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Mittwoch, 29. April 2015

Blood, Sweat and other distractions – ProtectiveBikeMarathon Bad Harzburg


Ganz fest in jedem Rennkalender steht der Bikemarathon in Bad Harzburg. Da ich nach zwei endlosen Wochen Studium ohnehin mal wieder Heimatluft schnuppern wollte, kam mir dieser Wettkampf sehr gelegen.
Als ich bei 25 Grad in München meine Anmeldung ausfüllte, kamen mir 58 km Mittelstrecke zwar mehr als gewöhnlich, aber machbar vor. Genauso wie 1600 Höhenmeter.

Muffins für den besten Verein überhaupt!
Als ich dann aber am sehr frühen Sonntagmorgen mein S-Works, meine drei handlichen Taschen und die obligatorischen Muffins bei Nieselregen ins Auto lud und mich auf den Weg in den Harz machte, wurde ich doch ein bisschen nervös. Schließlich hatte ich in den vergangen Wochen mehr als genau Legenden um den Harzcup gehörte. Von Defektserien, Totalschäden, Stürzen und dem jährlichen DNF auf der Mittelstrecke. Von den endlosen Anstiegen und den steilen Downhill-Passagen. Und von dem großen Ziel: der Ziellinie. Die war auch mein erklärtes Tagesziel, denn da es keine Altersklassenwertung geben würde und eine starke Damenkonkurrenz zu erwarten war, wäre eine Platzierung unter den ersten 10 Fahrerinnen schon ein Erfolg für mich.

An der Rennbahn angekommen fühlte ich mich in Gesellschaft meines Teams gleich viel sicherer und verwarf nach den sachlichen Einschätzungen der Anderen die Idee wieder, mich doch noch in letzter Minute auf die Kurzstrecke umzumelden. Schließlich war es Zeit sich im Startblock aufzustellen und ich konnte mir im großen Fahrerfeld einen guten Platz im Mittelfeld sichern. Einige letzte Tipps der Mannschaftskollegen, ein letzter mutmachender Blick, Einklicken, Start.

Doch schon nach den ersten Kilometern standen wir wieder, wie von den erfahrenen Fahrern prophezeit. Der lange, steile Trailanstieg war zwar eigentlich machbar, doch nach einem Massenstart dieser Größe und dem obligatorischen Stau mussten wir die erste Passage schieben. Die nächsten neun Kilometer ging es hoch, höher und noch höher. Da ich grundsätzlich dazu neige, am Anfang zu viel Gas zu geben, wurde mir mehrfach vor diesem Rennen ans Herz gelegt, mir die Kräfte einzuteilen, was mir in der ersten Runde dank eines Teamkollegen, der mich mitzog, super gelang. Wir hatten uns bereits kurz nach dem Start einem Fahrerfeld angeschlossen, dass ein zügiges, aber vor allem gleichmäßiges Tempo vorlegte.  Die nun anstehenden Downhillpassagen waren zwar eng und steil, aber trotz des Regens gut befahrbar, sodass ich die Bergabpassagen flüssig hinter mich bringen konnte und mich mit zunehmender Freude der Strecke widmete. Wir näherten uns einer Bachdurchfahrt, als uns ein Streckenposten bereits von Weitem zurief: „Fahrt langsam, sonst holt ihr euch einen Platten!“. Hä? Wieso? Was hatte der Bach denn mit einem Platten zutun? Trotzdem drosselten wir alle das Tempo und passierten den schmalen Bach, um mit dem letzten Restschwung den kommenden Anstieg zu meistern. Und Tatsache: an diesem Anstieg saßen mindestens fünfzehn Fahrer, die dabei waren, ihre Schläuche zu wechseln. Ich war typischerweise mal wieder auf gar keinen Defekt vorbereitet, hatte weder eine Pumpe, noch einen Ersatzschlauch dabei und vor allem im Normalfall keine Nerven, um bei einem Rennen meinen Schlauch zu wechseln. Doch das Glück war auf meiner Seite: die Laufräder blieben heil, und so konnte ich nach einer Wiesenabfahrt die erste Runde nach einer guten Stunde, und vor allem mit Platz 3 bei den Frauen, beenden. Die erste von drei Runden geschafft.
Auf dem Weg nach oben...



