhin hatte ich die Chance auf einen Hattrick-Sieg, denn ich hatte bereits in den vergangenen zwei Jahren das Race2Sky gewonnen, dieser Sieg wäre der Dritte.

Also konnten wir am Samstag erstmal entspannt ausschlafen, in aller Ruhe frühstücken und unsere Sachen zusammensuchen und uns dann gegen Mittag auf den Weg nach Boffzen machen. Wie für XC-Rennen üblich war das Teilnehmerfeld je nach Altersklasse in unterschiedliche Rennen aufgeteilt. Als wir die Grillhütte erreichen, läuft bereits das zweite Rennen an diesem Tag und wir kommen gerade rechtzeitig um Benes Zieleinfahrt bejubeln zu können. Bene sichert uns Eulen damit den ersten Sieg des Tages. Im Gegensatz zum Vorjahr hat das Wetter, trotz einer labilen Vorhersage, gehalten. Der technische Kurs an der Grillhütte ist trocken und scheint gut Grip zu bieten, was eindeutig eine Verbesserung zum letzten Jahr darstellt. Da hieß es im strömenden Regen und knietiefem Matsch irgendwann nur noch: Wer kann eigentlich am schnellsten mit dem Rad durch den Schlamm rennen? Wir beobachten das Treiben der Rennfahrer noch ein bisschen, jubeln hier und da und halten Ausschau nach den anderen Eulenfahrern.

Schließlich erwischt mich eine gute Bekannte und stellt mich direkt der Presse vor, was dazu führt, dass ich, deutlich früher als geplant, zum Auto zurück renne und in Vollmontur und Bike rennfertig zurückkomme. Der Reporter stellt mir einige Fragen, wie zum Beispiel wieso ich so gern Mountainbike fahre, wieso ich für den MTB-Eulenexpress fahre, was ich sonst so mache, was meine Ziele sind, was ich mir für das Rennen heute erhoffe... Am Ende weiß ich wirklich nicht mehr, was ich eigentlich alles gesagt habe, aber auf jeden Fall habe ich tapfer immer wieder die Fischteichhölle ins Gespräch gebracht. Zum Schluss bittet er mich den technischen Teil der Strecke einmal abzufahren, damit es ein paar schöne, gar nicht gestellte Fotos geben würde.

Ich war froh als Dirk und Olaf mich nach dem ungewohnten Pressetermin direkt zum Warmfahren in Beschlag nehmen. Gemeinsam fahren wir die komplette Strecke, knappe fünf Kilometer, einmal ab, wobei wir uns besonders auf die XC typischen technischen Passagen und Trails konzentrieren. Wo ist die Optimallinie? Wo kann ich Zeit sparen? Worauf muss ich achten? Als wir den Start-Ziel-Bereich wieder erreichen fühle ich mich optimal vorbereitet auf das Rennen und ordne mich im Mittelfeld des Startblocks ein. Während wir geduldig auf das Startsignal warten, sehe ich über dem Solling dunkle Wolken aufziehen, die Vorboten des vorhergesagten schlechten Wetters. Als ich das erste Mal vor fast zweieinhalb Jahren hier in der letzten Reihe des Startblocks stand, hätte ich nie gedacht, dass ich einmal so entspannt, so weit vorne und so routiniert hier stehen würde. Ich muss lachen als ich daran denke, wie chaotisch und wie aufregend mein erstes Mountainbikerennen für mich war. Dass ich einmal jedes Wochenende im Teamtrikot bei Wettkämpfen starten würde, hätte ich damals niemandem geglaubt.


Schließlich fällt der Startschuss und es geht für uns in die Einführungsrunde, die uns an der legendären Himmelsleiter wieder auf die eigentliche Strecke bringt. Dieses gleichmäßig ansteigende, elendig lange Asphaltstück führt uns über gut 1,3 km bis an den Rand des Sollings heran.  Die Himmelsleiter ist immer Teil der Rennstrecke und genauso anstrengend ist sie auch jedes Mal. Ich erreiche den Wald zügig und im vorderen Teil des Feldes, auch wenn meine Pulsuhr mich mit hysterischem Piepen vor Überlastung warnt. Nachdem ich den kommenden flachen Feldweg optimal zum Überholen und ordentlich Dampfmachen nutzen konnte, erreiche ich den ersten Trail, der im Wesentlichen einfach einen Bogen in den Wald schlägt und kurz darauf wieder auf den Hauptweg trifft. Die letzte Kurve nehme ich etwas zu schneidig, mein Hinterrad driftet nach außen und ich schramme an einem Baum entlang. Mist, das hat mir jetzt nicht wirklich Zeit geschenkt.  Weiter geht’s, denn da kommt schon der nächste Trail, den ich ebenfalls zügig hinter mich bringen kann. Nach einer längeren Schotterabfahrt kommt eine längere Trailpassage in Sicht, bei der ich mich beim Warmfahren etwas schwer getan habe. Aber dank Dirks und Olafs Anweisungen kann ich mir die Optimallinie ins Gedächtnis rufen und komme gut und flüssig auf dem Wiesenweg an, der mich kurz vor der Grillhütte auf das letzte Teilstück der Strecke entlässt. Ich verlasse den Asphalt und biege auf einen schmalen Trail ein, der direkt im Start-Ziel-Bereich endet. Jetzt zwei schnelle Tritte, soviel Schwung mitnehmen wie es geht und schnell die Rampe hinauf. Geschafft! In dem kleinen Gehölz ist der Trail mit Flatterband markiert, zwei Schlenker und die Rampe auf der anderen Seite wieder hinunter. Jetzt konzentrieren, es wird eng. Ich tauche unter einem tieferen Ast hinweg, konzentriere mich auf den sandigen Untergrund und gehe in die nächste Runde. Eine geschafft, noch vier zu fahren.

