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Donnerstag, 18. Juni 2015

Bikefestival Willingen - RockyMountainBike Marathon

Nach dem erfolgreichen Marathon in Dassel hatte ich mir fest vorgenommen,  mich nun erstmal auf mein Studium zu konzentrieren und mir bis zum nächsten Rennen Zeit zu lassen. Als ich dann allerdings von allen Seiten ausgefragt wurde, ob ich nicht doch beim Marathon in Willingen am Start sei, ertappte ich mich doch dabei, wie ich die Ausschreibung raussuchte, die Zugverbindungen scannte und mich schon am Donnerstag auf dem Rückweg von München befand. Als ich mich allerdings nach einem langen Unitag inklusive sehr frühmorgentlichem Training (um 4:30 Uhr!) im überhitzen und überfüllten Zug nach Hause befand und versuchte, Sinn in meine Anatomiemitschriebe zu bringen, überkamen mich doch Zweifel. Wieso tat ich mir das eigentlich an? Was wäre gegen ein entspanntes Tourenwochenende einzuwenden gewesen? Aber das Riesenevent, die Aussicht auf eine schöne Strecke, viele bekannte Gesichter und schließlich einfach mein Ehrgeiz brachten meine gewohnte Vorfreude zurück. Meine Schwester Carolin erklärte sich sofort bereit, mich als moralische Unterstützung zu begleiten und so machten wir uns, aufgrund des sehr frühen Starts am Samstagmorgen, schon am Freitag auf den Weg zum Bikefestival. Unser Schwesterroadtrip führte uns zuerst in die örtliche Jugendherberge, die aufgrund der Bikeveranstaltung fast ausgebucht war. Wir bekam ein Zimmer in einem seperaten Haus zugeteilt, was mich erleichtert aufatmen ließ: so konnte ich mein Bike ganz entspannt mit in unser Zimmer schmuggeln, statt es im Auto zurücklassen zu müssen.
 Nachdem das Zimmer bezogen war machten wir uns auf dem Weg zum Festivalgelände, was sich aufgrund von zahlreichen parkplatzsuchenden Autos, Fahrradfahrern und Betreuern, die die ohnehin schon schmalen Straßen blockierten, als schwieriger als gedacht erwies. Als schließlich auch wir einen Parkplatz gefunden hatten, schlenderten wir über das Gelände, holten meine Startunterlagen ab und nahmen möglichst viel von der Stimmung mit. Nun stand die prärenntagliche Nahrungsaufnahme an, die ja bekanntlich von großer Bedeutung für das kommende Rennen ist. Wir entschieden uns für ein amerikanisches Diner, das anlässlich der Sportveranstaltung viele kohlenhydrathaltige Gerichte anbot. Und so aß ich meine Nudeln und meine Schwester ihren Wrap an einer Bar, umgeben von amerikanischen Nummernschildern und Elvisbildern.
 
Zurück in der Jugendherberge verbrachten wir den Abend damit den morgigen Tag zu planen, den Busfahrer vom Tabuspielen aufzutreiben, der uns zugeparkt hatte und, in meinem Fall, den perfekten Platz für mein Bike im Zimmer zu suchen. („Nein nicht an die Heizung, vielleicht geht die in der Nacht an. Nicht so nah an die Tür, wenn die jetzt auf geht! Ja, auf dem Bett ist gut!“)

Punkt 5 Uhr klingelte uns der schrille Wecker aus dem Schlaf, Punkt halb sechs saßen wir wieder im Auto und um Punkt viertel vor 6 parkten wir auf dem Festivalgelände – diesmal Gott sei Dank nicht auf dem Reweparkplatz... Da hätte das Frühstückspicknick, was wir vorbereitet hatten, auch nicht halb so viel Spaß gemacht. Meine Schwester ließ ich zwischen Müsli, Knäckebrot und Babybrei zurück, um mich warm zu fahren und Vanessa zu suchen. 
Nachdem die neusten Neuigkeiten und Insidertipps ausgetauscht worden waren, machten wir uns auf den Weg zur Startlinie, beziehungsweise in den Startblock B. Leider trennte uns dann die Absperrung, aber Vänsi: bald wieder geballte Specialized Power!  Als pünktlich um halb 8 der Startschuss für Block A und Block B, also circa die ersten tausend Starter fiel, hatte mich das Rennfieber wieder voll im Griff. Auch wenn das Streckenprofil mit 1800 Höhenmetern auf 54 km heftig ausfiel, war ich fest entschlossen, alles zu geben. Ich erwischte einen guten Start und hängte mich an eine Lizenzfahrerin aus Block A, die sich geschickt durch das volle Starterfeld ihren Weg bahnte. Als wir das Eventgelände einmal halb umrundet hatten ging es in den ersten langen Anstieg. Ich hing immer noch am Hinterrad der schnellen Lizenzfahrerin und konnte die Gelegenheit nutzen, um ordentlich Plätze gut zu machen, auch wenn eine Platzierung auf dem Podium für mich keine ernsthafte Möglichkeit darstellte. Vielmehr war nach den stressigen Wochen, an denen ich wärmebedingt beim Training immer wieder mit ernsthaften Luftproblemen zu kämpfen hatte, ein solides Rennen das Ziel. Als nach 6 Kilometern die Strecke das erste Mal deutlich abfiel und wir uns in die erste technisch anspruchsvollere Downhillpassage stürzten, kam es zu den ersten Stürzen und Komplikationen im immernoch sehr komprimierten Fahrerfeld. Der Staub nahm die Sicht, der Weg war schmal und ach Mist, da war eine Wurzel. Ich kam etwas unsanfter auf als geplant, was meine Flasche dazu veranlasste, sich hunderter anderer Flaschen anzuschließen und zurück zu bleiben. Mist.