Also wieder den endlosen Trailanstieg hoch. Die erste Runde merkte ich bereits zwickend in den Beinen, doch da wir immernoch im selben Fahrerfeld fuhren, konnte ich mein Tempo halten und erklomm Höhenmeter um Höhenmeter. Doch kurz darauf blieb ich mit meinem Schuh an einer Wurzel hängen und riss mir die Schnalle meines Schuhs ab, was für Fahrer mit Klickpedal bedeutet: keinen Halt mehr, kein Druck mehr auf dem Pedal, kein Weiterfahren. Während ich mit Hilfe von Haargummis und Fantasie meinen Schuh notdürftig reparierte, überholte mich ein relatives großes Fahrerfeld und einige meiner Konkurrentinnen. Nach gut fünf minütiger Defektpause konnte ich weiterfahren, doch ich ärgerte mich maßlos. Zudem war nun auch noch meine Gruppe weg, sodass ich mich vorerst allein durchschlug, bis mich eine kleinere Gruppe einholte und mitzog.  Doch das Glück hatte sich wohl heute eine andere Startnummer ausgesucht. Im nächsten Downhilltrail verbremste sich der Fahrer hinter mir und erwischte dabei mein Hinterrad, was uns beide bei gut 45 km/h auf den matschigen Boden beförderte. Nachdem ich mich zuerst vergewissert hatte, dass mein Mitfahrer und vor allem mein Bike unversehrt geblieben waren, stellte ich bei mir nur eine Wunde am Knie fest und hatte vor zügig weiter zu fahren. Doch auf dem wurzelreichen Trail hatte ich nun doch auch Schmerzen im Oberschenkel und im Rückenbereich, sodass ich auf den letzten Kilometern bis zur nächsten Zieldurchfahrt den Entschluss fasste, das Rennen nach zwei Runden abzubrechen. So kam ich schließlich in den Zielbereich, mit blutendem Knie, schweren Beinen und dem DNF vor dem inneren Auge. So nahm ich mir mit zwei anderen Fahrern die Zeit, bei der Zielverpflegung erst einmal etwas zu trinken und einen Riegel zu essen. Und schließlich fuhr ich nach zwei Minuten Pause dann doch weiter in die dritte Runde, denn ich kannte mich gut genug um zu wissen: Ich würde mir das nicht verzeihen, wenn ich so kampflos aufgeben würde. Außerdem hatte ich ja jetzt ohnehin nichts zu verlieren, da ich gefühlt bereits von allen anderen Fahrern überholt worden war. So ging ich, überraschend entspannt, die lange Trailauffahrt an und gondelte so in gleichmäßigem Tempo nochmal hoch, höher und noch höher. Auf den ausgiebigen Bergab-Passagen konnte ich trotz Hagel noch einige Plätze im Gesamtfeld und auch im Damenfeld gut machen und gab auf den letzten Kilometern nochmal alles. So erreichte ich schließlich nach 3:45 h und 58 km die legendäre Ziellinie. Zwar blutend, triefend nass und dreckig, aber immerhin. Ich hatte es geschafft!

Und nachdem auch ich verarztet und wieder einigermaßen trocken war, gönnten wir uns in wunderbarer Eulenatmosphäre die Eulenmuffins, Kuchen und Bratwurst.

Was für ein Rennen! Mit einem Gesamtplatz 5 bin ich nach diesem durchwachsenden Rennen mehr als zufrieden. Und vor allem kann ich sagen: Ich hab es durchgezogen, und die legendäre Mittelstrecke bezwungen!

Geschafft!
Evelyn



 Zitat des Tages aus dem Startblock: "Hey Kleine, willst du vorbei?"
                                                           "Nein danke, ich überhole euch bergauf so oder so."



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