Und es läuft gut für mich. Als mich auf der Himmelsleiter in der dritten Runde die ersten dicken Tropfen treffen, habe ich wieder genug Atem übrig, um meine Mitfahrer voll zu quatschen. Wir philosophieren kurz, dass es bestimmt nur ein Schauer ist und absolvieren im Platzregen die dritte Runde. Am Start-Ziel Bereich erwartet mich meine Schwester bereits, denn wir hatten abgesprochen, jetzt die Flaschen auszutauschen. Also werfe ich meine fast leere Flasche weg und strecke die Hand nach der neuen Flasche aus. Die ist allerdings offen, sodass ich auch diese zurücklassen muss.  Wenigstens haben wir genug Wasser von oben. Meine Radbrille habe ich mich bereits bei der Einfahrt in die technische Passage entledigt. Die Gläser sind für diese Verhältnissen zu dunkel, dazu der Regen und der Dreck, da fahre ich besser ohne meine Brille. Als ich zum vierten Mal den Rand des Sollings erreiche, schüttet es wie aus Eimern, die Trikots sind dreckig und die Trails werden langsam aber sich schmierig. Trotzdem komme ich flüssig durch die technischen Passagen und gehe auf die letzte Runde. Mit einem Blick auf die Uhr sehe ich, dass ich nur noch gut 12 Minuten habe um Kathrins Bestzeit aus dem vorigen Rennen zu toppen. Ich gebe an der Himmelsleiter noch einmal alles, aber spätestens auf den Trails ist mir die Sicherheit für mich und mein Bike dann wichtiger als die Topzeit.

 
Schließlich erreiche ich als schnellste Frau meines Rennens das Ziel. Ich bin nass bis auf die Haut, der Schlamm tropft aus meinen Haaren und die hellblaue Farbe meines Trikots ist kaum noch zu erahnen, aber glücklich und zufrieden bin ich trotzdem.

Nachdem ich mich und mein Bike mit dem Hochdruckreiniger bearbeitet habe, sodass wir wieder zu erkennen sind und ich mich umgezogen habe, warten wir gemeinsam mit den anderen Fahrern geduldig auf die Siegerehrung. Da es noch immer regnet wird kurzerhand das Zelt der Zeitnahme für die Siegerehrung entwendet. Ich gewinne mein Rennen und meine Altersklasse, wobei die geringe Konkurrenz natürlich ihr übriges dazu beigetragen hat. An Kathrins Zeit bin ich bis auf 3 Minuten herangekommen, sodass ich die zweitschnellste Frau des Tages bin. Ich bin mit meiner Zeit trotzdem sehr zufrieden, ebenso mit dem Rennverlauf und besonders mit der fahrtechnischen Leistung.

Mein dritter Sieg bei meinem dritten Race2Sky, der Hattrick also. Wo ich dann in weiteren zweieinhalb Jahren am Start stehen werde, wer weiß. Ich hätte da so die ein oder andere Idee...
  
Am kommenden Sonntag geht es für mich zum SKS-Bike-Marathon „Rund um Zierenberg“, wo neben einer abwechslungsreichen Strecke ordentlich Höhenmeter und starke Konkurrenz auf mich und mein S-Works warten.

Bis dahin,

keep calm and bike on,

Evelyn

Zitate des Tages:


„Am Besten ziehst du jetzt deine Unterwäsche aus und machst damit deine total verharzte Kette sauber!“

„Du brauchst für Zierenberg keine neuen Bremsen, in Zierenberg geht es nur bergauf!“

„Der Baum stand auf meiner Optimallinie!“


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