Die Strecke führte nun in regelmäßigen Abständen lang und stetig bergauf und steil wieder herunter. Ich hatte noch immer das Trikot der Lizenzfahrerin im Blick und wir machten Platz um Platz gut, bis ich an einem eben dieser Berganstiege auf einmal Platz und Beine hatte und meine ganze Gruppe überholen konnte. Im Nachhinein denke ich, dass es in Anbetracht der Streckenlänge und Anforderung sinnvoller gewesen wäre, im gleichmäßigen Tempo weiterzufahren. Aber das angesprochene Rennfieber zog mich alle Berge hoch und ließ mich alle Berge herunterfliegen. Allerdings vermisste ich mittlerweile schmerzlich meine Trinkflasche und so war ich mehr als froh, als nach 26 Kilometern am Ufer des Diemelsees der Verpflegungsstand auftauchte, der in diesem Moment für mich einer paradiesischen Oase in der Wüste gleich kam. Allerdings griff ich nur im Vorbeifahren meine obligatorischen Becher Wasser ab und hielt nicht etwa an, um mir eventuell eine neue Trinkflasche zu organisieren. Als ich kurz vor Kilometer 30 an einer ewig langen Bergpassage mit brennenden Waden verzweifelte und immer weiter zurück fiel, wäre ich am liebsten zurück gefahren. Als mich allerdings die besagte Lizenzfahrerin überholte siegte dann doch der Kopf und gemeinsam kämpften wir uns hoch, und höher und immer wieder hoch.

Wie immer im Rennverlauf überholt man eine Reihe an Fahrern, die aufgrund von technischen Defekten verschiedenster Arten am Rand sitzen, schieben oder bereits dabei sind, das Problem zu beheben. Während ich mal wieder völlig unvorbereitet und naiv auf gar keine Art von Defekt ins Rennen gegangen bin, auch wenn ich mir immer wieder fest vornehme, endlich mal einen Technikkurs zu machen oder zumindest einen Schlauch einzustecken. Als wir wieder mal einen Berg hochtraten und ich wieder mal gefühlt kurz vor dem Verdursten war, kam uns ein Fahrer entgegen, dessen Defekt sofort ins Auge sprang: Rahmenbruch. Moment, das heißt doch... „Brauchst du deine Flasche noch? Kann ich die haben? Danke!!“ An dieser Stelle nochmal ganz vielen lieben Dank an den netten belgischen Fahrer, der mir bereitwillig seine volle Trinkflasche überlassen hat!
So, Versorgung sichergestellt, Überleben gesichert.

Trotzdem musste ich mir (wieder einmal...) eingestehen, dass mein angeschlagenes Anfangstempo zu schnell gewesen war. Gegen Kilometer 40 musste ich mit brennenden Waden und leichten Krämpfen im Mittelfuß abreißen lassen und bemühte mich nun, meinen eigenen Rhythmus wieder zu finden, was mir erstaunlich gut gelang. Ich erwischte den Anschluss an eine zügige Gruppe und kann mich die letzten Kilometern auf den Trails mitziehen lassen, bis wir schließlich vor der imposanten Skisprungschanze stehen, was nur heißen kann: weit ist es nicht mehr!

Weit nicht, aber wieder mal hoch. Eine steile Rampe entließ uns im oberen Teil des Bikeparks, wo sich das erste Mal die Wege der Downhiller und der Marathonfahrer kreuzten. Während wir durch eine Mulde fuhren, sprangen die Downhillfahrer über uns hinweg. Der Wahnsinn! Die letzten Trails brachten uns in den Zielbereich, wo mich die Stimmung nochmal zu einem Zielsprint animierte, wo auch ich immer ich die Kraft dazu noch aufgetrieben habe, sodass ich nach 2:54h die Ziellinie überquere.

Natürlich werfe ich dann doch einen Blick auf die Gesamtplatzierung. In meiner Altersklasse habe ich es auf Platz 8 geschafft, bei den Frauen Gesamt auf Platz 12 von 98. Und auch im Gesamtfeld bin ich mit Platz 233 von 908 überraschend gut platziert. Klar, ein Podiumsplatz war nicht in Sicht, trotzdem bin ich nach diesen stressigen Wochen zwischen Lernen, Training und Pendeln super zufrieden mit meiner Leistung und dem Rennverlauf.

Love the Ride,

Evelyn









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